Stresow l Macht der Hauptaussschuss des Möckeraner Stadtrates heute Abend den Weg frei für den Verkauf der früheren Kindertagesstätte in Stresow? Im nichtöffentlichen Sitzungsteil steht das seit Wochen heiß diskutierte Thema auf der Tagesordnung (Volksstimme berichtete wiederholt).

Im Vorfeld der Sitzung meldete sich jetzt Stresows Ortsbürgermeister Norbert Müller zu Wort. Er stellte klar, dass der Ortschaftsrat sich für den Verkauf des Gebäudes ausgesprochen habe. Der Rat habe dem Hauptausschuss empfohlen, eine entsprechende Ausschreibung zu beschließen. "Wir haben nicht beschlossen, dass Haus an Denis Wesemann zu verkaufen", stellte Müller klar. Er weiß, dass Wesemann Interesse an dem Haus hat.

Am Stresower Wesemann scheiden sich die Geister. Seit Wochen gibt es eine heftige Debatte, durch die Stresow und seine Bewohner ins Rampenlicht gerückt sind. Der Unternehmer mit der Vergangenheit eines gewaltbereiten Hooligan, wurde im Mai mit dem besten Stimmergebnis aller Kandidaten in den Ortschaftsrat von Stresow gewählt. Laut Verfassungsschutz gilt er als rechtsextrem, aber nichtorganisiert, jedoch immer noch aktiv.

"Das war keine Zufallswahl", hatte Möckerns Bürgermeister Frank von Holly (CDU) das Ergebnis unlängst in der Volksstimme bewertet. "Die Wähler haben sich bewusst entschieden."

Müller ist sich des Drahtseilaktes bewusst, sagt er. Er weiß, dass er auch scheitern kann. "Aber jeder verdient eine zweite Chance. Wir wollen es versuchen. Wir sind hier miteinander im Gespräch", sagt Müller. "Man soll uns in Ruhe lassen. Wir wollen unsere Probleme hier allein in Stresow lösen." Müller weist Kritiken von außen, etwa vom Runden Tisch gegen Rechts und für Toleranz aus Burg oder vom Verein Miteinander zurück. "Der Runde Tisch in Burg soll sich um die Probleme in Burg kümmern. Da hat er mehr als genug zu tun."

In einer öffentlichen Erklärung hatte das Burger Gremium jüngst gewarnt, dass mit dem Verkauf der früheren Kita an Wesemann ein Treff der rechtsextremen Szene in Stresow entstünde.

Wesemann hat Vorwürfe gegen ihn stets zurückgewiesen. Er bekenne sich zu den Normen des Grundgesetzes, hatte er einmal auf Volksstimme-Anfrage erklärt. Er wolle sich dabei einbringen, dass Stresow ein wenig schöner werde.

Für die Stresower, so Müller, steht hingegen fest: Sie wollen, dass das Haus verkauft wird. "Es soll nicht abgerissen werden. Den Stresowern ist das Gebäude, in dem früher die Schule und dann die Kindertagesstätte untergebracht war, viel zu wichtig", erklärte Müller im Volksstimme-Gespräch. Er habe die wahlberechtigten Stresower zur Thematik gefragt. Eine offizielle Abstimmung war es nicht. "Zwei Drittel von ihnen waren für den Verkauf und gegen den Abriss", betonte Müller. Einen dritten Aspekt zur Verkaufsabsicht hebt Müller noch hervor: "Wir wollen, wenn das Haus verkauft wird, von dem Erlös etwas für Stresow haben. Das Geld soll in die Gestaltung des Spielplatzes fließen."

Die öffentliche Debatte setzt die Handelnden unter Druck. Möckerns Bürgermeister will das aushalten, stellte er gestern erneut klar. Von Holly erwartet das auch von der demokratischen Gesellschaft. "Herr Wesemann ist für mich ein unbescholtener Bürger. Er ist meines Erachtens nicht vorbestraft."

Der Hauptausschuss kann der Ausschreibung zum Verkauf zustimmen oder ablehnen. Das Gremium kann die Entscheidung darüber auch an den Stadtrat weitergeben.

 

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