Möckern/Lostau l Das Szenario ist bekannt. Fremde Leute rufen bei Rentnern an, geben sich als ein Verwandter oder Bekannter aus, denken sich eine fantasievolle Geschichte aus, die mit der Bitte nach Geld endet. Oder der Rentner hat bei einem Gewinnspiel viel Geld gewonnen, und um diesen Betrag zu erhalten, bedarf es zunächst einer Überweisung. Obwohl diese sogenannten Enkeltrick-Anrufe in der vergangenen Zeit oft vorkamen, in den Medien oft vor gewarnt wird, fallen Ältere immer wieder darauf herein. So geschehen in dieser Woche in Möckern und Lostau.

Wieder zwei Betrugsfälle im Landkreis

In Möckern wurde eine 72-jährige Frau am Montag angerufen, mit der Nachricht sie habe 48500 Euro gewonnen. Für sonstige Aufwandskosten sollte die 72-Jährige sogenannte Paysafekarten kaufen. Das tat die Möckeranerin in einer örtlichen Tankstelle und im Einkaufsmarkt. Insgesamt lud sie 400 Euro Guthaben auf die Karten. Die Betrüger riefen daraufhin erneut an und erfragten die Pin der Paysafekarten, die wurde ihnen am Telefon ausgehändigt. Kurze Zeit später rief die unbekannte Person erneut bei der älteren Dame an und sagte, sie habe nun anstatt 48500, 84500 Euro gewonnen. Dadurch seien die Aufwandskosten allerdings auf 5260 Euro gestiegen, welche sie mit einer Bargeldeinzahlung bei einer Bank begleichen sollte. "Zu der Überweisung ist es dann nicht mehr gekommen, weil die Polizei verständigt wurde", sagt Pamela Friedrich vom Polizeirevier Jerichower Land.

Eine andere Masche in Lostau: Hier verständigte am Dienstag ein 72-Jähriger die Polizei, weil er seit einem halben Jahr Anrufe einer männlichen Person erhält. Dieser habe ihn laut Polizei mehrmals aufgefordert, Paysafekarten mit einem bestimmten Guthaben zu kaufen. "Er ließ sich einschüchtern, da die Person damit drohte, ihn bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen", so Friedrich. Er kaufte die Karte mit einem Guthaben von 100 Euro, gab dem Anrufer die Pin, darauf meldete sich der Unbekannte wieder, dass die 100 Euro nicht ausreichen. Daraufhin erhielt er per Post einen Überweisungsschein in Höhe von 500 Euro. Der Lostauer überwies. "Da sein Konto aber nicht gedeckt war, kam eine Abbuchung nicht zustande", teilt Friedrich mit.

Anrufer nutzen Unwissenheit aus

Seit einigen Tagen werden vermehrt Anrufe fremder Personen dem Polizeirevier Jerichower Land gemeldet. Neben Gewinnversprechen, wird Druck ausgeübt oder auch direkt nach Bargeld oder Schmuck gefragt. "Die Anrufer nutzen die Unwissenheit der meist älteren Leute aus oder erschleichen sich das Vertrauen, indem sie sich als Verwandte ausgeben", macht die Polizei deutlich.

In solchen Fällen empfiehlt die Polizei, sich vom Anrufer die Telefonnummer geben zu lassen, und diese mit bereits bekannten Nummern zu überprüfen. Zudem solle man sich nie unter Druck setzen lassen. "Vereinbaren Sie frühestens für den kommenden Tag einen Gesprächstermin und überprüfen Sie die Angaben", heißt es in einem Infoblatt der Polizei.