In den sechs Ortschaften der Gemeinde Biederitz heulen am Freitagabend die Sirenen. Alarm für die Feuerwehr! In der Gerwischer Waffelfabrik brennt es. Doch es ist nur eine Übung. 62 Kameraden sind mit 15 Fahrzeugen im Einsatz.

Gerwisch l Kurz nach halb sieben am Freitagabend rufen die Sirenen und die digitalen Alarmierer die Kameraden von Gerwisch, Woltersdorf und Königsborn in die Gerätehäuser. Feuer in der Waffelfabrik von Gerwisch! Die Fahrzeuge setzten sich in Bewegung. Die Gerwischer sind als erste vor Ort. Sie hatten die vollgestopfte Bundesstraße 1 lediglich zu überqueren. Mit den blitzenden, blauen Sondersignalen, die im Dunkeln weithin zu sehen sind, kämpfen sich die Fahrzeuge aus Woltersdorf und Königsborn über die verstopfte Bundesstraße.

Wenig später werden die Wehren aus Heyrothsberge, Biederitz und Gübs nachalarmiert.

Auf dem Gelände der Waffelfabrik rüsten die ersten Trupps zum Löschangriff.

Im Hausanschlussraum der Fabrik hat es eine Verpuffung gegeben. Es brennt. Über der Brandstelle liegen Büroräume. Die Mitarbeiter können die Kameraden einweisen. Mehrere Menschen werden vermisst.

Schlauchstrecke von rund 400 Meter Länge

Befehle schallen durchs Dunkel. Die Kameraden beginnen mit der Personensuche in Büro und Hausanschlussraum. Die Löschwasserversorgung wird hergestellt. Mit Atemschutzgeräten dringen die Kameraden in das Gebäude ein.

Derweil tönen nachrückende Wehren durch den Abend. Die Signale lassen vermuten, dass die Kindertagesstätte im Eschenweg angesteuert wird. Von dort aus muss eine Schlauchstrecke zum hinteren Teil des Fabrikgebäudes gelegt werden. Rund 400 Meter Schlauchstrecke sind quer über den Sportplatz aufzubauen. Im Dunkeln eine Herausforderung für die Kameraden.

Nur an den tanzenden Helmleuchten kann man erahnen, wo Schlauch an Schlauch gekuppelt wird. Zwei Kameraden legen ihre Atemschutzgeräte an, hängen sich die Wärmebildkamera über den Arm und verschwinden in der verqualmten Lagerhalle. Minuten später zerren sie eine verletzte Person an die frische Luft. Aus dem Strahlrohr schießt das Löschwasser. Zusätzliche Kameraden haben die Brandbekämpfung aufgenommen.

Als die Einsatztrupps die erfolgreiche Menschenrettung und Brandbekämpfung melden, lässt der Einsatzleiter Wolfgang Beckmann, Chef der Gerwischer Feuerwehr, die Einsatzübung beenden. 62 Kameraden treten den Rückzug an.

Ziel ist die Bildung von vier Einsatzabschnitten

Die gesamte Übung, in der vier Einsatzabschnitte gebildet werden sollten - Menschenrettung und Brandbekämpfung im Sozialtrakt, Wasserversorgung Bahnhofstraße, Wasserversorgung Eschenweg sowie Menschenrettung und Brandbekämpfung im Lager - ist von neutralen Beobachtern begleitet worden. Sie werden eine Gesamteinschätzung erstellen.

Gemeindewehrleiter Carsten Kiwitt schätzte wenige Stunden nach der Übung ein, dass die angenommenen Aufgaben gut gelöst wurden. Einige Einsatzziele konnten jedoch nicht erreicht werden. Die Beteiligung an der Übung war befriedigend. Mit 62 Einsatzkräften waren etwas über 35 Prozent aller aktiven Kameraden vor Ort.

Dreizehn Einsatzfahrzeuge und zwei Anhänger waren zum Einsatzort gekommen. "Einige Ortsfeuerwehren sind mit einer ungenügenden Anzahl an Führungskräften vertreten", so der Gemeindewehrleiter. Die Gübser Freiwillige Ortsfeuerwehr war zunächst nicht einsatzbereit, da die einzige Führungskraft nicht verfügbar war. Erst nach Abordnung eines geeigneten Kameraden konnten die Gübser eingesetzt werden.

Carsten Kiwitt bewertet das Übungskonzept als gut. Er regt an, nach einer gründlichen Auswertung die Übung in ähnlicher Form zu wiederholen.

 

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