Mit seinen 94 Jahren ist der ehemalige Lehrer Kurt Scholz einer der immer weniger werdenden Zeitzeugen der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges. Der Burger kann sich aber auch noch an seine in der Weimarer Republik verbrachte Kindheit erinnern.

Burg l Die Möglichkeit, mit einem solchen Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen, ließen sich jetzt Jugendliche aus Burg und der Burger Partnerstadt La Roche-sur-Yon (Frankreich) nicht entgehen.

Das Interview mit Kurt Scholz fand im Rahmen eines von 100 "Projekten für den Frieden" statt, einer Aktion des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (Volksstimme berichtete bereits). Anlass war der Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren.

Kindheit in den 1920er Jahren

Als Kurt Scholz 1920 in Burg geboren wird, sind Deutschland und die Deutschen vom verlorenen Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) und seinen Folgen beherrscht. Kurt Scholz erinnert sich noch gut an die vielen Kriegsinvaliden auch auf den Burger Straßen in seinen Kinder- und Jugendjahren.

Nach dem Ende der Hyperinflation 1923 beginnen die "Goldenen Zwanziger Jahre" und bringen auch den Burgern einige wirtschaftlich bessere Jahre, ehe dann 1929 die Weltwirtschaftskrise einsetzt, deren Folgen in Deutschland bis in die Mitte der 1930er Jahre zu spüren sind.

Ab 1935 ist Kurt Scholz in der Ausbildung, lernt vier Jahre lang den Beruf des Frisörs. In dem Jahr, als der Burger auslernt, stürzen die Nationalsozialisten Deutschland dann in einen neuen Krieg.

Nach dem Arbeitsdienst in der Altmark und in Belgien wird Kurt Scholz 1940 Soldat in einer Nachrichtenabteilung und in Frankreich, Polen sowie Russland eingesetzt. 1944 gerät Scholz in russische Gefangenschaft und hat in der Folge "viel Glück", wie er selbst sagt.

Er wird nach Kasachstan transportiert und muss in 800 Metern Tiefe im Kohlebergbau arbeiten. Scholz erkrankt schwer und kommt, für ihn ist es bis heute ein Wunder, in ein Sanatorium an der Wolga.

Nach seiner Genesung muss er in russischen Fabriken und in der Landwirtschaft arbeiten, wird aber bereits 1945 aus der Gefangenschaft entlassen, während Hunderttausende Kameraden die Heimat erst nach Jahren oder gar nicht mehr wiedersehen.

Wieder in Burg, kann Kurt Scholz wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr als Frisör tätig sein. Er wird Lehrer und arbeitet über 30 Jahre in diesem Beruf.

Mit 88 Jahren das Schreiben wiederentdeckt

Gedichte verfasst hatte Kurt Scholz schon als Soldat. Im hohen Alter, mit 88 Jahren, beginnt er dann ein zweites Mal mit dem Schreiben, verarbeitet unter anderem seine Erlebnisse als Soldat und in der Gefangenschaft. Kurzgeschichten sind mit "Fronturlaub 1943" oder "Für mich geht der Krieg seinem Ende zu" überschrieben. Sogar ein Büchlein "Ein beschwerlicher Weg - Meine Erlebnisse im 2. Weltkrieg 1940-1945" ist 2011 erschienen. Daneben entsteht "Heimatliches", was die Verbundenheit und Liebe zur Stadt Burg und ihrer Umgebung widerspiegelt.

Dokumentation für den Offenen Kanal Magdeburg

Inzwischen musste der 94-Jährige das Schreiben wegen zunehmend schlechter werdender Augen aufgeben. Um so mehr freute Kurt Scholz sich über das Interesse der Burger und französischen Jugendlichen an seinen mit Erinnerungen und Erfahrungen gespickten Ausführungen.

Das Gespräch der jungen Leute mit Kurt Scholz hat Anne Bornkessel vom Offenen Kanal Magdeburg gefilmt. Ausschnitte werden Eingang finden in eine Dokumentation über das Friedensprojekt der Jugendlichen, die Mitte November im Offenen Kanal Magdeburg und im Internet zu sehen sein soll.