Lostau/Hohenwarthe/Möser/Burg l Der blaue Transporter rollt langsam durch ein Wohngebiet in Lostau, bleibt immer mal wieder stehen. Drei Männer sitzen in dem Fahrzeug, schauen sich um, als suchten sie etwas. Dann geht es weiter. Eine Bewohnerin, die den Transporter mehrmals an diesem Vormittag sieht, kommt das nicht geheuer vor.

Aufgeschreckt ist sie von Hauseinbrüchen im Ort und in den Nachbardörfern, meist entlang der A 2. In den vergangenen Tagen und Wochen musste die Polizei im Jerichower Land neun Einbrüche in Einfamilienhäuser registrieren. Die Tatorte lagen ausschließlich an den in der Nähe der Autobahn gelegenen Orten Möser, Lostau und Hohenwarthe.

Die Frau schreibt sich das Autokennzeichen, wichtige Merkmale und die Zeit auf, zu der sie den Wagen gesehen hat.

Das Ganze geht an die Polizei. Die ist dankbar für den Hinweis. Das Autokennzeichen gilt als gestohlen, wird schnell klar. Der Vorfall liegt zwei Jahre zurück, passiert in Polen.

Die Polizei hat seit gestern ihre Präsenz in den betroffenen Orten entlang der "Warschauer Allee" spürbar ausgebaut. Polizeibeamte werden mit Fahrzeugen oder auch zu Fuß sowohl in den Tagstunden als auch in den Nächten überproportional präsent sein, kündigte Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch gestern an. So soll das Risiko für die Diebe deutlich erhöht werden.

"Nach einer ersten Auswertung der festgestellten Spuren und Befragungen von Zeugen liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei den in Frage kommenden Verdächtigen um osteuropäische Tätergruppen handeln könnte", erklärte Kriebitzsch auf Volksstimme-Anfrage.

Das Vorgehen bei den meisten der neun Einbruchsdiebstählen ähnelt sich sehr stark. Tagsüber werden mögliche Tatobjekte ausgekundschaftet. Für die Tätergruppen interessante Häuser werden fotografiert. "Die Täter bevorzugen in den Ortschaften abgelegene Hausgrundstücke bzw. welche mit einem guten Sichtschutz, in Form von hohen Hecken oder blickdichten Zäunen", so Kriebitzsch.

In der Regel in den Nachtstunden schlagen die Einbrecher in den zuvor ausbaldowerten Einfamilienhäusern zu. Sie dringen durch nicht einsehbare Fenster oder Terrassentüren in die Häuser ein. Ihre Fahrzeuge stellen sie jedoch außerhalb der Wohngebiete ab. Die Einbrecher sind ein ganzes Stück im Ort zu Fuß unterwegs. Gestohlen wird nur per Hand abzutransportierendes Diebesgut. Bevorzugt werden Schmuck, Bargeld, Uhren und kleine hochwertige technische Geräte, wie Smartphones, Tablett PC, und ähnliches

Die Polizei bittet die Anwohner der A 2-Anlieger-Ortschaften, wenn sie Verdächtiges in ihren Wohngebieten feststellen, ohne Zögern den Notruf 110 zu wählen. "Wir nehmen dabei selbstverständlich auch einen ,falschen Alarm` in Kauf", erklärte Jürgen Oswald, Leiter der Kriminalpolizei in Burg. Ziel sei es, dem Treiben der Einbrecher Einhalt zu gebieten. Mit der aktuell starken Polizeipräsenz könnte es gelingen, verdächtige Personen oder Fahrzeuge zeitnah anzutreffen.