Heute Nachmittag findet im Landeshauptarchiv in Magdeburg die Preisverleihung des Jugendwettbewerbs zu "1914-1918: Heimat im Krieg" statt. Zu den Preisträgern gehören Zehntklässler der Europaschule Gymnasium Gommern.

Gommern l Von der am Küchentisch geäußerten Euphorie "Endlich können wir unser Vaterland verteidigen" über die ersten Frontbriefe, die noch von einem "guten Ende" ausgehen und erste Krisenzeichen wie die Einsammlung von Großmutters bislang gehütetem Schmuck, zur Verknappung der Lebensmittelrationen, falschen Verdächtigungen und der lapidaren Mitteilung "Wir bedauern Ihren Verlust": In dem zehnminütigen Film gelingt es den Schülerinnen der Klasse 10a die Arglosigkeit, mit der die Bevölkerung dem Kriegsausbruch entgegensah, und den wachsenen Schrecken der Familien eindringlich darzustellen. In den Worten der Jury heißt das: "Besonders beeindruckt hat uns der Videoclip, der sich mithilfe eines empathischen Zugangs an die Lebensverhältnisse sowie den Kriegsalltag der Zuhausegeblieben herangetastet hat".

Fenia Magel, Laura Holley, Julia Fahle, Justine Binaek, Madita Westphal, Lea Ducho und Henriette Koczian schlüpften dafür in die Rollen der Männer, die in den Krieg ziehen, der zurückbleibenden Frauen, die für sich und ihre Kinder unter immer schwerer werdenden Bedingungen ihr (Über-)Leben organisieren müssen.

Dreharbeiten in Loburg und Leitzkau

Der Videoclip gewann einen der Preise des Wettbewerbs "1914-1918: Heimat im Krieg - Zur Alltagsgeschichte des Ersten Weltkrieges in Sachsen-Anhalt."

Aber nicht nur der zehnminütige Film, den die Schülerinnen nach eigenem Drehbuch im vergangenen Sommer unter anderem auf der Burg Loburg und im Schloss Leitzkau gedreht haben, erhielt ein Lob der Jury. Das gesamte Konzept der Klasse 9a (jetzt 10a), zu dem eine Internetseite unter anderem mit Broschüre zum Kriegsgefangenenlager Zerbst und ein Audiotagebuch gehört, konnte "wegen des Facettenreichtums der Projektideen" überzeugen.

"1914-1918: Heimat im Krieg" lautet der Titel der Ausstellung, die seit Jahresbeginn in verschiedenen Museen und Einrichtungen in Sachsen-Anhalt zu sehen ist und mit ihren regionalen Objekten und Dokumenten zum Kriegsalltag aus 20 Museen den Blick auf die Alltagsgeschichte des Krieges, die Erlebnisse der kleinen Leute zu Hause schärfen soll.

Der preisgekrönte Wettbewerbsbeitrag ist im Geschichtsunterricht bei Lehrer Michael Franz entstanden.

In ihrer Doppelstunde im vorigen Schuljahr waren stets 45 Minuten für die Arbeit am Projekt reserviert. "Gedreht haben wir aber an Wochenenden", berichteten die Schülerinnen, die auch bei Technik, Requisite und Kostüme großes Engagement zeigten. Ihr Drehbuch sei aus der Ideensammlung aller entstanden, die am Film mitgewirkt haben. "Es ist eine ausgedachte Geschichte, die aber so stattgefunden haben könnte", erklärte Michael Franz.

Erster Preis: Reise nach Frankreich

Heute Nachmittag erleben die Schülerinnen im Landeshauptarchiv Magdeburg ein umfangreiches Programm. Wie bedeutend ihr Preis ist, spiegelt nicht zuletzt die Liste der Beteiligten wider: Prof. Dr. Silke Satjukow und Dr. Monika Gibas, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Kristin Otto, Vorsitzende des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Ulrike Höroldt, Leiterin des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt u.a. Bei der Festveranstaltung erfahren die Gymnasiasten auch, welcher Sachpreis ihnen zugesprochen wird. Es winkt unter anderem eine Reise nach Frankreich.

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