Burg l 2010 hatten der Freundeskreis "Carl von Clausewitz" und die Kreisstadt die Absicht, den alljährlichen Clausewitz-Preis an die polnische Stadt Breslau zu vergeben. Hintergrund war, dass Burg den Breslauern dankbar ist, dass sie Anfang der siebziger Jahre der DDR den Zuschlag zugesprochen hatten, die Gebeine des preußischen Militärreformers und seiner Gattin Marie in seiner Geburtsstadt beisetzen zu lassen. In Breslau war Clausewitz gestorben und bestattet worden. Aber der Friedhof war durch den Zweiten Weltkrieg beschädigt und die Grabstelle danach fast in Vergessenheit geraten. 1971 schließlich geschah die Überführung nach Burg. Wie es zu DDR-Zeiten üblich, von der Öffentlichkeit abgeschirmt und mit einer geheimnisumwitterten Aura umgeben.

Dass die Aktion im Ergebnis trotzdem zustande kommen konnte, sei Breslaus Stadtvätern zu verdanken, betont heute noch der Freundeskreis. Dass es 2010 nicht zu der geplanten Ehrung für Breslau gekommen ist, bedauert er weiterhin. Ein Brief als Einladung sei damals geschrieben, aber leider nicht beantwortet worden. Jetzt gibt es eine neue Chance, die polnische Stadt für ihr über vierzig Jahre zurückliegendes Engagement Anerkennung zu zollen. Zu tun hat das mit dem Besuch des CDU-Bundestagsabgeordneten Manfred Behrens. Er wollte sich unbedingt die Erinnerungsstätte anschauen, hatte er dem Freundeskreismitglied Dr. Rolf-Reiner Zube vor einem Jahr versprochen.

Als er vom Kustos der Einrichtung, Klaus Möbius, beim Rundgang hörte, dass die Ehrung für Breslau 2010 geplatzt sei, der Freundeskreis aber gern sie doch noch verwirklichen würde, meinte er zur Überraschung von Zube und Möbius: "Ich könnte möglicherweise helfen."

Manfred Behrens, so seine Erklärung, würde versuchen, Kontakte mit der polnischen Stadt zu knüpfen. "Ich bin Mitglied der CDU-Arbeitsgruppe `Vertriebener` im Bundestag. Ich werde mit dem Vorsitzenden sprechen, ob wir die Stadtverwaltung Breslau kontaktieren und so zwischen Ihnen und den Polen erneute Beziehungen anbahnen können."

Behrens zeigte sich im Übrigen von der Erinnerungsstätte begeistert. Er gestand, dass er sich eigentlich nur vorgestellt hat, dass sie eine "kleine Stube mit einigen Ausstellungsstücken ist". Aber dass sie solch eine umfassende und interessante Ausstattung und inzwischen internationales Renommee besitzt, habe ihn sehr überrascht und gefreut. Plötzlich an Zube und Möbius die Zwischenfrage: "Haben Sie versucht, auch finanzielle Mittel von der Bundesstiftung Denkmalpflege zu erhalten?" Nein, war die Antwort. Die Stiftung steht in Obhut des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der auch für Denkmalschutz und Baukultur zuständig ist. Behrens versprach, dass er dort vorsprechen und sich erkundigen wolle, ob auch die Clausewitz-Erinnerungsstätte und der Freundeskreis Unterstützung erhalten könnte. "Es gibt noch einige Wünsche, um unsere Ausstellung zu bereichern, zum Beispiel mit militärischen Gegenständen oder Dokumenten aus der Zeit von Carl von Clausewitz", meinte er.

Ergebnis des Besuches war zudem die Zusicherung von Manfred Behrens, dass dies nicht das letzte Mal war, wo er Station beim Clausewitz-Freundeskreis gemacht hat und dass er am 17. November nach Burg kommt, um die erneute Verleihung des Clausewitz-Preises mit zu erleben.