Möckern l "Ten, nine, eight ...", schallt es durch die am Ufer aufgestellten Lautsprecherboxen. Dazu wummert treibende Musik. "... seven, six, five ...", zählt die unsichtbare Stimme dezibelstark in englischer Sprache weiter auf die Null zu. Wer bislang glaubte, Anglern müsse man sich immer ganz leise nähern, fühlt sich heute hier irgendwie veräppelt. "... four, three, two ...", dröhnt es weiter. Auf den beiden Längsseiten des großen Gewässers der Teichwirtschaft haben sich 71 Männer - es ist wirklich nicht eine einzige Frau dabei - verteilt. Jeder hält eine Profiangel in den Händen, dahinter hat jeder eine Batterie weiterer Ruten in einer Spezialhalterung aufgebaut. Fangtechnik im Wert von an die 1000 Euro hat manch einer an den Wettkampfteich mitgebracht.

"Als ich gefragt wurde, ob ich meinen Teich dafür zur Verfügung stellen würde, habe ich erst mal den Wagen mit der versteckten Kamera gesucht." - Teichwirt Gunter Thiem

"... one, zero ...". Durch die Wettkampfteilnehmer geht ein Ruck. Und dann schwirren 71 feinsilbrige Angelsehnen samt Köder weit hinaus auf die Wasserfläche. Die erste Deutsche Meisterschaft im Forellenangeln hat begonnen.

Und das in Möckern-Lochow. "Als ich gefragt wurde, ob ich meinen Teich dafür zur Verfügung stellen würde, habe ich erstmal den Wagen mit der versteckten Kamera gesucht", schmunzelt Teichwirt Gunter Thiem rückblickend. Normalerweise herrscht an seinen Teichen im Wald bei Möckern beschauliche Ruhe, mit einer doch eher überschaubaren Zahl von Anglern.

Heute ist das anders. Die Rasenflächen sind voll mit Autos aus ganz Deutschland, am Ufer des vorderen Teichgewässers ist auch kaum noch Platz zum Stehen. Organisator der ersten Forellenmeisterschaft in Deutschland ist der Club deutscher Forellenangler (CDFA), der sich erst im Januar 2014 gegründet hat. Deren Geschäftsführer Lars Lindemann und Gregor Bradler sind an diesem Wettkampftag mit dabei. Gregor Bradler hat die Rolle als Juror übernommen und schaut nach, dass alle sich an die Regeln halten.

Zu diesen Regeln gehört etwa, dass nach exakt zehn Minuten alle Angeln wieder aus dem Wasser sind und die letzten Fische im Käscher. Das Regularium sieht ebenfalls vor, dass die Teilnehmer immer wieder mal den Platz wechseln. In vier Sektoren sind die beiden Längsufer aufgeteilt und diese wiederum in 18 Angelplätze. Die Wechsel machen Sinn, denn die Forellen sind keineswegs gleichmäßig auf den Teich verteilt. "In den Ecken sind sie, das war schon beim Probeangeln gestern so", weiß Gunter Thiem. Da spielt unter anderem der Wind eine Rolle. Und tatsächlich, an den Eckplätzen zappelt es am häufigsten im Käscher.

Tremarella wird die aus Italien stammende Technik, genannt, bei der die Teleskop-Angelrute mit schnellen Bewegungen in Schwingungen versetzt wird. Diese Schwingungen übertragen sich über die Schnur auf den Köder und erzeugen so eine Bewegung. Diesem Lockreiz kann die Forelle nicht widerstehen ...

Ein Betäubungsschlag, ein waidgerechter Herzstich - und schon wird der nächste Köder an den Haken angebracht. Verwendet werden dürfen bei der Deutschen Meisterschaft nur Naturköder. Bei den meisten sind es so genannte Bienenmaden, die im Biologiebuch aber als Wachsmottenlarven geführt werden. Andere schwören auf einen mit Naturaromen versetzten Köderteig, den es in den Geschmacksrichtungen, Knoblauch, Muscheln, Käse, Leber und Blutwurm gibt.

Mitorganisator Gregor Bradler betont, dass alle gefangenen Fische auch sinnvoll verwertet werden: "Weggeschmissen wird nichts. Die meisten Angler nehmen ihre Fische selber mit nach Hause." Wem das nicht möglich ist, der spendet die Fische. Sie werden dann bei einer anstehenden Veranstaltung des Anglernachwuchses verzehrt.

Am Ende des Wettbewerbes haben die Petrijünger 568 Regenbogenforellen aus dem Lochower Teich gefischt. Sieger in der Mannschaftswertung ist das Team "FTM Tubertini Niedersachsen" mit 42 geangelten Forellen. Das Team "TFT Germany" folgt mit 39 Fischen, und das Team "FTM Tubertini Germany angelt sich mit 36 Forellen den dritten Platz. In der Einzelwertung wird als erster Deutscher Meister im Forellenangeln Michael Franz aus Hannover gekürt, Vize-Meister wird Ralf Flohr aus Wolfsburg und Drittplazierter ist Christian Fengler.

Die Organisatoren Bradler und Lindemann bezeichnen die Lochower Teiche als "perfekt". "Wir haben einen neuen Partner gefunden und werden mit der Lochower Teichwirtschaft weiter zusammenarbeiten", ist Lindemann sicher. Es ist also nicht auszuschließen, dass im kommenden Jahr wieder Petrijünger aus ganz Deutschland mit italienischer Fangtechnik am Lochower Teichufer stehen und leise auf Englisch von Zehn bis Null zählen.

   

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