Der Stadtförderverein Wir für Gommern veranstaltete gemeinsam mit der Sekundarschule Fritz Heicke und der Europaschule Gymnasium Gommern den 5. Berufsinformationstag. 14 Unternehmen stellten ihre Ausbildungsberufe vor.

Gommern l Das Rendevousz zwischen der Barmer GEK und den Sekundarschülern ist schnell vorbei. Wer bei der Krankenkasse eine Ausbildung beginnen möchte, darf nur Einsen und Zweien auf dem Zeugnis haben. "Das wars schon", sagt eine Schülerin frei heraus. "Da müssen Sie sich eine andere Klasse suchen."

Der Mann von der Barmer lässt sich davon nicht beeindrucken, fordert die Schüler auf, sich im Unterricht mehr anzustrengen, um bessere Noten zu bekommen. Die Lehrer seien schuld?, fragt er auf einen Einwurf der Schüler zurück. "Nur Sie mit Ihren Noten können sich den Weg ebnen." Den Weg, als Berufstätiger genügend Geld zu verdienen, um sich Wünsche erfüllen zu können, setzt er hinzu.

Sein Kollege von der Sparkasse Jerichower Land, dem die nächsten 15 Minuten mit den Sekundarschülern gehören, sagt gleich, dass man die Eignung "nicht an bestimmten Noten festmachen" wolle, aber Bankkauffrau/ -mann sei ein anspruchsvoller Beruf. "Für eine erfolgreiche Ausbildung muss man was tun." Gute Leistungen in Mathe und Deutsch sind ebenso Voraussetzung wie Team- und Kontaktfreudigkeit.

Insgesamt 14 Unternehmen nutzten den 5. Berufsinformationstag für Sekundarschüler der Klassen 9 und 10 sowie für die Zehntklässler des Gymnasiums, ihre Ausbildungsberufe in der Region vorzustellen. Neben den bewährten Firmen boten auch neue Unternehmen den rund 140 Schülern Einblicke in technische, kaufmännische oder handwerkliche Berufe sowie in duale Studiengänge.

Die Stiemerling-Seniorenresidenz, die ein Haus mit 115 Pflegeplätzen in Gommern führt, würde gern Auszubildende aus der Region finden. Aber das ist nicht einfach. "Die Gymnasiasten sind sich schon sicher, dass sie studieren wollen, und von den Sekundarschülern wissen viele noch nicht, was sie wollen", sagte Dagmar Flögel. Hinzukommt: "Nicht jeder Bewerber kann genommen werden". Die Arbeit in der Pflege ist (trotz aller Hilfsmittel) körperlich und psychisch anspruchsvoll. "Bestimmte Dinge kann man am Anfang nicht abschütteln." Da sei es wichtig, ein gutes Team zu haben, das einen auffange. Wenn sich Bewerber vielleicht nicht auf Anhieb für die Pflege entscheiden, dann unter Umständen beim zweiten Anlauf. Fragen haben die Gymnasiasten an Dagmar Flögel nicht. Sie gibt an ihren Kollegen von der Bundesnetzagentur ab.

Es ist, als würden zwei Welten aufeinanderprallen. Auf der einen Seite die Pflegekräfte mit schlechter Bezahlung und Früh-, Spät- und Nachtdiensten, 365 Tage im Jahr.

Auf der anderen Seite die Bundesnetzagentur, die schon ihre Auszubildenden gut entlohnt und geregelte Arbeitszeiten bietet. Am frühen Freitagnachmittag ist Schluss. Wochenende und Feiertage sind immer frei.

Handwerklich-technische Fähigkeiten, Teamgeist und in Mathe und Physik nicht schlechter als Note 2 sind die Voraussetzungen, sich bei der Bundesnetzagentur zu bewerben. Wer die Ausbildung mit einem Studium verbinden will, braucht einen Abi-Durchschnitt von mindestens 2,5. "Die Übernahmechancen sind sehr gut", erklären Kay Robra und Christopher Heydecke.

Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit des 5. Berufsinformationstages. "Im Nachgang zu den einzelnen Vorträgen wurden bereits konkrete Gespräche geführt sowie Termine für Praktika vereinbart", sagte Andreas Noth von Wir für Gommern. Auch Ideen für den 6. Berufsinformationstag wurden eingebracht und sollen umgesetzt werden.