Jeden ersten und dritten Dienstag im Monat kommen junge Mütter mit ihrem Nachwuchs zum Baby-Treff. Das gemeinsame Erleben und spielen mit dem Kind steht im Vordergrund, es gibt Tipps, Gespräche und auf Wunsch Unterstützung bei Problemen. Das ist eines der Angebote des Paritätischen Beratungszentrums in Burg in der Straße der Einheit 19.

Burg (mk) l Sophe Bierstedt hat es ins Leben gerufen. Die Sozialpädagogin betreut hier unter anderem den Bereich "Frühe Hilfen". Dieses Angebot besteht seit zwei Jahren und ist das einzige dieser Art im Jerichower Land. Das Ziel: Frühzeitig Unterstützung anzubieten, um so Schieflagen in der Familie zu vermeiden. "Viele Eltern sind in der heutigen Zeit verunsichert und setzen sich selbst sehr hohe Maßstäbe. Wir stehen ihnen beratend und unterstützend zur Seite", sagt Bierstedt.

Doch das Beratungszentrum bietet noch viel mehr unter einem Dach: Hier hat neben der Erziehungs- und Familienberatung auch die Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung ihren Sitz. Zu der nur fünf Minuten entfernten Drogen- und Suchtberatungsstelle des Paritätischen (DROBS Burg) in der Bahnhofstraße 7 besteht seit Jahren ein enger Kontakt. Das ist gut und notwendig. "Die Probleme der Menschen sind heute vielschichtiger. Die Zahl der psychischen Erkrankungen ist gestiegen, Trennung und Scheidung sowie Drogenkonsum und Spielsüchte nehmen zu", weiß Alexandra Radtke, Diplom-Psychologin und Leiterin des Beratungszentrums. Kaum ein Klient hat nur eine Sorge. Wer Drogen nimmt, hat oft auch Schulden, kein Geld für Verhütung und sucht dann Rat in der Schwangerenkonfliktberatung.

Auch die Zahl der DROBS-Klienten, die Familie haben, ist in den letzten Jahren gestiegen. "Wenn ich merke, das Kindeswohl ist gefährdet, greife ich zum Hörer", erklärt Suchtberater Jan Eiglmeyer.

Meist müssen viele Puzzleteile zusammengesetzt werden. Das passiert in trägerübergreifenden, anonymen Fallbesprechungen. Hier treffen sich die Paritätischen Berater mit Kollegen der sozialpädagogischen Familienhilfe, der Opferberatung, aus dem Frauenhaus des DRK und mit einer Dozentin für Heilpädagogik der Fachhochschule. "Ohne Vernetzung geht gar nichts. Wir alle sind Profis in unserem Bereich", weiß Eiglmeyer. Damit haben die Akteure etwas geschaffen, das inzwischen ein Qualitätsmerkmal in der Beratungslandschaft Sachsen-Anhalts ist: die integrierte Beratung. "Oft gibt es dieselben Probleme über Jahre. Wir betreuen zum Teil Familien in der dritten Generation, die unsere Hilfe brauchen. Das Ziel der integrierten Beratung ist auch, diese Muster zu durchbrechen", erklärt Leiterin Alexandra Radtke.

Über 300 Fälle bearbeiten ihre Kolleginnen und sie pro Jahr. Viele Klienten kommen mehrmals in die Familienberatung, 42 Prozent aus eigener Initiative, 25 Prozent über die Sucht- oder Schwangerenberatung und 17 Prozent über das Jugendamt.

"Dieser Zulauf beweist, dass wir das Vertrauen der Klienten besitzen und sie unsere Hilfe zu schätzen wissen", so Radtke.