Gommern/Karith/Pöthen l Die Befürchtung des älteren Mannes, dass seine Papiere auf dem Küchentisch liegen, bewahrheitet sich nicht. Er hat Führerschein und Fahrzeugpapiere dabei. Der Fahrer des DDR-Fabrikats ist Mittwochvormittag der Erste, der auf dem Feldweg nach Karith von Rüdiger Ebeling an die Seite gewunken wird. Zusammen mit seinem RBB-Kollegen Karsten Dannemann sowie Heike Müller und Kerstin Dömeland vom Ordnungsamt der Stadt Gommern kontrolliert er, inwieweit das Verbot, Feldwege zu befahren, eingehalten wird. Weil Verstöße gegen dieses im Feld- und Forstordnungsgesetz festgeschriebene Verbot (siehe Infokasten) in jüngster Zeit verstärkt festgestellt worden sind, wird in nächster Zeit auch verstärkt kontrolliert.

Der ältere Mann erklärt, dass ihm Ackerflächen entlang des Weges gehören, diese auch bewirtschaftet. Stimmt das, darf er den Feldweg benutzen. Seine Angaben (wie die aller anderen) werden später auf der Revierstation überprüft. Heike Müller reicht ihm ein Info-Blatt. Was die abgelaufene Tüv-Plakette anbetrifft, drücken die RBBs ein Auge zu. Im Gegenzug verspricht der Mann, sich schnell um einen Werkstatttermin zu kümmern.

Sie habe schon einen Tüv-Termin, sagt die zweite Autofahrerin, die gestoppt wird, und deren Plakette diesen Monat abläuft. Sie hatte gerade einen Weg erledigt und wollte auf der Rückfahrt noch mit ihrem Hund Gassi gehen. "Auf dem Acker?" Die RBBs werden hellhörig. Dafür habe sie die Erlaubnis des Bauerns, argumentiert sie und nennt die Parkmöglichkeit, die sie nutzen solle. Sie brauche die Erlaubnis schriftlich, sagt Karsten Dannemann.

Ein "hundefeindlich", nicht laut und vorwurfsvoll, aber vernehmlich, rutscht ihr über die Lippen, als ihr die RBBs bedeuten, dass sie weiterfahren müsse, ihren Vierbeiner jetzt nicht ausführen könne.

Neben dem Feldweg in Richtung Karith gehört der Verbindungsweg zwischen Nedlitz und Wahlitz, zwischen Vehlitz und Landhaus und von der B184 nach Dannigkow zu den bekannten Schwerpunkten, wo das Fahrverbot häufig ignoriert wird.

Mit Kontrollen ist in den nächsten Tagen und Wochen zu jeder Tages- und Nachtzeit zu rechnen, kündigen die RBBs an. Und in Kürze müssen die Autofahrer auch damit rechnen, zur Kasse gebeten zu werden. Das Ordnungsamt will sich an der Höhe orientieren, die in den Nachbargemeinden verlangt wird. Dort sind es zwischen 25 und 35 Euro.

"Dann muss ich ja jedes Mal einen Riesenbogen fahren", sagt die Peugeot-Fahrerin und schüttelt den Kopf. Dabei hat ihr unfreiwilliger Stopp auch etwas Gutes: Sie muss noch nicht zahlen und erhält den Hinweis, dass ihr rechter Scheinwerfer defekt ist.

Neben der gesetzlichen Regelung, die das Befahren von Feldwegen verbietet, gibt es aus Sicht von Rüdiger Ebeling noch einen sehr guten Grund, die Wege zu meiden. "Falls dort ein Unfall passiert, kann es Probleme mit der Versicherung geben", warnt er.

Hat der Renault-Fahrer die Polizisten von weitem gesehen oder wurde er von einem anderen Fahrer gewarnt? Erst hält er an, dann dreht er um. Rüdiger Ebeling winkt mit der Kelle, dass er die etwa 300 Meter zur Kontrolle vorfahren soll. Der Renault-Fahrer reagiert nicht. Die Polzisten setzen ihm auch nicht nach. "Das wäre nicht verhältnismäßig", sagt Rüdiger Ebeling.

Ein Radler, der seinen Hund ausführt, fordert die RBBs auf, ihre Schulwegkontrollen versteckter durchzuführen. "Sobald ihr mal nicht da seid, fahren die bis aufs Schulklo." Er meint damit die Eltern, die morgens ihre Kinder zur Grundschule bringen.

"Ich dachte, das gilt nur, weil dort `Kein Winterdienst` steht" oder "Traktoren fahren doch auch auf Bundesstraßen", sind weitere Erklärungen, die Autofahrer am Mittwochvormittag anbringen.

Zum Abschluss der Kontrolle geht den RBBs noch ein bekannter Kommunalpolitiker ins Netz. Er habe es wegen eines Arzttermines eilig, begründet er seine Abkürzung über den Feldweg. Obwohl ihn jeder der Anwesenden kennt, wird er nicht anders behandelt. Er muss seine Papiere vorzeigen und bekommt von Kerstin Dömeland das Informationsschreiben der Stadtverwaltung ausgehändigt. Den Kontakt zum Ordnungsamt nutzt er gleich, um Nachfragen zu Anliegen seines Ortes zu stellen.

 

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