Vom echten Gommeraner Produkt bis zum weitgereisten Mitbringsel aus China oder den USA: Mal wertvolle, mal skurrile Gegenstände kamen bei der Versteigerung zugunsten des Rumänienhilfevereins unter den Hammer.

Gommern l 148 Angebote auf der Liste, rund 30 Leute im Publikum. "Mit fünf Teilen geht heute jeder nach Hause", eröffnete Jens Hünerbein die Versteigerung im Alten Pfarrhaus, bei der Geld für die Ersatzbeschaffung eines Transporters für die Rumänienhilfe gesammelt wurde. Gommerns Bürgermeister schlüpfte an gleicher Stelle zum zweiten Mal in die Rolle des Auktionators und ließ bei allem Spaß nie locker, noch einen Euro mehr für die gute Sache herauszuholen.

Und bei aller Rhetorik ("Ich sehe das Bild schon in Ihrem Flur hängen" oder "Das ist doch allein der Karton wert") bediente er sich auch der Symbolsprache: Kleiner Hammer für kleine Preise, großer Hammer für große Summen.

Im Herzen sind die Gommeraner alle Fahrradfahrer, denn sonst wäre das Kleine-Durchsicht Ölwechsel-Paket einer einheimischen Werkstatt im Wert von 100 Euro wohl nachgefragter gewesen. Da half auch der mittlere Hammer in der Hand des Auktionators nichts. Schon bei 35 Euro hieß es "zum Dritten".

Einen regelrechten Bieterkampf lieferten sich die Frauen und Männer um die französische Monopoly-Ausgabe. Diese hatte Jens Hünerbein aber auch überzeugend beworben: "Die Kinder von Herrn Gühl sprechen jetzt perfekt Französisch" und dazu ein klein bisschen gedroht: "Die Mitglieder des Städtepartnerschaftsvereins haben die Pflicht mitzubieten.".So steigerte sich das Anfangsgebot von zwei Euro schnell auf elf Euro, die schließlich den Zuschlag erhielten.

Mehr als einmal erlebte der Auktionator betretenes Schweigen und intensives Nach-unten-Gucken, wenn partout keiner ein Gebot abgeben wollte.

"Wer hatte vorhin die Tischdecke ersteigert?"

Das Ölgemälde mit Burgruine ging weder einzeln noch im Paket weg, auch der Hackenporsche fand trotz klarer Argumente ("Darin können Sie Ihre ersteigerten Sachen ganz bequem nach Hause fahren") ebenso wenig einen Interessenten wie das multikulturelle Teedosen-Set, auch nicht in Kombination mit dem Vietnam-Schmuckteller.

Dieses Schicksal hätte beinahe auch die türkisfarbene Tonschale in Blattform ereilt, die für mindestens drei Euro einen neuen Besitzer finden sollte. "Wer hatte vorhin die Tischdecke ersteigert?" Danach fand sich doch noch ein Abnehmer. Bloß im Gegensatz zum Deckchen mit Rosenstickerei, das Jens Hünerbein mit dem großen Hammer und durch die Stuhlreihen schlendernd beworben hatte: "Handarbeit in Deutschland", verdoppelte sich der Preis nicht.

Beliebt waren Gutscheine der Apotheken und verschiedener Blumenläden sowie zum Essengehen in Gommern oder Ladeburg, die (fast) für ihren Wert den Besitzer wechselten. Für die großen Säcke Kartoffeln, Wachteleier und dazu gehörende Liköre brauchte Jens Hünerbein ebenfalls keinerlei Worte der Überzeugung.

Auch wenn der Bürgermeister für den guten Zweck und wegen des Abstechers vom Berufsalltag den Hammer schwang, konnte er beim Management Decision Maker (Entscheidungsfinder des Managements) nicht widerstehen und trieb den Bieterkrieg vorwärts, bis seine elf Euro niemand mehr toppen wollte. Die witzige Apparatur, die wie ein Glücksrad für den Schreibtisch aussieht, hatte Axel Gühl aus den USA mitgebracht. "Ich habe den Decision Maker für meine Karriere genutzt. Er hat sehr gut funktioniert", sagte der Vorsitzende des Fördervereins Altes Pfarrhaus natürlich auch für den guten Zweck. Nur weil er inzwischen pensioniert sei, brauche er ihn nicht mehr.

Bei der Versteigerung des Jemenitischen Dolches mit reich verziertem Gürtel, den Jens Hünerbein vorführte, ließ er Dietmar Schellbach, bis vor kurzem Leiter des Polizeireviers Jerichower Land, nicht vom Haken. Der Polizist willigte schließlich ein, "aber nur, damit der Dolch nicht an die Öffentlichkeit gerät" und scherzte mit den anderen, dass der ja wunderbar zur Replik einer chinesischen Opferschale passe, die ihm der Auktionator ebenfalls hartnäckig vermittelt hatte.

Für die Brockenhexe mit ihrer "eloquenten, geschwungenen Brille" wurde das Startgebot mehr als verdoppelt, die Löffel der sieben Zwerge blieben dagegen Ladenhüter. Für den Williamsbrand und zwei Flaschen Kräuter der Loburger Brennerei gab es insgesamt sechs Gebote, für das lebende Kamerunschaf nicht ein einziges. Keiner der Auktionsteilnehmer hätte das Tier bei sich unterbringen können. So blieb auch Jens Hünerbeins Angebot ungenutzt, die schweren Säcke voller Weizen nach Hause zu liefern, wenn ein Euro zusätzlich geboten würde.

"Ich sehe das Bild schon in Ihrem Flur hängen."

Ein Abnehmer fand sich für die Hula-Hoop-Reifen zwar auch nicht, aber genügend Zuschauer ließen sich auf Jens Hünerbeins Aufforderung ein, extra zu zahlen, wenn Christiane Marschners Reifen 250 Umdrehungen schafft. Anfangs wurde laut mitgezählt, aber das Publikum geriet eher außer Atem als die Sportlerin.

Der Bücherständer aus Kenia mit geschnitztem Holzmotiv wurde nur unter der Bedingung ersteigert, dass auf die Bücher, die es als Extra gab, verzichtet werden konnte.

Da abzusehen war, dass für den Aufruf aller 148 ausgelegten Teile (mit Ausnahme des Schafes) wohl bis Mitternacht gebraucht würde, wurde ein Ende gegen 22 Uhr festgelegt. In der letzten Viertelstunde wurden Teile auf Wunsch aufgerufen. So ersteigerte Axel Gühl ein Altes-Pfarrhaus-Kugelbild von Rolf Winkler, das auch im Gebäude bleiben soll. Um die Vogelstimmenuhr, das Motorrad-Modell oder den Gutschein der Pöthener Gärtnerei entwickelten sich noch einmal Bieterduelle.

Insgesamt kamen 835 Euro zusammen. "Mit der Summe sind wir sehr zufrieden", sagte Edeltraud Nickel, Vorsitzende der Rumänienhilfe Gommern.

   

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