Aufregung herrscht stets auf beiden Seiten des Trautisches im Burger Standesamt: Davor, bei den künftigen Eheleuten, und dahinter, bei den Beamtinnen, die 2014 79 Paare in Ehen und Lebenspartnerschaften begleiteten.

Burg l Bereits dreimal war Standesbeamtin Monika Roszczka-Olbert im noch jungen 2015 im Einsatz. Nachdem sich am Montag zwei Paare trauen ließen, folgt heute die dritte Eheschließung, bei der die 56-Jährige den offiziellen standesamtlichen Segen gibt.

Bürokratie ist jedoch der weitaus größere Teil der Arbeit, die sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen im Rathausbüro bewältigen. So wurden 2014 insgesamt 365 Kinder, die im Krankenhaus Jerichower Land geboren wurden, und 445 Sterbefälle im Burger Standesamt urkundlich bezeugt. Insgesamt 23 555 Einwohner wurden Ende des Jahres in der Ihlestadt und den sechs Ortsteilen gezählt. 135 weniger als noch Ende 2013.

Zwischen Frühjahr und Herbst sind die drei Standesbeamtinnen im Burger Rathaus dann wesentlich öfter im Trauzimmer gefragt. "Mai und August sind Monate mit vielen Trauungen, aber auch der September wird immer beliebter", erzählt Standesbeamtin Kathleen Pachulla. Jedes Brautpaar ist anders, so dass, neben den Ringen, öfter mal die notwendigen Ausweisdokumente zu Hause vergessen werden. "An einem Tag mit vier, fünf Trauungen verschiebt sich dann natürlich alles nach hinten", so Roszczka-Olbert.

Zu DDR-Zeiten trauten sie sonnabends bis zu acht Paare, auch heute können es durchaus mal mehr als sechs Zeremonien sein. Wird es hektisch im Burger Rathaus, sind auch die drei Standesbeamtinnen nicht vor Fehlern gefeit. "Wenn wir mal versehentlich den falschen Namen nennen, entschuldigen wir uns natürlich, aber wir sind auch nur Menschen", erzählt die Stadtangestellte, die 1985 nach Burg kam.

Momente, an die sich die Burger Standesbeamtinnen gerne erinnern, sind Live-Gesangs- oder Instrumentaleinlagen während des feierlichen Aktes, die es bei den 77 Eheschließungen und zwei eingetragenen Lebenspartnerschaften, die 2014 geschlossen wurden, des Öfteren gab. "Auch selbstverfasste Eheversprechen werden immer häufiger", so die 56-Jährige. Und die sind immer wieder aufs Neue, auch für die drei Damen im Burger Rathaus, emotional bewegend. "Zu manchen Paaren hat man schon bei der Anmeldung so einen Draht, dass man bei der anschließenden Trauung schon mal einen Kloß im Hals hat", so Pachulla. Gleiches gilt für emotionale Beziehungsdetails, wie eine überstandene schwere Krankheit, die den Stadtmitarbeiterinnen bekannt sind. Individuell wie die Geschichten der Paare fallen dann auch die Reden während der Trauzeremonie aus.

In mehr als 25 Jahren Arbeit als Standesbeamtin gab es immer wieder ungewohnte Trauungen. "Drei- bis viermal im Jahr sind wir in der Burger Justizvollzugsanstalt Madel vor Ort, um Insassen zu trauen", so Chefin Roszczka-Olbert.

Etwas irritiert war die 56-Jährige auch, als zwei Burgerinnen im vergangenen Jahr ihre Lebenspartnerschaft besiegeln wollten und plötzlich vor dem Trauzimmer ihre Schuhe auszogen, um sich barfuß das Jawort zu geben. "Die Beiden wollten die Trauung auf diese Weise erleben", so die Standesbeamtin, die in dem Moment kurz darüber nachdachte, ob sie nun auch ihre Schuhe ausziehen sollte.

Bei einer Trauung im Torturm schlüpfte eine der Beamtinnen in eine historische Tracht, während unten vor dem Turm schon die Mitglieder des Hundesportvereins für das frisch getraute Paar Spalier standen.

Im Allgemeinen gilt es, sich dem Anlass entsprechend anzuziehen. So arbeitet Roszczka-Olbert im Sommer auch gern mal im eleganten Kleid hinterm Trautisch.

Gut 30 Minuten dauert der standesamtliche Akt. Dann gehen die Ehepaare und Lebenspartner als urkundlich bezeugtes Liebespaar aus dem Rathaus.

Spontane Paare können sich am Tag der Anmeldung auch gleich das Jawort geben. Wenn alle Dokumente komplett sind, ist auch keine Wartezeit notwendig. Ist das Trauzimmer frei, darf gleich im Anschluss Ja gesagt werden.

Ein möglicher Datums-Favorit in diesem Jahr ist der 15. Mai. "Ein paar Vormerkungen gibt es schon", so Standesbeamtin Pachulla. Aber am Valentinstag besteht derzeit noch ganztags die Chance, sich standesamtlich trauen zu lassen. Eine Besonderheit des Burger Standesamtes: Die Beamtinnen trauen an allen Sonnabenden des Jahres. "Nur mit einer Wasserburg wie in Gommern können wir hier nicht dienen", so Chefin Roszczka-Olbert.

Ihren Sohn wird in diesem Jahr allerdings eine ihrer Kolleginnen in die Ehe begleiten. Rein rechtlich dürfte die 56-Jährige die Zeremonie sowieso nicht übernehmen. Außerdem ist es auch schön, im Trauzimmer mal in die andere Rolle zu schlüpfen. "Dann ist man einfach nur Mutter und selbst ganz aufgeregt", so die langjährige Leiterin.

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