Der Stadtrat Gommern beschloss im Dezember die Fortschreibung der Risikoanalyse und des Brandschutzbedarfes der Einheitsgemeinde. Die Risikoanalyse ermittelt die notwendige Ausrüstung an Fahrzeugen und Geräten.

Gommern l 160 Quadratkilometer groß ist der Ausrückebereich der zwölf Gommeraner Ortsfeuerwehren. Ihnen gelingt es, in der vorgeschriebenen Eintreffzeit von zwölf Minuten bei einem Einsatz vor Ort zu sein. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Stadt auf keine ihrer Wehren verzichten kann. "Wir brauchen alle unsere Wehren ausgerüstet, ausgebildet und eingesetzt", betonte Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) auf der jüngsten Stadtratssitzung im Dezember.

Neben den 10 800 Einwohnern gilt es zahlreiche Unternehmen und Gebäude abzusichern. Immerhin fünf Betriebe weisen besondere Gefahren auf. Das Risiko reicht von Seuchen- bis zu Brand- und Explosionsgefahr. Auch die Fachklinik Vogelsang mit ihren 142 Betten, die Seniorenheime und Einrichtungen für betreutes Wohnen fließen in die Risikoanalyse genauso wie die Kindertagesstätten und Schulen ein. Beachtet werden müssen zudem die stark frequentierte Bahnlinie und die Bundesstraßen, die die Einheitsgemeinde durchqueren.

Das Schloss Leitzkau muss mit seinen sehr gut besuchten Veranstaltungen ebenso berücksichtigt werden wie die schwer zugängliche Wasserburg Gommern, die Hotel, Gaststätte und Trauzimmer in ihren alten Gemäuern vereint, und das ebenfalls öffentlich genutzte Schloss Dornburg. Hinzukommen die Naherholungsgebiete Dannigkow mit 660 und Prödel mit 80 Bungalows. Darüber hinaus gibt es mit Dornburg, Vehlitz/Dannigkow und Gommern/Vogelsang mehrere Überschwemmungsgebiete in der Einheitsgemeinde Gommern.

Hubrettungsfahrzeug ist unabdingbar

Bei mehr als 400 Gebäuden in der Stadt und den Ortsteilen wird der zweite Rettungsweg über die Feuerwehr sichergestellt. Für fast 100 Gebäude ist wegen der Rettungshöhe dafür ein Hubrettungsfahrzeug unabdingbar. Das trifft für alle Wohngebäude mit fünf oder sechs Etagen zu, ebenso auf die Fachklinik Vogelsang, auf das Pflegeheim und auf Schloss Hobeck. Davon abgesehen betont die Risikoanalyse: "Eine offensive Brandbekämpfung an allen Gebäuden mit mehr als zwei Etagen ist nur über ein Hubrettungsfahrzeug möglich".

In den zurückliegenden fünf Jahren absolvierten die Gommeraner Feuerwehrleute durchschnittlich 125 Einsätze pro Jahr. Die meisten davon waren technische Hilfeleistungen (48 Prozent), gefolgt von Brandeinsätzen (29 Prozent). Fehlalarme machten fünf Prozent aus.

Für die im Dezember 2014 beschlossene Risikoanalyse wurde das Einsatzjahr 2013 zugrundegelegt: Bei allen Einsätzen an Arbeitstagen zwischen 6 und 18 Uhr konnte die erforderliche Mannschaftstärke erreicht werden. Das traf auch zwischen 18 und 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen zu.

Nach dem die Risikoanalyse und der Brandschutzbedarf in den Ausschüssen vorberaten worden war, gab es im Stadtrat kaum Nachfragen. Jens Hünerbein nutzte die Gelegenheit, um auf die Fahrzeugsituation hinzuweisen, die die Stadt "noch erheblich finanziell" belasten wird. Grund dafür ist die Tatsache, dass viele Gemeinden (und jetzige Ortschaften) zur gleichen Zeit ihre Fahrzeuge angeschafft haben. Also werden auch die Erneuerungen in einem ähnlichen Zeitraum fällig.

So sieht die Fahrzeugkonzeption bis in die 2030er Jahre jährlich die Anschaffung eines Fahrzeuges vor. Zwar stets unter der Einschränkung "nach Haushaltslage", aber ewig hinausgezögert werden können die Anschaffungen nicht. Dieses Jahr sollen die Feuerwehren Vehlitz und Menz mit einem Mannschaftstransportfahrzeug ausgestattet werden.

Da die jetzige Ausrüstung den Erfordernissen angepasst ist, besteht nicht viel Spielraum, dass ein Fahrzeug nach seiner Aussonderung nicht wieder neu angeschafft werden muss.

Löschwasserversorgung kontinuierlich verbessert

Weil die Löschwasserversorgung durch unabhängige Entnahmestellen noch nicht ausreichend ist, hat die Stadt ein Löschwasserkonzept erstellt, das Jahr für Jahr abgearbeitet wird (Volksstimme berichtete).

Der Stadtrat Gommern beschloss die Risikoanalyse einstimmig. Dabei handelte es sich um eine Überarbeitung, die alle zwei bis drei Jahre zu erfolgen hat.