Gerwisch/Wahlitz l Wer in Gerwisch Bäckerei sagt, meint das Geschäft von Meister Erich Döring. Genauer: das ehemalige Geschäft von Erich Döring, das sein damaliger Altgeselle Frank Pöschel vor vier Jahren übernommen hat.

Der mittlerweile 78 Jahre alte Döring ist ein Handwerksmeister der alten Schule. Seine erfolgreiche Meisterprüfung ist datiert auf den 3. Dezember 1964 - also vor knapp 50 Jahren. Dies war für die Magdeburger Handwerkskammer der Anlass, ihn mit dem goldenen Meisterbrief auszuzeichnen.

Döring einen Teil seiner Bäckerlehre im elterlichen Betrieb in Leitzkau. Später wechselte er nach Burg, Havelberg und Tübingen. Döring sagt: "Gerade in Tübingen habe ich nach der Lehre in den Jahren 1954 und 55 sehr viele Erfahrungen gesammelt."

Sein Traum vom eigenen Geschäft erfüllte sich Döring mit seiner Frau Hildegard im Juni 1965. Sie eröffneten eine Bäckerei in Gerwisch: "Ich habe einen schlecht laufenden Betrieb übernommen und daraus ein florierendes Geschäft entwickelt", sagte Erich Döring gestern zur Volksstimme. Im Laufe der Zeit hat er dort zwei Backöfen gebaut, unter anderem einen Daub-Ofen. Döring: "Das ist der Mercedes unter den Backöfen."

Der Altmeister ist dafür bekannt, das seine Freude am Ausprobieren und Kreieren keine Grenzen kannte. Unter anderem hat er etliche Brötchensorten und ein Vierkornbrot entwickelt. Sein Wissen gab er jederzeit gern an seine Lehrlinge weiter. Zu diesen Lehrlingen gehörten auch Familienmitglieder.

Geehrt wurde Erich Döring kürzlich im Rahmen einer Festveranstaltung im Haus des Handwerks. Dort hat die Handwerkskammer Magdeburg 14 diamantene Meisterbriefe und 25 goldene Meisterbriefe an verdiente Handwerksmeister verliehen. "Der Meistertitel ist ein Garant für Ausbildung, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit. Am Meisterbrief darf nicht gerüttelt werden", sagte Handwerkskammer-Präsident Hagen Mauer. Er kritisierte die Aktivitäten der Europäischen Union, die derzeit unter anderem meisterpflichtige Berufe infrage stellt.

Zu den Handwerksmeistern sagte Mauer: "Sie stehen für die lange Tradition des deutschen Handwerks." Vertreten waren auch Handwerker aus Gewerken, die heute nicht mehr ausgebildet werden oder selten sind, zum Beispiel Betonstein- und Terrazzomeister, Färber- und chemischer Reinigungsmeister, Schlossermeister, Müllermeister, Schuhmachermeister und Tapezierermeister.

Die einzigen Damen in der Runde waren Friseurmeisterin Editha Eichhorst (88) aus Magdeburg, Damenschneidermeisterin Gerda Kröncke (84) aus Magdeburg und Friseurmeisterin Edeltraut Scholz (80) aus Langenweddingen. "Der älteste Herr war Friseurmeister Alfred Rosenberger (92) aus Oebisfelde. Er hat seine Meisterprüfung am 12. September 1949 abgelegt und bis zum Ende seines Berufslebens im Jahr 1989 zirka 40 Friseure ausgebildet", erklärt Kammersprecherin Anja Gildemeister.

Zwei diamantene Meisterbriefe als Schlosser- und Kfz-Meister erhielt der Magdeburger Willi Meyer (84). Er ist ehemaliger Vizepräsident der Handwerkskammer, ehemaliger Metall-Landesinnungsmeister und seit dem Jahr 2000 Träger des Ehrenrings, der höchsten Auszeichnung der Handwerkskammer Magdeburg.

Einige der kürzlich ausgezeichneten goldenen Handwerksmeister hatten ihre Meisterbriefe 1964 im Haus des Handwerks erhalten. Für sie war die Feierstunde im restaurierten Haus des Handwerks deshalb etwas ganz Besonderes, es ist seit Oktober 2012 Dienstsitz der Handwerkskammer Magdeburg.

Den goldenen Meisterbrief erhalten Handwerksmeister, die vor 50 oder mehr Jahren vor der Handwerkskammer Magdeburg ihre Meisterprüfung abgelegt haben beziehungsweise ihren Betriebssitz im Kammergebiet haben.