Burg l Wenn in der Kreisstadt zur Museumsnacht gerufen wird, ist immer etwas los in den Straßen. Bis zum späten Abend herrscht reges Treiben - auch bei dieser 8. Auflage. Ein Zeichen dafür, dass das Interesse an der Heimatstadt und ihren Kostbarkeiten ungebrochen ist.

Diesmal mit dabei waren wieder die Türme der Stadtbefestigung, der Wasserturm und der Bismarckturm, die Kirchen, die Bibliothek und das Hugenottenkabinett.

Die Zinnfigurenausstellung war besonders für die Jüngsten interessant. Faszinierend die Dioramen, die mit Tausenden Figuren und in nachempfundener Landschaft geschichtliche Ereignisse von Weltbedeutung nachstellen und zu ihrem Verständnis beitragen. Wer sich also mit Zinnfiguren beschäftigt, braucht Interesse für Geschichte, viel Fantasie und vor allem Geduld, denn ohne diese kommt nichts Ordentliches zustande. Der Weg bis zur fertigen Darstellung einer historischen Szene in einem Diorama ist lang, und man kann mehrere Jahre damit verbringen. Er beginnt beim historisch detailgetreuen Entwurf der Figuren, geht über die Gravur der Form in Ölschiefer, das Gießen und Entgraten bis zum Bemalen. Schließlich müssen die Figuren angeordnet werden, damit die Szene komplett ist. Till Otto Schrödl sah sich genau an, wie Zinnfiguren gegossen werden. "Das ist richtig spannend", sagte er. Hardy Howey führte es geduldig vor und gab gern Auskunft.

Die Zinnfigurenfreunde treffen sich immer sonntags, die Ausstellung ist für Besucher dann auch immer zwischen 10 und 12 Uhr zu besichtigen. Oder nach Vereinbarung. Wer Interesse hat bei den Burger Zinnfigurenfreunden mitzumachen und schon 12 Jahre alt ist, kann sich dort zu diesen Zeiten gern melden, sagte der Vorsitzende der Gruppe, Gerald Liedtke.

Szenenwechsel: Am Bismarckturm traf sich die kommunale Prominenz. Denn die Burger Stadtwerke spendierten dem Heimatverein und im Besonderen der Interessengruppe Bismarckturm die Außenbeleuchtung. Und die dazu notwendige Elektroenergie. Von nun an erhellen zwei LED-Bodenstrahler vom Dunkelwerden bis gegen 23 Uhr den Turm, den Burger Bismarckfreunde zur Erinnerung an den "Eisernen Reichskanzler" 1907 einweihten. Das von Spenden in kürzester Zeit errichtete Bauwerk, das 2007 zu seinem 100-jährigen Bestehen dank der Initiative des Heimatvereins und seiner Interessengruppe wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, bietet den Besuchern von der Plattform einen faszinierenden Blick über die Stadt.

Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Alfred Kruse sagte beim Einschalten der beiden Strahler, die mit ihren 50 Watt genau so viel Licht abgeben wie konventionelle 400-Watt-Strahler, dass damit ein Vorgeschmack auf die mögliche künftige Straßenbeleuchtung gegeben werde. Bei der Inbetriebnahme zugegen waren unter anderem der Stadratsvorsitzende und Schirmherr der Bismarckturm-Interessengruppe, Markus Kurze, Bürgermeister Jörg Rehbaum und der Vorsitzende des Heimatvereins, Lutz Freye.

Der erleuchtete Turm stellte natürlich einen besonderen Anziehungspunkt in der Museumsnacht dar. So kamen viele Besucher und genossen den nächtlichen Blick über die Stadt, legten eine Pause bei Glühwein und Soljanka am offenen Feuer ein und fanden so Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Bilderreise in der Kirche

Einige hundert Meter Luftlinie entfernt präsentierte Pfarrer im Ruhestand Joachim Gremmes die St. Nicolaikirche als Gesamtkunstwerk. In einer Bilderreise nahm er die Gäste mit zu den versteckten Schönheiten der im Jahr 1186 erstmalig urkundlich erwähnten romanischen Unterkirche. Der Quaderbau entstand aus skandinavischem Granit, der im Gegensatz zum äußeren Mauerwerk von innen nur grob behauen ist. Hoch hinauf ging es gedanklich mit Unterstützung der Bildpräsentation in die Turmspitzen, die nur über eine etwa 30 Zentimeter breite, aber stabile Leiter zu erreichen sind. Zwischen den ursprünglichen 60 und 62 Meter hohen Kirchtürmen wurde im Jahr 1617 eine Türmerwohnung eingebaut. Der Türmer, auch Turmwächter oder Turmbläser genannt, versah im Auftrag des Magistrats der Stadt Burg seinen Glöckner- und Wachdienst. Von dieser luftigen Höhe aus konnte er als Erster die Menschen vor herannahenden Gefahren warnen und läutete zu verschiedenen Anlässen die Glocken. "Auch wurde für die Tagelöhner, Handwerker und Bauern um 18 Uhr der Feierabend eingeläutet. Am 1. April 1893 wurde die Türmerstelle endgültig aufgehoben", erläuterte Gremmes.

Auch über ein vorhandenes, wenn auch über die Jahre verwittertes umlaufendes Fries, das zur Gliederung und Dekoration von Teilen eines Bauwerks diente, berichtete der Pfarrer. Zur Verdeutlichung hatte er das nicht mehr vorhandene und kunstvoll gestaltete Fries in einer Fotomontage an heutiger Stelle wieder sichtbar gemacht.

Mehrere Grabdenkmäler befinden sich in der Turmhalle sowie am Außenbau der Kirche. In die südliche Apsis wurde der älteste unter den an der Nicolaikirche vorhandenen Grabsteinen gelegt, der einem 1321 verstorbenen Priester gewidmet ist.

Der barocke Hauptaltar der St. Nicolaikirche wurde 1699 errichtet. Der hölzerne, zweigeschossige Altaraufsatz besteht aus zwei Säulen, auf denen ein "gesprengter Segmentgiebel" ruht. So ein Giebel scheint unvollendet, da seine geöffnete Mitte, die meist kunstvoll verziert ist, "gesprengt" wirkt. Neben der linken Säule ist Moses mit den Gebotstafeln zu sehen und auf der anderen Seite steht die Figur Johannes des Täufers.

Der frühere Altar wurde für die St. Nicolaikirche von der Cranachwerkstatt in den Jahren von 1584 bis 1588 hergestellt. 1703 wurde dieser kleinere Altar an den Ort Stresow für 6 Taler und 8 Groschen verkauft und kann auch heute noch dort besichtigt werden.

Vieles gibt es noch in der ältesten Burger Kirche zu entdecken und zu bestaunen. Gottesdienste und auch Konzerte finden regelmäßig in der St. Nicolaikirche statt.

   

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