Auch der Vater im Himmel schien zu wissen, dass am Sonnabend etwas Besonderes vor sich geht. Goldenen Sonnenschein schickte er, als die neue Glocke der Nedlitzer Kirche das erste Mal erklang.

Nedlitz l Eigentlich weiß man gar nicht so recht, wo man anfangen soll, will man vom Sonnabend in Nedlitz erzählen. Zum ersten Mal wurde die neue Glocke "Glaube" in Nedlitz geläutet. Damit verbunden waren die pure Freude, Aufgeregtheit, erste Male und viele Menschen, die diesen besonderen Moment miteinander teilten. Viele Eindrücke, die aufeinander trafen.

"Glocken sind wie Musikinstrumente", sagt Pfarrer Henke in seiner Predigt beim feierlichen Gottesdienst. Schon in der Bibel sei in einem Psalm die Rede von Instrumenten - auch wenn es zu dieser Zeit noch keine Glocken gab. "Aber wenn man das betrachtet, passen die Glocken sehr schön bei uns hinein. Ihr Klang erreicht tiefere Schichten in uns, denn wir verbinden fest etwas mit Tönen und Musik", kündigte er die Glocken an. Bereits zum Beginn des Gottesdienstes hatte man Glocken klingen hören - allerdings nur die zwei großen und älteren.

"Zum Vater Unser wird die kleine neue Glocke das erste Mal ertönen", verriet Dr. Peter Weber, Vorstandsvorsitzender des Kirchfördervereins, noch vor dem Gottesdienst. Als es soweit war, alle Besucher in der Kirche standen und gleichzeitig die Zeilen aufsagten, war es zu vernehmen, das helle Klingen. Und auch als alle verstummten, klang die Glocke noch für einige Schläge nach. "Schön", sagte eine ältere Dame leise mit heller Stimme, aber doch für alle hörbar, als die Glocke dann wieder schwieg.

Bis dahin waren die Glocken nur einzeln geläutet worden. Als sie zum Ende des Gottesdienstes alle zusammen erklangen, standen alle Besucher vor der Kirche, um den Klang richtig hören zu können. Während dessen standen die drei "Hobby-Küster" Uli Prosche, Peter Weber und Mike Jandl staunend im Glockenturm. Läuteten per Hand die großen Glocken, passend zum automatischen Läuten der kleinen Glocke. "Das ist ein ganz besonderer Moment für uns, das können Sie mir glauben", sagte Peter Weber noch, mit einem unbändigen Lächeln auf seinem Gesicht. Denn mit dem gemeinsamen Läuten der Glocken, war auch die letzte Etappe dieses großen Vorhabens des Kirchfördervereins genommen.

"Der Glaube war nie ausgezogen aus Nedlitz. Auch wenn einige in den vergangenen Tagen meinten, `der Glaube sei in Nedlitz zurückgekehrt`, als die Glocke kam", kommentierte Pfarrer Henke mit einem Lächeln auf das Miteinander an diesem Tag.

Mit einer zweideutigen Bitte beendete der Geistige den Gottesdienst dann: "Bitten wir Gott, dass uns Liebe, Glaube und Hoffnung nie verloren gehen." - Nicht nur, dass den Nedlitzern die drei göttlichen Tugenden erhalten bleiben, sondern auch ihre Glocken, die nach ihnen benannt sind. Denn durch Kriege waren die eigentlichen Glocken abmontiert, beschlagnahmt und eingeschmolzen worden.

   

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