Zwei Jahre lang gab es in der Burger Stadthalle einmal im Monat den Tanznachmittag für Junggebliebene. In dieser Woche verabschiedete sich DJ Holli von seinen Fans, die auch schon in ihrer Jugend gern getanzt haben, als noch die Tanz-Blaskapelle Burg den Takt angab.

Burg l Kleine Geschenke für DJ Holli durften am Dienstag natürlich nicht fehlen, als nach zwei Jahren die Tanznachmittage für Junggebliebene in der Stadthalle zu Ende gingen. "Ich habe dafür gesorgt, dass meine Gäste in den letzten zwei Jahren weniger zum Doktor mussten, denn Tanzen ich bekanntlich eine gute Medizin für Körper und Seele", waren die Abschiedsworte des DJs.

Den Burger "Junggebliebenen" bleibt jetzt noch das Tanzparkett im "Holzwurm", "aber das reicht uns eigentlich nicht", so Irmgard Ziehe (77). Sie spricht für 40 bis 50 Senioren, die bisher jeden dritten Dienstag im Monat in die Stadthalle kamen. Diese Tradition endet nun, nachdem die Stadt dem bisherigen Caterer der Halle gekündigt hat.

Der vorerst letzte Tanznachmittag in der Stadthalle war für die "Junggebliebenen" auch Anlass, um in Erinnerungen zu schwelgen. Schnell waren sie dabei gedanklich in die 1960er, 1970er und 1980er Jahre zurückgereist, als die Tanzmusik in Burg noch nicht vom Band kam, sondern vor allem aus den Instrumenten der Tanz-Blaskapelle Burg.

Die Musiker hatten 1949 unter der Leitung von Rolf Schmalz, später Horst Schulze, angefangen und waren bis kurz nach der Wende immer die erste Wahl, wenn im Konzerthaus, in der Centralhalle oder im Maternhaus Tanzveranstaltungen stattfanden. Frauentag, Fasching, Silvester... Anlässe gab es genug.

Im Ensemble war auch der Mann von Irmgard Ziehe, Richard Ziehe (1927 bis 2001). Er hat in den 1950er Jahren als Schlagzeuger und Sänger in der Kapelle angefangen und blieb über 30 Jahre, bis zum Schluss, dabei.

Einziges heute noch lebendes Bandmitglied ist Karl-Ernst Lehnhoff (75). Er war 20 Jahre lang Trompeter im Tanz-Blasorchester und ist bis heute als Musiker aktiv: im Burger Bläserquintett und in der "Combo 60 plus".

Die Musiker des Tanz-Blasorchesters waren zu DDR-Zeiten natürlich keine Profis, sondern arbeiteten von Montag bis Freitag im VEB Wolltuchwerke Crimmitschau, Werk Burg (Paasche). Richard Ziehe zum Beispiel als Meister der Krempelei.

Aber wenn Freitag Feierabend war, begann das zweite Leben der Wolltuchwerker. Darüber berichtete die Volksstimme am 6. August 1977: "Schon oft steht bereits am Freitag das Fahrzeug des Bestellers zur Abholung bereit. Am Sonnabend ist dann der zweite Auftritt und sonntags schließlich läuft das dritte Programm ab."

Als Irmgard Ziehe 1960 ihren Richard heiratete, wusste sie, worauf sie sich einließ. "Ich mache Musik, das solltest du wissen", hatte er mir erklärt, als wir uns kennenlernten, erinnert sich Irmgard Ziehe. Am Anfang hat die Schneiderin in der Schuhfabrik ihren Mann oft begleitet, bis dann die Tochter geboren wurde. Viele Auftritte hatten die Burger in der Altmark und in der Börde. "Dort gab es viele LPGen, die ihren Leuten bei den Betriebsfeiern was bieten wollten", erinnert sich Irmgard Ziehe.

Die Burger Blas-Tanzkapelle spielte Jahrzehnte lang aber nicht nur zum Tanz auf. An Gedenk- und Feiertagen waren die Musiker gefragt, begleiteten Volksfeste oder gaben ein Ständchen bei runden Geburtstagen.

   

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