Die Bahn ist auf der Suche nach geeignetem Berufsnachwuchs. Dabei werden neue Wege beschritten. Bei der Bahnbaugruppe in Königsborn fand kürzlich ein "Gleisbau-Camp" statt.

Königsborn l Lehrausbilder Andreas Martin ist in die Hocke gegangen. Er hantiert an einer Holzschwelle mit dem Zollstock, der heute Gliedermaßstab heißt. Die potenziellen Bahn-Azubis in ihren frischen Arbeitsanzügen, den sauberen Schutzhandschuhen und den funkelnagelneuen, schwarzen Arbeitschuhen schauen ihm auf die Finger. Der Mann erläutert die Aufgabe: Auf die Schwelle sind mittig mit Hilfe so genannter Rippenplatten die beiden Eisenbahnschienen in der entsprechenden Spurweite zu montieren.

Da brummt es in den Köpfen der jungen Männer. Schwellenlänge ausmessen, die Mitte, farbig markieren, Spurweite anzeichen, Mitte der Rippenplatte ausmessen, an Spurweite anpassen, die vier Bohrlöcher markieren. Und dann geht es ans Bohren ins harte Eichenholz. Natürlich per Hand mit einem langstieligen, scharfen Bohrer, der immer schön senkrecht gehalten werden will. Das geht schon in die Arme.

"Diese vier Tage Gleisbau-Camp in Königsborn sind bei der Bahn eine Neuerung", sagt Bahnsprecherin Judith Hübner. "Wir haben moderne Kommunikation wie Facebook, Flyer, Verbindungen zu Schulen und weitere Informationswege genutzt, um Lehrstellensucher auf die Bahn und ihre interessanten Berufe aufmerksam zu machen." Bei den Gleisbau-Camps und dem Elektro-Camp in Leipzig könnten die jungen Leute mal in den Beruf hineinschnuppern.

Die Bahn verspricht sich mit dem direkten Kontakt in der Praxis, die Fähigkeiten, die Charaktereigenschaften und die Eignung besser einschätzen zu können. Judith Hübner meint, die Bahn stelle schon hohe Anforderungen, doch man wolle davon abkommen, diese vornehmlich an den Schulnoten festzumachen.