Niegripp l Eine Frau wird vergewaltigt, flüchtet daraufhin ins Burger Frauenhaus und sucht Hilfe. Sie bittet um ein Gespräch mit dem Weissen Ring. Karl Heinz Summa, Außenstellenleiter im Jerichower Land, wird kontaktiert und nimmt sich des Opfers an. "Wir haben dann einfach über alles gesprochen", erzählt Summa. Das Ergebnis: Die Frau muss aus ihrem häuslichen Umfeld heraus. Der Weisse Ring kümmert sich um eine neue Wohnung und übernimmt die Umzugskosten. "Heute lebt sie unter vernünftigen Bedingungen", berichtet der Außenstellenleiter. Es war einer von 21 Fällen, die das fünfköpfige Team der Außenstelle Jerichower Land im Jahr 2014 bearbeitet hat.

Häusliche Gewalt, Kindesmissbrauch, Raub, Körperverletzung, Diebstahl - das sind die Themen, mit denen sich das Team von Karl Heinz Summa im vergangenen Jahr auseinandersetzen musste. 5000 Euro wurden an die Opfer ausgezahlt. Darunter waren jeweils zehn Ersttermine bei Anwälten und für eine traumatische Behandlung sowie eine rechtsmedizinische Untersuchung. Im Vergleich zum Jahr 2013 hat sich die Anzahl beim Kindesmissbrauch von acht auf vier halbiert. Der Rest ist stabil geblieben. "Die Anzahl der betreuten Fälle ist im Jahresvergleich auf nahezu gleichem Niveau", sagt Summa.

"Wir müssen aufpassen, dass das nicht missbraucht wird."

Ein Problem bleibt weiterhin die hohe Dunkelziffer. "Mir allein sind fünf bis sechs Fälle von häuslicher Gewalt bekannt, wo sich die Opfer bei uns leider nicht gemeldet haben", sagt Summa und ergänzt: "Wir sind keine Firma, die Aufträge eintreibt, die Opfer müssen sich bei uns melden." Darum soll im neuen Jahr vor allem die Öffentlichkeitsarbeit forciert werden. Momentan weist meistens die Polizei bei einer Anzeigenaufnahme auf die Möglichkeit der Opferberatung durch den Weissen Ring hin. "Dort läuft die Zusammenarbeit sehr gut", sagt auch der Außenstellenleiter.

Wird ein Fall bekannt, fahren die Mitarbeiter zum jeweiligen Opfer und suchen zunächst das Gespräch. "Wir helfen, wo wir können", sagt Summa. Auch finanziell. In bestimmten Fällen sind Sofortzahlungen bis zu 250 Euro möglich. "Natürlich müssen wir hier aufpassen, dass das nicht missbraucht wird und gegebenenfalls nachhaken. Aber so etwas ist hier im Jerichower Land zumindest noch nicht vorgekommen", erklärt Summa. Das Geld für diese Maßnahmen kommt aus Mitgliedsbeiträgen, Nachlässen, Geldstrafen, die von Gerichten ausgesprochen werden oder eben Spenden. Ein Budgetlimit gibt es in diesem Sinne nicht. "Es wäre ja fatal, wenn ein Opfer kommt, und wir diesem nicht mehr helfen könnten", so der Außenstellenleiter.

Die Betreuungszeit für einen Fall kann drei bis vier Monate dauern. "Als Außenstellenleiter muss ich sehen, dass ich die Belastung der Mitarbeiter in Grenzen halte." Darum sind weitere ehrenamtliche Opferberater im Team gern gesehen. Diese werden entsprechend geschult. "Die ersten Fälle werden sie bei erfahrenen Kollegen mitlaufen", erklärt Summa. Die Grundausbildung erfolgt dann an einem Wochenende, dem sich dann verschiedene Aufbauseminare anschließen. "Die Ausbildung ist aber nie abgeschlossen", sagt der Außenstellenleiter und beschreibt die Arbeit als "nicht einfach und sehr aufwendig".

Neben der Weiterbildung der Mitarbeiter will der Weisse Ring mit der Polizei 2015 Präventionsmaßnahmen in Schulen zu Mobbing und Drogen durchführen. Des Weiteren sollen Gespräche mit den Bürgermeistern aus Burg und Genthin geführt werden, ob eine Sprechstunde des Weissen Ringes in den Städten sinnvoll sei und ob Räumlichkeiten dafür zur Verfügung stehen würden. "Mit einer zentralen Anlaufstelle wären wir besser erreichbar. Letztendlich sind wir aber froh, wenn wir nicht so viele Opfer haben", so Summa.