Zum dritten Mal hat am vergangenen Wochenende ein Chorprojekt mit ambitionierten Sängern aus der Region das Publikum überzeugt. Unter der Leitung von Loburgs ehemaligen Kantor Thorsten Fabrizi führten in der Loburger St.-Laurentius-Kirche etwa 50 Chormitglieder Antonio Vivaldis "Gloria" und einen Bach-Choral auf.

Loburg/Wollin l Erst nach einer Zugabe ließen die über 150 Zuhörer im Loburger evangelischen Gotteshaus am Sonnabend die Aufführenden gehen. Die gleichen Begeisterungsstürme ernteten die Ausführenden auch am Sonntag im brandenburgischen Wollin, wo Torsten Fabrizi nach seinem Weggang aus Loburg eine neue Anstellung gefunden hat.

Es war das dritte Chorprojekt innerhalb von drei Jahren unter seiner Leitung. Der Chor setzte sich wie in den Vorjahren aus ambitionierten Vokalisten des Kirchenkreises Elbe-Fläming und Chormitgliedern weltlicher Chöre der Region zusammen. Neu dabei waren auch Sangesfreudige aus Wollin, Wusterwitz und Ziesar (ebenfalls Kirchenkreis Elbe-Fläming). Auch solche, die sonst nicht in einem Chor singen, waren seit Beginn der Chor-Reihe von Torsten Fabrizi aufgerufen worden, sich an den anspruchsvollen Projekten zu beteiligen.

Gerade mal fünf Probentage hatten die Frauen und Männer Zeit, um die Gesangsparts einzustudieren.

Die instrumentelle Begleitung übernahmen die Solisten Anja Osterkemper (Sopran) und Elisabeth King (Alt), Cornelia Frenkel an der Orgel, Joachim Diemer (Trompete) und das Ensemble "Amare Discordia" mit Violinen, Cello und Kontrabass.

Neben dem "Gloria" von Vivaldi erklangen die Sonate für Violine und Basso continue in g-moll von Francois Francoeur sowie der Choral "Jesus bleibet meine Freude" von Johann Sebastian Bach. Damit entführten die Ausführenden ihr Publikum auf eine Reise durch die Barockmusik, stoppten in Italien und Frankreich, um schließlich in Mitteldeutschland zu landen.

"Gloria": fester Bestandteil des Gottesdienstes

Das "Gloria" ist fester Bestandteil christlicher Gottesdienste. Eine komplette Messe besteht dabei aus Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) hatte seinerzeit das "Gloria" als eigenständiges Stück vertont.

Auf die Bedeutung des Begriffes "Gloria" und seiner Einbettung in der Heiligen Schrift ging am Sonnabend der Loburger Pfarrer Georg Struz in einem Wortbeitrag etwas genauer ein. Der Text stammt aus dem Lukasevangelium. Jedoch gab es schon früh unterschiedliche Übersetzungen der Passage, die sich auf "Gottes Gnade" bezieht. Die griechische Wortwahl lässt mehrere Interpretationen zu. Eine davon lautet sinngemäß "Ehre sei Gott in der Höhe, und Frieden allen Menschen guten Willens." Wer also hat da den Frieden verdient? Wer ist guten Willens?

Pfarrer Struz knüpfte hier an die aktuellen Geschehnisse in der Welt an: "Ist es denn in diesen Tagen, in denen wir immer wieder und überall an die Vergänglichkeit unserer Tage erinnert werden, angemessen, Jubelgesänge anzustimmen?" Ja, meint der Loburger Pfarrer, denn religiöses Denken sei auch bei nicht-religiösen Menschen am ehesten an den Wendepunkten menschlicher Existenz anzutreffen, bei Freude, Neubeginn Trennung und Tod: "Dann fragen die Menschen nach dem woher und wohin und manchmal auch nach Gott. Wir haben zur Dankbarkeit Grund genug. Vor 25 Jahren fiel die deutsche Mauer, wir können selbst bestimmen, brauchen keine Furcht vor dem Winter zu haben und leben, wo wir wollen. "Dank, Freude und Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit spiegeln sich in Antonio Vivaldis Gloria wieder und bleiben auch für uns ohne Zweifel aktuell", so Struz.

Laut Thorsten Fabrizi dürfte es das letzte Chorprojekt gewesen sein, das im Loburger Bereich einstudiert und aufgeführt wird. Zwar soll es weitere Chorprojekte geben, die dürften dann jedoch ihren Mittelpunkt im Bereich Wollin haben.

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