Dem Anlass enstprechend fand am Tag der Deutschen Einheit am Freitag in Loburg eine Festveranstaltung zu 25 Jahren Wiedervereinigung statt. Der Tradition verpflichtet, trafen sich alle danach in der Stadthalle Möckern zum Broilerfest.

Loburg/Möckern l Voll besetzt war die Loburger Laurentiuskirche am Freitagvormittag. Stadtbürgermeister Frank von Holly hatte für den Festakt die Chöre aus Loburg und Möckern eingeladen, ein kleines Stück Einheit vollzog sich mit dem gemeinsamen Singen des Kanons "Dona nobis pacem".

Aus den Orten Loburg und Möckern kamen auch die beiden Zeitzeugen, die die Zuhörer in die Zeit vor der politischen Wende mitnahmen. Der damalige Loburger Pfarrer Götz Boshamer ging in seiner Rede nicht konkret auf die Loburger Ereignisse vor einem Vierteljahrhundert ein, wenngleich sich auch in seiner Laurentiuskirche die Menschen trafen, und die friedliche Revolution 1989 mit Leben erfüllten. Boshamer bezog in seiner Würdigung auch jene ein, die nicht öffentlich als friedliche Revolutionäre in Erscheinung getreten waren und sich nicht in die Märsche der Demonstranten eingereiht hatten: "Viele Menschen haben sich in der DDR ihre innere Moral und Anstand bewahrt. Ohne sie wären die Demonstrationen nicht möglich gewesen", glaubt der Pfarrer im Ruhestand.

"Ich war Revolutionär und hatte eine Scheißangst"

Seine ganz persönliche Wendegeschichte erzählte der Möckeraner Dr. Udo Rönnecke, der in den Wendezeiten mit am "Runden Tisch" saß und schließlich 18 Nachwendejahre als Bürgermeister von Möckern arbeiten sollte. "In Möckern fand die Revolution am 6. und 8. November statt. Ich war ein Revolutionär und hatte eine Scheißangst", gestand Dr. Rönnecke ein. Der studierte Veterinär hatte mit Reiner Kirsten den "Runden Tisch" geleitet, der aus der Neuen Forum-Bewegung heraus auch in Möckern entstanden war.

Dr. Rönnecke würdigte in diesem Zusammenhang die große Hilfe, die von der Stadt Dassel ausgegangen sei. Nach dem Fall der Mauer hatten Dassel im Sölling und Möckern im Jerichower Land eine Städtepartnerschaft aufgebaut, die bis heute Bestand hat. Im kommenden Jahr jährt sich die Freundschaft zum 25. Mal. Eine Einladung nach Dassel haben die Möckeraner schon.

600 halbe Broiler in der Stadthalle verteilt

In der Stadthalle Möckern herrschte nach soviel Rückbesinnung dann die gute Laune vor. Doch auch die Gastredner, die hier zu Wort kamen, stellten die Bedeutung von Freiheit und Demokratie heraus. Der Landrat des Jerichower Landes, Steffen Burchhardt (SPD), Landtagsabgeordneter Markus Kurze (CDU) und der Bürgermeister der Partnerstadt Dassel, Gerhard Melching - sie alle mahnten mit Verweis auf die Krisen der heutigen Welt, dass die Freiheit ein Geschenk sei, für welches man sich stets neu einsetzen müsse.

Das Programm gestalteten die Kinder des Horts und der Kita Möckern mit einer Peter-Pan-Aufführung, die Band "Ostwind" aus Drewitz, der Möckeraner Karnevalsklub die Schalmeiengruppe Sülldorf und der Zirkus Togolino. Die Moderation übernahm erneut Katrin Thilo. Im Rahmen des Broilerfestes wurden an die Gäste in der vollbesetzten Halle 600 halbe Hähnchen verteilt.

Den Abschluss des offiziellen Teiles gegen 17.30 Uhr bildete die Würdigung von Ehrenamtlichen aus den Ortschaften der Einheitsgemeinde Möckern. (Dazu mehr in einer der kommenden Ausgaben).

Bevor die Band "Ostwind" mit Akustikinterpretationen von "Gundermann" und diversen Ost- und Westrock-Bands das Publikum unterhielt, riefen die anwesenden Flämingköniginnen und Stadtoberhäupter zum "Annemarietanz" auf, der in der Flämingregion Tradition ist. Thomas Lindemann, Sprecher der "Fläming-Fraktion" im Stadtrat, wurde dabei von der amtierenden Flämingkönigin Eva von Holly aufs Parkett gebeten. Der bis dato auf diesen Tanz nicht vorbereitete Lindemann gab auf Volksstimme-Nachfrage schmunzelnd an, in seiner Flämingfraktion Tanzstunden anzuregen, um den flämingprägenden Tanz künftig beherrschen zu können.

   

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