Biederitz/Bamboi l Ghana, dieses westafrikanische Land ist so groß wie Großbritannien und zählt 25 Millionen Einwohner. Die frühere britische Kolonie hat eine Kindersterblichkeit von elf Prozent. Dennoch hat sich die Bevölkerungszahl in den vergangenen 25 Jahren verdoppelt.

Ghana: Die Menschen werden durchschnittlich 57 Jahre alt. Der südliche Teil ist deutlich wohlhabender als der Norden. Im Nordwesten des Landes liegt das Dorf Bamboi. In diesem Ort steht eine faszinierende Verknüpfung mit dem Jerichower Land und Magdeburg: Eine Berufsschule mit besonderer Mädchenförderung und Internat - nicht nach europäischem Standard, sondern in afrikanischer Einfachheit mit Schweinestall, Toilettenhaus und Brunnen auf dem Schulhof am Rande der Savanne.

Besondere Mädchenförderung?


Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen ist an der Tagesordnung in Ghana. Schätzungen zufolge war noch vor wenigen Jahren jede dritte Frau von Gewalt in der Großfamilie betroffen. Das seit 2007 geltende Gesetz gegen familiäre Gewalt zeigt offensichtlich noch keine Wirkung.

Solche Themen sind in der "St. Anthony of Padua Senior Technical High School", so der offizielle Name der Berufsschule in Bamboi, natürlich kein Alltag, höchstens Unterrichtsinhalt. "Die Geschichte dieser Schule mit den Wurzeln im Jerichower Land begann vor 15 Jahren", erzählt Pater Augustinus im Volksstimme-Gespräch.

Seinerzeit startete eine erste Erkundungsgruppe von Magdeburg nach Ghana. Auf den Weg gemacht hatten sich Rainer Aumann, Andreas Fischer, Dr. Axel Hentschel, Peter von Pokrzwynicki und Pater Clemens, um eine Partnerschaft mit einer dortigen Pfarrei einzugehen. Entstehen sollte ein ganz konkretes Hilfsprojekt. Bei der Partnerschaft entschieden sich die Katholiken aus Sachsen-Anhalt für die Pfarrei St. Anthony of Padua in Bamboi, an der schwarzen Volta im Norden. Das Projekt war eine Empfehlung des damaligen Bischofs in Damongo, Philipp Naameh. Sein Ziel war eine Berufsschule plus Internat mit besonderer Mädchenförderung. Das war im November 1999.

Eine Idee des Bischofs


Zurück in Deutschland machten sich die Gläubigen rasch ans Werk: "Über Sternsingen und Hungermärsche, Pfarrfeste und Eventspenden, Zahngoldsammlungen und Hochzeits-Kollekten kamen im Lauf der Zeit gut 300000 Euro zusammen", berichtet Pater Augustinus, der allerdings erst später dazustieß.

Ein Jahr später gab es die ersten Projektunterlagen. Im November 2000 vereinbarten die Gemeindemitglieder bei einem Besuch mit dem Bischof, den Dorfältesten und dem Stammeshäuptling die Zuweisung des Baugeländes.

Unter anderem waren es Studenten von der Fachhochschule Magdeburg-Stendal, die das Projekt immer weiter voran trieben. 2005 sind die ersten Gebäude fertig. Der Unterricht beginnt. Inzwischen ist die Schule auf 200 Schüler angewachsen. Pater Augustinus: "Aber sie soll noch größer werden."

Derzeit stehen auf dem Gelände der St. Anthony of Padua Senior Technical High School drei Unterrichtsgebäude mit zehn Klassenräumen, drei Internatsgebäuden für Mädchen mit insgesamt 48 Betten und ein Internatstrakt für Jungen mit 80 Betten. Dazu gehört ein Wohngebäude für den Principal (Schulleiter) und zwei Lehrerinnen, diverse Toiletten und Waschräume, ein Schweinestall und die fast vollendete Lehrküche. Mit einer vierjährigen Ausbildung zu Köchen beziehungsweise Restaurant-Fachleuten haben die jungen Menschen beste Aussichten auf dem Arbeitsmarkt ihres Landes.

Ein Meilenstein der Schulgeschichte folgt im Jahr 2012: Die High School wird staatlich anerkannt. Bedeutet, dass der Staat jetzt die Lehrergehälter und die laufenden Kosten bezahlt.

Unterdessen arbeitet der Ghana-Arbeitskreis aus der Magdeburger St. Augustinus Pfarrei und Studentengemeinde an den nächsten Schritten zur Vollendung des Schulprojekts. Zu St. Augustinus gehören die Gemeinden St. Petri und St. Andreas in Magdeburg sowie Heilig Kreuz Biederitz.

Eine Mauer ist ganz wichtig


Laut Pater Augustinus drehen sich die Planungen des Ghana-Arbeitskreises um eine verbesserte Wasserversorgung, um den Bau einer Mensa für die Mahlzeiten, weiteren Wohnraum für das Mädcheninternat, Toiletten für das Jungeninternat, eine kleine Schulbibliothek, eine ordentliche Umzäunung und weitere Lehrerwohnungen.

Die Dining-Hall (Mensa) sei erforderlich, damit der Staat die Schule auch als so genannte Boarding School anerkennt. Erst dann bekommen die Schüler eine staatlich finanzierte kostenlose Mittagsmahlzeit. Diese Dining-Hall soll 500 Plätze haben. Auf diese Zahl soll die Schule in dem 1000-Seelen-Ort an der Savanne mittelfristig wachsen.

Aber bitter nötig sind weitere Räume für das Mädcheninternat, damit die Mädchen nicht wie jetzt teilweise zu zweit in einem Bett schlafen müssen.

Beim Jungeninternat wurde bisher keine ordentliche Toilette gebaut, weil sich dort der Untergrund für die Fäkaliengrube als felsig erwiesen hat. Pater Augustinus: "Man hat uns aber bei unserem Besuch versichert, dass sich das mit einem Presslufthammer binnen weniger Tage lösen lässt. Das Geld dafür steht schon bereit."

Die Lehrküche steht kurz vor der Vollendung.

Da es im Norden Ghanas an Lehrern mangelt, müssen diese aus dem Süden geholt werden. Sie bringen aber in der Regel ihre Familien nicht mit, beziehen deshalb eine vorübergehende Wohnung am Standort der Schule. Auch die Schule in Bamboi ist vom Lehrermangel betroffen. Deshalb ist das Kindermissionswerk inzwischen in Ghana dazu übergegangen, solche Wohnungen in bescheidenem Umfang zu finanzieren. Da die Lehrer dafür auch eine kleine Miete zahlen, wird die Pfarrei St. Antonius von Padua zugleich auch Einnahmen erzielen, die sie bitter nötig hat.

Ein anderes Problem: Weil das Gelände der Schule derzeit noch nicht eingezäunt ist, laufen darauf Ziegen aus dem Dorf herum und fressen alle Pflanzen, die von den Schülern zur Eigenversorgung angebaut werden. Eine Mauer würde außerdem Schutz vor gefährlichen Giftschlangen und Eindringlingen bieten.

Nachdem die Magdeburger Gemeinde einst 25 gebrauchte Computer nach Ghana brachte und inzwischen auch der Staat weitere dazu getan hat, ist ein richtig gut eingerichteter Computerraum für den täglichen Unterricht entstanden. Es mangelt jedoch an Büchern, besonders für das Kochen. Um die Bücher sicher lagern zu können, braucht die Schule noch ein kleines Bücherei-Gebäude. Eigene Bücher können sich die Schüler nicht leisten.

"Wir sind mit der Schule schon sehr weit gekommen, wenn auch noch nicht fertig", sagt Pater Augustinus. Er hat vor einigen Jahren seinen bürgerlichen Namen Torsten Henke abgelegt, lebt jetzt als Prämonstratenser-Mönch.

Mit dem Betrag des letzten Hungermarsches (18400 Euro) und den nächsten beiden Sternsinger-Aktionen (2015 waren es 14700 Euro) könnten all die noch erforderlichen Gebäude und weitere Anschaffungen finanzierbar sein.

 

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