Eine Million Tonnen Müll sind es, die seit fünf Jahren in den Tongruben bei Möckern und Vehlitz verrotten. Darunter: Hausmüll, der giftige Gase frei setzt. Die werden durch Brunnen aufgefangen. Und das noch bis 2033. Bezahlt hat dafür erstmal das Land. Und zwar 16,25 Millionen Euro.

Vehlitz/Möckern l Hausmüllähnliche Abfälle wurden in erster Linie neben dem mineralischen Material in den Tagebauen von Vehlitz und Möckern vorgefunden. So steht es im Sicherungskonzept. Nichts, was in eine Tongrube gehört. Zumindest in keine, die nicht die Sicherheitsvorkehrungen einer Deponie aufweist. Denn genau das war weder in Vehlitz noch in Möckern der Fall, als zwischen 2005 und 2008 dort illegal der Müll eingelagert wurde.

Deswegen werden die Gruben nun seit fünf Jahren unter hohem Aufwand saniert - um Umwelt und Anwohner zu schützen. Zuständige Gefahrenabwehrbehörde ist das Landesamt für Geologie und Bergwesen. Mit Unterstützung der Landesanstalt für Altlastenfreistellung hat die Behörde die Sicherungsmaßnahmen realisiert. Doch eigentlich müsste die insolvente Sporkenbach Ziegelei GmbH Möckern als ehemalige Betreiberin der Gruben Verantwortung tragen. Nur: Der Insolvenzverwalter beklagte jede angeordnete Gefahrenabwehrmaßnahme.

Gasbrunnen sollen Sicherheit garantieren

Rückblick: Gleich 2008 wurde eine "Gasfassung installiert, mit der die im Abfallkörper entstehenden deponietypischen Gase gefasst und verbrannt werden", erklärt der Sprecher des Wirtschaftsministeriums Robin Baake. Dazu gehören explosives Methan und giftiger Schwefelwasserstoff. Im nächsten Schritt wurden die instabilen Böschungen abgesichert, die Tagebauen komplett eingezäunt.

Es folgte 2011 in Möckern die Errichtung eines Systems aus Tondichtwand und Stahlspundwand. Sickerwasser aus dem Abfallkörper sollte nicht in das angrenzende Gewässer, die sogenannte Vorflut, austreten.

In diesem Jahr wurde in Möckern die provisorische Gasfackelanlage durch eine neue ersetzt - um das austretende Gas zu verbrennen.

Auch in Vehlitz wurde 2014 die Anlage nochmals erweitert. Dort sind jetzt bereits laut Wirtschaftsministerium 40 Gasbrunnen angeschlossen. In Vehlitz gibt es zusätzlich eine Wasserhaltung. Die technische Einrichtung soll dazu dienen, die unterirdischen Hohlräume von Grubenwasser frei zu halten.

Sicherung der Gruben für mehr als 15 Jahre

Gleich dreimal steht dafür an verschiedenen Stellen im Tagebau Pumptechnik bereit, die bei Bedarf das anfallende Oberflächenwasser in die Vorflut ableiten kann. Ministeriumssprecher Robin Baake kündigt an, dass die Sicherungsmaßnahmen in Möckern im kommenden Jahr abgeschlossen sein sollen. "Bei der Planung für die endgültige Sicherung geht es vor allem um die Herstellung der Oberflächenabdeckung sowie um die Oberflächenwasserfassung und -ableitung."

In Vehlitz sieht das anders aus. Vor 2018 ist dort kein Ende abzusehen. Baake zufolge soll erst im kommenden Jahr eine Dichtwand zwischen dem sogenannten Teilfeld I und den Kleiteichen eingebaut werden. Dass die Wände erforderlich sind, bestätigen die aktuellen Messwerte. Grundwasser stehe zwar im Umfeld der Tontagebaue nicht an. Aber dafür sammle sich "innerhalb des Abfallkörpers Wasser", erklärt Baake. Auch die Zersetzungsgase werden regelmäßig gemessen. Der Sprecher zum Ergebnis: "Bei ordnungsgemäßem Betrieb der Anlagen sind Geruchsbelästigungen oder gar Gesundheitsgefährdungen der Bevölkerung auszuschließen." Das bedeutet jedoch, dass die Gasfassungsanlagen noch einige Jahre weiter betrieben werden müssen. Für Vehlitz lautet die aktuelle Prognose 2033.

Wer mit seinem Müll den Boden vergiftet, zahlt

Gekostet haben das Land die Maßnahmen bisher 16,25 Millionen Euro. "Das Land macht diese Kosten gegenüber dem Insolvenzverwalter geltend", sagt Baake. Und parallel suche man nach ehemaligen Abfalllieferanten sowie nach verantwortlichen Personen zur Erstattung der Kosten.

Hierbei kommt der französische Großkonzern Veolia ins Spiel - ein Dienstleister für Entsorgung, Wasser und Energie. Nach eigenen Berechnungen stammen rund 250 000 Tonnen des Mülls von Tochterunternehmen des Weltkonzerns.

Doch so eine Verfügung nimmt man dort nicht einfach entgegen. Woran ein Sprecher des Unternehmens festhält: "Das gelieferte Material entsprach den geltenden Genehmigungen, es wurde nicht gegen behördliche Auflagen verstoßen." Eine Sonderbetriebszulassung soll die Verfüllung möglich gemacht haben. Eine Klage gegen das Land steht noch aus.

Wer nicht für die Kosten der Sicherung verantwortlich gemacht werden kann, ist das Jerichower Land. Warum, erklärt Robin Baake vom Wirtschaftsministerium so: "Nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz sind die Verursacher einer schädlichen Bodenveränderung zur Gefahrenbeseitigung verpflichtet. Da der Landkreis jedoch nicht der Verursacher der Bodenveränderungen ist, kann der daher auch nicht zur Kostenerstattung herangezogen werden."

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