Die Brückenwanderung per Rad absolvierten am Freitagvormittag über 30 Teilnehmer gemeinsam mit Gommerns Wegewart Steffen Grafe. Für einen Radler endete die Tour allerdings schon nach wenigen Kilometern mit einem Totalausfall.

Gommern/Vogelsang/Wahlitz l Die Dreibogenbrücke entlang des Radweges am Umflutkanal zwischen Plötzky und Heyrothsberge ist wegen ihrer Bauweise mit den drei Bögen hübsch anzusehen, aber für den Fahrradfahrer auch ein ordentliches Hindernis. Geländer auf beiden Seiten machen das Überqueren im Sattel unmöglich. Wer rüber will, muss absteigen und seinen Drahtesel um die Hindernisse herumwuchten.

Am Freitagvormittag bildet sich ein Stau, der es bei betroffenen Autofahrern vielleicht bis in die Verkehrsnachrichten geschafft hätte. Aus Richtung Vogelsang trifft Wegewart Steffen Grafe mit seiner über 30 Radler starken Gruppe ein. Radwanderer aus den Richtungen Plötzky und Heyrothsberge wollen ebenfalls über die Brücke.

Mal sind die einen dran, dann die anderen. Die Radler haben untereinander Verständnis. Bis sich der Rennradfahrer vordrängelt, der vorgibt, dass ihm unter Helm und Sonnenbrille die Rufe nicht erreichen. Einen Moment später ist der Drängler vergessen.

Dass die Gruppe so groß werden würde, war nicht geplant gewesen. Nur elf Teilnehmer hatten sich im Vorfeld für die Brückenwanderung angemeldet. Dreimal mehr Radler standen pünktlich zur vereinbarten Abfahrtszeit am Feuerwehrgerätehaus.

Eigentlich wird die Brückenwanderung zu Fuß absolviert. "Aber ich bin mehrfach angesprochen worden, dass die Teilnehmer sie heute lieber mit Fahrrad fahren möchten", erklärt Steffen Grafe.

Am Feuerwehrgerätehaus zückt er Blätter und seinen großen Kugelschreiber-Beutel und lädt alle Teilnehmer zu einem Gommern-Quiz ein. Da nicht wenige Radler zum wiederholten Male mit dem Wegewart die Gommeraner Umgebung entdecken wollen, ist es ein neues Quiz. Mit schwereren Fragen als beim letzten Mal, so erscheint es vielen. Wie tief ist der Brunnen im Heidegarten? Wann wurde die Kleinbahnlok auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellt? Wieviel Tonnen wiegt der schwerste Findling im Gesteinsgarten? Die Auflösung gibt es bei der gemeinsamen Einkehr.

Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein sind viele Gommeraner in ihren Kleingärten und schneiden und buddeln. Wenn sie zu der Radlergruppe rübersehen, ist erst einmal kein Ende in Sicht. Noch einer und noch einer und noch einer. Die Geschwindigkeit zwischen 14 und 16 km/h ist bequem, jeder kann mithalten und den Blick mal nach links oder rechts in die Natur schweifen lassen. Manche Radler fahren ein älteres Modell, andere ein sportliches mit differenzierter Gangschaltung, auch E-Bikes rollen mit.

Besonderheiten der Natur, die man sonst übersieht

Nur die Fahrgeräusche und hier und da ein Gespräch begleiten die tiefe Stille unterwegs nach Vogelsang. Nach knapp drei Kilometern ist das Forsthaus Vogelsang der erste Stopp. Eine Teilnehmerin, die vor vielen Jahren dort zuhause war, berichtet von ihrer schönen Kindheit. "Ich bin hier sehr gut aufgewachsen."

Einen halben Kilometer weiter stehen die Radler vor dem Kalten Bad, einer Schutzhütte mitten im Wald, und werfen durch den zu öffnenden Fensterladen einen Blick hinein.

Ob die Männer wohl den Frauen behilflich sein könnten, wenn es gleich über die Anhöhe geht, erkundigt sich Steffen Grafe bei seiner Gruppe. In Zeiten der Emanzipation müssten wohl eher die Frauen den Männern helfen, wird gescherzt. Aber fest steht: Egal, wer Hilfe braucht, wird sie bekommen.

Die Gruppe kommt trotz des weichen und hügeligen Untergrunds gut voran. Bis es plötzlich nicht mehr weitergeht. Der Grund wird schnell klar. Bei einem Teilnehmer ist eine Speiche gebrochen. Die Speiche fiel in die Kette, blockierte das Schaltwerk. Der Schaden sieht immens aus. Werkzeug und Hilfe stehen sofort bereit. Aber das ist kein Defekt, der sich im Grünen und ohne Ersatzteile beheben lässt. Für den Mann ist der Ausflug vorbei. Er muss sich abholen lassen. Steffen Grafe spricht mit ihm. Bevor bei jeder Tour der erste Kilometer gefahren wird, weist er darauf hin: "Jeder radelt auf eigene Gefahr".

Die Radler erreichen mit der unscheinbaren Schäferbrücke ihr erstes Ziel. Die Brücke war ab 1870 von Kriegsgefangenen erbaut und im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Über die Schäferbrücke geht es nicht drüber, den Ehle-Kanal überqueren die Radler erst an der Dreibogenbrücke.

Vor der Schäferbrücke die "Specht-Schmiede", eine Kiefer mit vielen Löchern, hinter der Dreibogenbrücke der versteckte Weiher mit Biberburg: Steffen Grafe lenkt den Blick der Radler immer wieder auf Schönheiten und Besonderheiten der Natur, die man sonst vielleicht nicht wahrnehmen würde.

Ohne nennenswerten Gegenwind, was auf dem Radweg des Umflutkanals keine Selbstverständlichkeit ist, sind die Radler zügig in Richtung Heyrothsberge unterwegs. Regelmäßig kommen ihnen Fahrradfahrer entgegen, die Feiertag und schönes Wetter ebenfalls für einen Ausflug nutzen.

Klusbrücke bei Wahlitz ist Ziel der Brückenwanderung

Auf dem Klusdamm-Radweg geht es in Richtung Wahlitz. Nach gut anderthalb Stunden und zwölf Kilometern ist das Ziel erreicht: die Klusbrücke. Ihr ist in den letzten Wochen und Monaten viel Aufmerksamkeit beschieden gewesen, weil sie dringend saniert werden muss. Dass es die Klusbrücke bei Wahlitz als einzige Brücke des Klusdammes überhaupt noch gibt, ist dem Martin-Schwantes-Klub Gommern zu verdanken, der in den 1970er und 1980er Jahren die Brücke reparierte. Inzwischen hat die Stadt Gommern Fördermittel für die Sanierung beantragt.

Wer sich die Klusbrücke genauer ansieht, bemerkt die Radabweisesteine, das Wappen der Stadt Magdeburg (eine Kopie) und den Gedenkstein.

Für einige Radler ist die Klusbrücke der Startpunkt ihrer individuellen Tour, der größte Teil kehrt mit Steffen Grafe in einem Wahlitzer Gasthof ein. Nachdem er die Küche telefonisch vorgewarnt hatte, dass die Gruppe weitaus größer ist als angemeldet, klappt das Mittagessen a la carte auch für die vielen Leute. Außerdem erfahren sie die Lösungen des Gommern-Quiz. 15 Meter ist der Brunnen im Heidegarten tief. Seit 1975 steht die Kleinbahnlok auf dem Bahnhofsvorplatz. Gut 80 Tonnen bringt der schwerste Findling im Gesteinsgarten auf die Waage.

Einen Tag später ist Steffen Grafe schon das nächste Mal als Wegewart unterwegs. Die Gruppe, die bis 15 Uhr angemeldet ist, sitzt noch viel länger am Lagerfeuer und jeder erzählt, wie er den Herbst 1989 erlebt hat.

Eine Tour zum Fürstengrab und zu den Nedlitzer Mumien plant Steffen Grafe noch in diesem Jahr. Die Termine gibt er rechtzeitig bekannt. Zwischen Weihnachten und Neujahr geht es zudem sportlich an den Weihnachtsspeck.

Bilder