Der Versuch der Stadtverwaltung Burg, doch noch ein Wochenendhausgebiet am Niegripper See zu schaffen, ist gescheitert. Die Ausschüsse des Stadtrates stimmten gestern Abend auf der Sitzung zur Haushaltskonsolidierung mit großer Mehrheit dagegen. Auch der Fischereiverein Burg lehnte das Vorhaben im Vorfeld ab.

Burg l Nach den Protesten und Bedenken im vergangenen Jahr, unter anderem von Anglern, aber auch aus den Reihen der Stadträte, ging die Stadt noch einmal in die Offensive, um auf der Burger Seite des Niegripper Sees ein Areal für ein Wochenendhauswohngebiet mit direktem Zugang zum See zu schaffen und zu veräußern (Volksstimme berichtete). Der Plan war auch Bestandteil des Haushaltskonsolidierungskonzeptes, das die Stadt wegen des Fehlbetrages von rund 3,9 Millionen Euro aufgestellt hatte. Unterm Strich sollten mit dem Verkauf der insgesamt 16 angestrebten Grundstücke rund 200 000 Euro auf der Habenseite stehen. Geld, das in Teilen auch für die Entwicklung des öffentlichen Strandbereiches verwendet werden soll, hatte Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) seinerzeit erklärt.

Proteste hagelte es unter anderem von den Anglern. Der Fischereiverein Burg als Pächter der Wasserfläche beklagte, dass Angelplätze am so genannten Hundestrand und ein wichtiger Seeteil für die Naherholung für immer verloren wären.

Die Verwaltung habe die Bedenken der Angler ernst genommen und Möglichkeiten für Angelplätze außerhalb des vorgesehenen Grundstücksbereiches geschaffen, erklärte Sachgebietsleiter Sven Wagener vor wenigen Tagen auf der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses. So könnten im nördlichen und südlichen Bereich neue Angelmöglichkeiten hergerichtet werden.

Gestern Abend nun wollte Rehbaum nach langen Diskussionen "zum Kern der Angelegenheit kommen" und Fakten schaffen. Er erhoffte sich damit eine Abstimmung zugunsten einer Bebauung.

Allerdings war die übergroße Mehrheit der Stadträte bereits Tage zuvor anderer Meinung. Marco Klapper (CDU/FDP/Burger Freie Wähler) kritisierte, dass es seit der ablehnenden Haltung der Angelverbände kein weiteres Gespräch zwischen der Stadtverwaltung und Anglern gegeben habe.

Auch Barbara Bester (Linke) bekräftigte ihre ablehnende Haltung. "Früher in der DDR waren wir eingesperrt, jetzt würden wir ausgesperrt sein", sagte sie. So sahen das auch die Mitglieder ihrer Fraktion in Gesprächen mit der Volksstimme. Zudem seien viele Bürger gegen eine Bebauung, sagte Bester. "Das ist das Ergebnis von zahlreichen Gesprächen."

Schützenhilfe leistete auch die Fraktion Freie Wähler/Endert-JL: "Wir sind gegen den Verkauf. Unsere Nachkommen sollen den Niegripper See eines Tages nicht nur per Luftbild erkunden müssen", sagte Fraktionschef Frank Endert.

Der Fischereiverein Burg begrüßte das Abstimmungsverhalten der Ausschüsse des Stadtrates. "Es gab seit Januar keine weiteren Gespräche mit der Stadt. Dicht aneinandergereihte Angelplätze am Rande des Baugebietes betrachten wir als keine Alternative. Außerdem war nicht nachvollziehbar, dass ein weiterer Seebereich veräußert und den Einwohnern entzogen werden sollte", sagte der Vorsitzende Wolfgang Skrypzak am späten Abend. "Wir hoffen, dass das Thema jetzt endgültig vom Tisch ist. Denn es gibt für eine Bebauung keine Akzeptanz."

Bei dem ursprünglich vorgesehenen Wochenendhausgebiet handelt es sich um eine Fläche von rund 13 000 Quadratmetern.