Zeppernick l Der Leser-Obmann der Volksstimme Peter Wendt war am vergangenen Sonntag zu Gast bei der "Zeppernicker Adventslese". Wendt, der in den Jahren 76 bis 1982 im Nahen Osten als ADN-Berichterstatter unterwegs war, brachte jedoch keine gewöhnliche Weihnachtsgeschichte mit, sondern eine Zusammenstellung von Artikeln, die in den vergangenen Jahrzehnten im "National Geographic Magazin" erschienen sind. Wendt las aus der Reisereportage "Auf den Spuren Abrahams" aus dem Jahr 1966.

Mit seinen Einblicken in das Land aus Sicht der 60er Jahre wollte Wendt zeigen, dass der Irak eben nicht nur ein Kriegsgebiet ist. Dennoch entspann sich aus der Lesung ein Gespräch mit den Besuchern über die heutige Situation im Nahen Osten. Wendt, ausgewiesener Nah-Ost-Experte, stellte dabei Zusammenhänge zwischen früher und heute her: "Aus der islamischen Revolution früher lässt sich der Erfolg des `Islamischen Staates` erklären. Wir erleben derzeit eine Neuorganisation der gesamten Region." Wendt glaubt nicht, dass die Organisation "IS" von heute auf morgen verschwinden wird. "Das geht auch nicht mit Luftschlägen oder einem Heereseinsatz, sondern nur mit Vermittlungsarbeit", so Peter Wendt.

Diskutiert wurde dabei die Rolle des Westens. "Wir haben uns immer noch nicht vom Kreuzzuggedanken verabschiedet, der heute Demokratie heißt", mutmaßte Ludwig Schumann vom gastgebenden Verein "Unsere schöne Heimat". Im Verlaufe der Diskussion wurde vermutet, dass eine Demokratie nach westlichem Vorbild im Nahen Osten nicht funktionieren kann.

Wendt arbeitete 21 Jahre als Übersetzer und Journalist beim Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN), darunter mehrere Jahre als Auslandskorrespondent in arabischen Ländern. Später leitete er die Fremdsprachenredaktion, mit 80 Redakteuren und Übersetzern die größte Einzelredaktion des ADN.

Die nächste "Adventslese" findet am Sonntag, 14. Dezember, um 16 Uhr in Pfeiffers Mühle Zeppernick (Winkel 14) statt. Zu erleben sind dann Elke Lüdecke, die Direktorin des Landesfunkhauses Magdeburg, gemeinsam mit Michael Langer und Franz Kadell, beide Klarinette. Um Spenden wird gebeten.