90 Autoren, 130 Veranstaltungen an 5 Tagen. Das sind die 23. Landesliteraturtage im Jerichower Land. Am Sonnabend eröffnete Wolfgang Rüb im Genthiner Plenarsaal mit seinem Roman "Wohnquartett mit Querflöte" den Lesemarathon.

Genthin/Burg l Bevor Wolfgang Rüb ans Mikrofon durfte, um aus seinem Roman zu lesen, galt es die Landesliteraturtage standesgemäß zu eröffnen. Immerhin liegt eine lange Zeit der Vorbereitung hinter allen Beteiligten. Und so dankte Genthins Bürgermeister Thomas Barz allen Mitwirkenden in den Kommunen und vor allem dem Team um Gabriele Herrmann von der Genthiner Bibliothek. Er sprach von einem "Feuerwerk", was am Sonnabend gezündet wurde. 130 Veranstaltungen würden folgen.

Die offizielle Eröffnung übernahm Dr. Jan Hofmann. "Am Anfang war Licht und Feuer", zitierte der Staatssekretär aus dem Johannesevangelium. Und weiter: "Nein, am Anfang war das Wort." Hofmann zeigte dessen Entwicklung vom Schriftzeichen zum Brief bis hin zum Buch und zur Email auf. Lesen sei Voraussetzung für die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen, für Wissens- und Lustgewinn sowie für Unterhaltung.

Die Aufgabe des Staates sei es deshalb, das Lesen zu vermitteln. "Auch Migranten, Menschen mit Handicap und Menschen aus bildungsfernen Schichten." Hier setzen die Landesliteraturtage an, betonte auch Thomas Barz. "Sie sollen zum Lesen anregen." Und nachhallen. In Haldensleben gibt es dank ihnen zum Beispiel den Literaturtag der Stadt, im Salzlandkreis eine Schreibwerkstatt für Schüler...

Während die Begrüßungsreden, unterlegt mit Einlagen von der Querflöte, dahinplätscherten und manch Besucher gedanklich zu den Schnittchen und Häppchen abdriftete, die im Vorraum des Genthiner Plenarsaals aufgebaut waren, trat Wolfgang Rüb ans Mikrofon. Der Freyburger begann aus seinem Roman "Wohnquartett mit Querflöte" zu lesen. Und binnen von Sekunden passierte, wofür die Landesliteraturtage geschaffen sind. Die Schnittchen verschwanden aus den Gedanken, machten Platz für Rübs Geschichte vom ostdeutschen Ehepaar, das seine Jugendstilvilla an ein westdeutsches Pärchen verkauft. Ein Lächeln legte sich auf die Lippen der meisten Besucher, an vielen Stellen wurde laut gelacht.

Wer sich vorher mit Rübs Roman beschäftigt hatte, konnte erahnen, dass die Lesung ankommen würde. "Rüb beweist eine humorvolle, sarkastische Lebensklugheit, in intelligenten, sprachgewandten Sätzen festgehalten", schreibt zum Beispiel die Passauer Neue Presse über sein Werk.

"Eine köstliche Geschichte. Liebevoll, ironisch, emphatisch. Perfekt komponiert in makelloser Komik", heißt es in der Leipziger Volkszeitung. Auch wer heute zum ersten Mal von diesem Buch hört, kommt auf seine Kosten. Rüb nimmt mit seiner Geschichte von Ost und West alle mit. Eine wortgewaltige und urkomische Eröffnung liegt hinter uns. Drei Tage mit vollem Veranstaltungskalender (siehe unten) halten die Landesliteraturtage noch bereit.