Die Kulturwerkstatt Gommern ist in der Stadt die Adresse für Kultur. Unter ihrem Dach finden Kreative ihr Zuhause. Volksstimme stellt in loser Folge die einzelnen Interessengruppen vor. Heute: Malerei und Grafik.

Gommern l Aquarelle liegen bei den Montagsmalern 2 derzeit hoch im Kurs. Wer sich für Aquarellmalerei entscheidet, trifft damit zugleich eine Aussage, wie viel ihm die Malerei bedeutet. Denn für Aquarelle braucht man spezielles Papier, das sich in Kontakt mit der Farbe nicht verzieht. Und man benötigt Aquarellfarbe. Zwar kann man auch Wasserfarben verwenden, "aber die richtige Farbe läuft anders, lässt sich besser bearbeiten und leucht ganz anders", erklärt Brunhilde Schmehl. Sie malt in der Gruppe mit und hilft zugleich mit Rat und Tat weiter, wenn jemand nicht weiter kommt.

Bevor die Frauen an diesem Abend ihre Werkzeuge zur Hand nehmen, stoßen sie gemeinsam auf den Geburtstag von Dagmar Müller an. Gerade das Geburtstagskind hat einen Teil der Malausrüstung vergessen. Sie steigt ausnahmsweise aufs Stricken um.

Geselligkeit ist in der Gruppe wichtig, jedoch nicht vorrangig. Wenn es geht, vermeiden sie es, Sektgläser oder Kaffeetassen mit auf den großen Arbeitstisch zu stellen. Dass die Pinsel dort drin statt im Wasserglas gelandet sind, ist alles schon passiert.

Die Ausstellung "querbeet" in der "Kleinen Galerie", die Einblicke in die Vereinskurse von der Malerei über das Klöppeln bis zur Handarbeit und experimentellen Textilgestaltung gegeben hat, ist gerade vorbei. Denken die Frauen beim Malen schon an die nächste Ausstellung? "Der Vorstand schon, der Rest malt einfach", sagt Franziska Hobrecht. Sie ist mit Abstand die Jüngste in der Runde. Dass sie sich weitere jüngere Mitglieder in der Gruppe wünscht, liegt nicht daran, dass sie sich nicht gut aufgehoben fühlt. "Aber wenn keiner dazu kommt, gibt es die Malgruppe eines Tages nicht mehr."

Brunhilde Schmehl geht als Vorstandsvorsitzende des Vereins tatsächlich mit gutem Beispiel voran und arbeitet an einer Serie von Pilz-Bildern in Aquarell, die bei einer Ausstellung gezeigt werden sollen. "Zum Aussuchen braucht man immer genügend", erklärt sie. Da nicht immer alles so zusammen passe, wie man sich das wünschen würde.

Mit einer Serie hat auch Karin Hildebrandt begonnen. Sie bemalt alte Fliesen mit Blättern. Weil Ölfarbe auf dem Untergrund ganz schlecht getrocknet ist, verwendet sie nun Acrylfarbe. "Zum Malen ist die Fläche ziemlich glatt", erklärt sie, während die anderen Frauen die bemalte Fliese in Augenschein nehmen. An Linoleumtechnik aus der Schulzeit denken sie, als Brunhilde Schmehl vorschlägt, die Adern des Blattes nicht aufzumalen, sondern einzukratzen. "Mit Farbe wird es zu dick, Kratzen sieht luftiger aus."

Karin Hildebrandt nimmt den Vorschlag gerne an. Das Cuttermesser, das ihr Brunhilde Schmehl gibt, sieht eher aus wie ein chirurgisches Instrument als die Cuttermesser, die es im Baumarkt zu kaufen ist. Karin Hildebrandts Ziel ist es, ingesamt drei Fliesen mit unterschiedlichen Blättermotiven anzufertigen und dann auch anzubringen.

Seit mehr als zehn Jahren gibt es die Montagsmaler 2, die sich immer montagabends treffen. Neun Mitglieder sind es im Moment. Ein Wechseln in eine andere Gruppe ist jederzeit möglich.

Ob Öl, Acryl, Bleistift, Pastellkreide oder Aquarell: Was und wie sie malen, entscheiden die Frauen meistens ganz allein. Ab und zu wählen sie ein identisches Motiv. Im Ergebnis entstehen dann neun unterschiedliche Arbeiten. Das fängt schon damit an, dass jeder einzelne eine andere Farbwahrnehmung hat.

Karin Metze malt im Moment an einer Winterlandschaft. Schneebedeckte Bäume und eine Umgebung, wie man sie sich für den Winterurlaub wünscht. Sie schätzt die Ratschläge, die aus der Gruppe kommen. Dabei ist jedem überlassen, ob er sich der Tipps annimmt oder nicht. "Aber viele Tipps sind hilfreich und man kann etwas verbessern."

Vor 20 Jahren besuchte Brunhilde Schmehl bei Uwe Dressel den ersten Kurs, später belegte sie Kurse an der Kreisvolkshochschule und begann ihr Wissen weiterzugeben. "Gut weiterzugeben", betonen die Montagsmaler 2.

Das Malen bereitet ihnen Freude und sie haben das Gefühl, dass sie es besser können als eine andere Handarbeit oder ein Handwerk, aber dass Malen grundsätzlich entspannend ist, finden sie nicht. Es sei schon anstrengend. Allerdings "kann man eine Linie setzen und dann sagen, das ist meine", erklärt Gudrun Latz. Beim Klöppeln dagegen müsste jeder Handgriff ganz korrekt sein. Davor haben die Malerinnen großen Respekt.

Für diesen Sommer haben sich die Frauen vorgenommen, endlich ein Vorhaben umzusetzen, das sie sich schon länger gesetzt haben: Einfach mal rausgehen und dort malen.

Kulturwerkstatt Gommern ist geöffnet: Montag bis Donnerstag von 14 bis 16 Uhr sowie jeden ersen Sonntag m Monat von 15 bis 17 Uhr.