Gommern l Um 13.09 Uhr fährt der Bus nach Dornburg/ Neuer Krug ab Haltestelle Schulzentrum ab. Kaum zehn Minuten vorher nestelt Karsten Dannemann an der Brusttasche seiner Jacke. Sekundenschnell ertönt der Pfiff aus seiner Pfeife, verbunden mit einem Wink an einen Jungen, der vom Gymnasium gerade losradeln will. Erschreckt und unsicher, was er falsch gemacht haben könnte, kommt der vielleicht Elfjährige näher. Der Regionalbereichsbeamte weist ihn auf das Einbahnstraßenschild in der Busschleife hin. Der Junge nickt und versichert, künftig richtig rum zu fahren.

Kaum ein Schüler, der unterwegs zum Sportunterricht, an der Bushaltestelle die Regionalbereichsbeamten nicht grüßt. Dass sie den engen Kontakt zur Bevölkerung haben, wieder Polizei "zum Anfassen" sind, ist, was Rüdiger Ebeling und Karsten Dannemann an ihrer neuen Aufgabe als Regionalbereichsbeamte so gut gefällt.

Der Bus kommt. Außer den RBBs steigt am Schulzentrum keiner ein. Zwei Minuten später hält der Bus an der Grundschule. Die Jungen und Mädchen, die in Reihen darauf warten, einsteigen zu können, kriegen ganz große Augen, als sie merken, dass Polizisten in ihrem Schulbus mitfahren.

"Alle suchen sich einen Platz und setzen sich hin", ruft Rüdiger Ebeling den Kindern zu. Während er vorne bleibt, schaut Karsten Dannemann im hinteren Teil des Busses nach dem Rechten.

Das Erstaunen der Kinder weicht schnell ihrer Neugier. Warum die RBBs mitfahren, ist ihre drängendste Frage. "Weil in Schulbussen Dinge passieren, die nicht in Ordnung sind", erklärt Rüdiger Ebeling. Kinder würden beispielsweise hin- und hergeschubst.

Der Schulbus hat am Bahnhof und an beiden Haltestellen in Dannigkow die ersten Kinder rausgelassen, ist jetzt auf der B 184 unterwegs in Richtung Leitzkau und Ladeburg. Karsten Dannemann und Rüdiger Ebeling haben die kleinen Passagiere angehalten, die Sicherheitsgurte anzulegen. Noch ist die Benutzung nicht Pflicht. "Aber eigentlich sollte es doch cool sein, sein Leben zu schützen", argumentieren sie mit den Kindern.

Die meisten wollen vor der Polizei einen guten Eindruck machen, andere testen aus, wie weit sie gehen können.

Bei einem kurzen Stopp in Dornburg, als die letzten Kinder ausgestiegen sind, wird der Busfahrer berichten, dass ohne die RBBs nicht so viele Kinder auf den Plätzen bleiben. Dass die Erst- bis Fünfklässler viel aufgektratzter als die größeren Schüler sind. Dass man sonst sein eigenes Wort im Schulbus nicht versteht, weil die eine Gruppe die andere übertönen will. Dass es nicht einfach sei, sowohl den Bus zu fahren, als auch die Kinder über den Spiegel im Blick zu haben. Wenn es nach dem Busfahrer ginge, könnten die RBBs regelmäßig einsteigen.

Die Jungen und Mädchen sehen das nicht anders. Wer sich beim nächsten Mal von alleine anschnalle, erhalte ein Bonbon, verspricht Rüdiger Ebeling. Ein Versprechen, das die Kinder nicht vergessen. Die RBBs aber sicherlich auch nicht.