Für ihre "Blütenträume" erhielten die Gommeraner Klöpplerinnen beim Wettbewerb in Annaberg-Buchholz einen Sonderpreis für Originalität. Klöppeln ist seit Jahrzehnten eine beliebte Handarbeit in Gommern.

Gommern l Jutta Lehmann redet, was das Klöppeln anbetrifft, nicht lange um den heißen Brei herum: "Entweder man macht es gern oder man schmeißt es in die Ecke". Wer nicht genügend Geduld für die alte Handarbeitstechnik aufbringt, ist mit einem anderen Zeitvertreib besser aufgehoben. Für Jutta Lehmann bedeutet Klöppeln "Entspannung und Ablenkung". Darin stimmt sie mit Isolde Böhlke und Gisela Braune überein. Sie gehören zu den zehn Frauen, die unter dem Dach der Kulturwerkstatt klöppeln. Wer in dieser Technik gut sein möchte, darf eine "gewisse Herausforderung" nicht scheuen und muss allerhand Fingerfertigkeit mitbringen.

"Eigentlich ist das Klöppeln in unserer Gegend nicht verbreitet gewesen. Umsiedlerinnen brachten es nach dem Zweiten Weltkrieg mit." Eine Zeit lang konnten Frauen dadurch Geld hinzuverdienen. Meterweise stellten sie in Lohnarbeit beispielsweise Spitzen für Tischdecken oder Bekleidung her.

Später wurde das Klöppeln wieder zum Hobby und in Gommern im Handarbeitszirkel angeboten. "Es lernt sich viel einfacher, wenn es einem jemand zeigen kann", erklärt Jutta Lehmann. Die Klöppelgruppe überstand die schwierige Zeit der Wende und gehört heute wie die Malgruppe, Textilkünstler und die Stick-, Strick- und Häkelgruppe zur Kulturwerkstatt mit derzeit etwa 50 aktiven Mitgliedern.

Die Zeiten, in der es sogar Kindergruppen fürs Klöppeln in Gommern gab, sind allerdings vorbei.

Dabei sind die Gommeraner Klöpplerinnen alles andere als altmodisch. Kitschige oder nostalgische Motive? Weit gefehlt. Mit ihren "Blütenträumen" überraschten Isolde Böhlke, Jutta Lehmann und Gisela Braune nicht zum ersten Mal die Jury in Annaberg-Buchholz, wo regelmäßig einer der wichtigsten Klöppelwettbewerbe Deutschlands stattfindet.

Die Gommeraner Frauen reichten nicht irgendwelche Blumen ein, sondern Blüten im übertragenen Sinne: falsche Geldscheine. "Wir haben über Wochen, eigentlich Monate diskutiert, Entwürfe skizziert und Arbeitsproben angefertigt", blickt Jutta Lehmann zurück. "Im Mai hatten wir endlich die zündende Idee." Danach sei alles fast wie von selbst gelaufen. Die Frauen kopierten einen Fünf-Euro-, einen Zehn-Euro- und einen 20-Euro-Schein schwarz-weiß und vergrößerten die Vorlagen etwas. "Die markanten Details der Scheine klöppelten wir mit farbigen Garn und brachten sie auf die Kopien auf", erklärt Gisela Braune. Mit einem Passepartout versehen und gerahmt, wurde der originelle Wettbewerbsbeitrag nach Sachsen geschickt und mit allen anderen Exponaten ausgestellt. Die Jury erkannte den Klöpplerinnen aus der Kulturwerkstatt Gommern den Sonderpreis für Originalität zu. Darauf sind nicht nur Jutta Lehmann, Isolde Böhlke und Gisela Braune stolz, sondern alle Mitstreiter aus der Kulturwerkstatt.

Es war nicht das erste Mal, dass die Frauen in Annaberg-Buchholz ausgezeichnet worden sind. Aber eines ist klar: "Das hat mehr Arbeit gemacht als die Geldscheine wert sind", sagt Jutta Lehmann. Weil klöppeln eine so zeitintensive und anspruchsvolle Handarbeit sei, könne man etwas Geklöppeltes nur an jemanden verschenken, "der damit anzufangen weiß", den großen Aufwand schätzen kann.

Wer das Klöppeln oder eine andere Handarbeit oder Darstellungsform ausprobieren möchte, ist in der Kulturwerkstatt Gommern herzlich willkommen. Absprachen können unter 039200/523 83 getroffen werden.

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