Von Bernd Körner

Burg l Wer kennt die Sütterlin-Schrift? Hans-Georg Dräger vom Burger Clausewitz-Freundeskreis kennt sich aus. Der Studienrat wurde 1929 geboren und 1935 eingeschult. "Wir lernten Sütterlin von der ersten Klasse an. 1939 wurde auf die lateinische Schrift gewechselt. Von dem alten Schriftbild ist bei mir trotzdem einiges hängen geblieben."

Es gibt einen 280 Briefe-Fundus von Marie von Clausewitz an ihren Ehegatten. Die Burger hatten sich entschieden, rund 160 davon von der Preußischen Kulturstiftung für entsprechendes Entgelt als Fotokopien zu besorgen. Aber wer soll die Briefe, verfasst Anfang des 19. Jahrhunderts und in einer Schrift, die vor 200 Jahren üblich war, in die heutige Schriftart "übersetzen"? Hans-Georg Dräger wagte sich an das Unternehmen. 80 oft sechs- bis siebenseitige Marie-Postulate wurden ihm als erster Schub überreicht. Zwar war Sütterlin ein Jahrhundert später im Gebrauch, aber doch verwandt mit der Schrift der Clausewitzschen Zeit. "Ich nahm mir die Briefe vor, begann mit der Übersetzung im September. Oft sind es Namen, Titel und Dienstgrade, die man schwer in Klartext bringen kann." Marie von Clausewitz hat zudem Kürzel verwendet, die kaum enträtselt werden können. Ostern will er die 80 Schreiben durchgearbeitet haben.

Was die Übersetzungsarbeit von Dräger erbracht hat, wurde von der Magdeburger Historikerin Inge Poetzsch unter die Lupe genommen. "Ich bin Herrn Dräger sehr dankbar, dass er sich an die Transkription gewagt hat", schwärmte Poetzsch am Montag in der Erinnerungsstätte und überreichte ihm eine Flasche Sekt. Die Expertin preußischer Geschichte hielt einen Vortrag über den Inhalt der Briefe.

"Die Briefe sind von bedeutendem Wert, da bisher unbekannt. Unsere heutigen Veranstaltung ist eine deutschlandweite Premiere zum Bekanntmachen dieser Sammlung. Es sei "eine innige Liebe mit großer Hingabe" gewesen. Der Bildungsstand von Marie von Clausewitz war hoch. Sie war unter anderem mit Schiller und Goethe bekannt. Vieles Persönliche und auch Intimes sei den bisher übersetzten Marie-Briefen zu entnehmen. So ging es dem Ehepaar finanziell nie gut, es blieb kinderlos. Nach dem frühen Pesttod des preußischen Militärreformers hielt Ehefrau Marie fest, dass sie "21 Jahrs hochbeglückt an der Seite dieses Mannes leben durfte."