In amerikanischer Landeskunde ist Drew Zay Spezialist. Für ein Schuljahr unterstützt der Gast aus Florida die Englischlehrer an den BBS "Conrad Tack" in Burg. Bis auf die eisigen Temperaturen gefällt es ihm hier.

Burg l Mal eben 160 Kilometer mit dem Fahrrad von Berlin nach Magdeburg. Für Amerikaner Drew Zay kein Problem. Seit August unterstützt der 23-Jährige als Fremdsprachenassistent die Englisch-Lehrer an den BBS "Conrad Tack" in Burg. Das Radfahren ist seine Leidenschaft.

"Ich reise nicht gern mit viel Gepäck", sagt er und deutet auf die Winterjacke, die er sich von einem Freund in Deutschland geliehen hat. Für sein Fahrrad fand sich aber ein Platz im Flieger. Im nächsten Sommer soll es mit dem heißgeliebten Bike nach Prag gehen. "Vier Tage wird es etwa dauern", sagt der studierte Germanist.

"Es ist mir einfach zu kalt hier."

Den Arbeitsweg von Magdeburg nach Burg fährt er bei den Temperaturen lieber mit dem Zug. Denn mit 20 Grad Celsius kann die Kreisstadt im Dezember nicht dienen. "Es ist mir einfach zu kalt hier", gesteht der junge Mann, der aus Florida stammt. Das sei auch der Grund, warum er in Burg selbst noch nicht so viel gesehen hat. Von der Berufsschule aus geht es meist direkt zum Bahnhof. Zum Magdeburger Weihnachtsmarkt hat es ihn aber trotz Kälte hingezogen. Ein schönes Erlebnis, gerade weil es in Florida eher selten welche gibt, sagt er.

Neben dem warmen Wetter vermisst der Fremdsprachenassistent vor allem seine Familie. So wie an diesem Tag, wo daheim "Thanksgiving" gefeiert wird. Ein Stück Heimat nimmt er mit in den Unterricht. "Heute ist ein sehr besonderer Tag für mich", beginnt der Amerikaner die Stunde mit der Fachoberschulklasse 14 ZA. Der Amerikaner erklärt den Jugendlichen das große Familienfest, das in Übersee mit reichlich Essen gefeiert wird.

Es ist nicht das erste Mal, das Zay längere Zeit in Deutschland verbringt. Für ein Austauschjahr war er als Schüler in Köln zu Gast. "Da habe ich das Gericht Himmel und Erde kennengelernt." Die Kombination aus Apfelmus, Kartoffelpüree und Blutwurst schmeckt ihm.

Über ein Stipendium landete er jetzt als Fremdsprachenassistent in Burg. Mit ihm verbringen 140 weitere Amerikaner ein Jahr als Fremdsprachenassistent an verschiedenen Orten in Deutschland. Statt damals im Westen hat er nun ein Visum für den Osten Deutschlands. Leicht gemacht wurde es ihm nicht. Es gab Probleme mit der Anerkennung der Krankenversicherung. Ohne gültiges Visum, kein Bankkonto.

Große Unterschiede kann der Amerikaner zwischen Ost- und Westdeutschen nicht feststellen: "Nur die Aussprache und einige Wörter unterscheiden sich." Interessiert hätte die Burger Berufsschüler zwar auch, wo der junge Mann her kommt. Zunächst wollten sie aber wissen, was es mit den amerikanischen Waffengesetzen auf sich hat. "Vermutlich weil es in den Medien immer sehr präsent ist", sagt Zay.

Die angrenzenden europäischen Länder interessieren den jungen Amerikaner. "Österreich, Italien und Frankreich würde ich gern sehen."

Den Unterricht gestaltet er teils allein, teils als Unterstützung der Englischlehrer. Seit fünf Jahren gab es an den BBS in Burg keinen Fremdsprachenassistenten mehr.

Mit seinen Kollegen kommt der 23-Jährige gut aus. "Wir waren zusammen bei einem Handballspiel zwischen Flensburg und Magdeburg. Das war ein cooler Ausflug." Begleitet hatte ihn Englischlehrer Stefan Herrmann, der ihm auch in Sachen deutsche Bürokratie eine gute Unterstützung ist.