"Ich liebe das Jerichower Land", sagte Marina Conradi (55) beim Neujahrsempfang des Landkreises am Donnerstag. Die Leiterin der Genthiner Touristinfo erhielt den Sparkassen-Ehrenpreis. Darüber sprach Volksstimme-Redakteur Falk Heidel mit der Tourismus-Expertin aus Derben.

Volksstimme: Frau Conradi, Sie wirkten bei der Preisverleihung sehr überrascht. Ist denn tatsächlich im Vorfeld nichts durchgesickert?

Marina Conradi: Ich schwöre, ich wusste von nichts. In meiner Funktion als Leiterin der Touristinfo steht der Neujahrsempfang natürlich auf meinem Terminzettel. Aber mit einer solchen Auszeichnung hätte ich nie und nimmer gerechnet.

Sie sind in Ihrem Büro: Woran arbeiten Sie jetzt gerade?

Ich bin beim Korrekturlesen von Texten bezüglich der kommenden Veranstaltungen in unserem Landkreis. Nachzulesen auf unserer Internetseite www.touristinfo-genthin.de.

Wie hat es sich angefühlt, als Sie bei der Preisverleihung Ihren Namen hörten?

Ungewohnt. Ganz ehrlich, ich fühle mich sehr viel wohler, wenn ich im Hintergrund meine Arbeit machen kann. Gefreut haben mich die vielen ehrlich gemeinten Gratulationen und Umarmungen. Teilweise von Menschen, mit denen ich seit 24 Jahren auf verschiedenen Ebenen zusammenarbeite.

Fallen einem in solchen Momenten die richtigen Worte ein?

Natürlich nicht. Später daheim im Bett sind mir viele Dinge eingefallen, die ich gern gesagt hätte.

Zum Beispiel?

Ein Gruß an alle 90000 Einwohner des Jerichower Landes, die beim Neujahrsempfang nicht in der Stadthalle waren. Viele von ihnen tragen mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit dazu bei, dass sich die Menschen in unserer Region wohlfühlen. Dafür gibt es hunderte Beispiele von Heimatstuben, Trachtengruppen, Vereinen oder von Leuten, die unsere Kultur beleben.

Sparkassenchef Norbert Dierkes sagte bei der Preisverleihung: "Es lohnt sich, das Brauchtum des Jerichower Landes zu pflegen und bekannt zu machen. Und es gibt Menschen wie Marina Conradi, die genau das leben." Hat er recht?

Aber sicher. Alles was in punkto Kultur und Tourismus im Jerichower Land passiert, wird von Menschen gemacht und von Menschen begleitet. Viele Sehenswürdigkeiten oder Veranstaltungen sind nur deshalb so erfolgreich, weil engagierte Leute ganz viel Herz und Verstand investieren. Die Summe aus solchen Investitionen macht unsere Heimat lebens- und liebenswert.

Ihr Preis ist mit 2015 Euro dotiert. Was passiert mit dem Geld, gönnen Sie sich ein Wellness-Wochenende an der Ostsee?

Zugegeben, ein netter Gedanke. Aber das Geld ist an ein Projekt gebunden. Wir suchen derzeit nach einem Empfänger, der eine solche Belohnung verdient hat.

Sie haben mit Sicherheit schon eine Idee.

Das stimmt. Mir fällt spontan das Musikprojekt Wir Für Euch ein, das in der jüngeren Vergangenheit mit dem Genthin-Song für Schlagzeilen gesorgt hat. Involviert sind ein Dutzend junger Künstler, die mit Sicherheit noch weiter von sich hören lassen. Da steckt noch ganz viel Potenzial drin. Das Geld wäre für die jungen Leute ein toller Ansporn. Neues Equipment wird immer gebraucht. Ich finde jedenfalls, es ist eine tolle Gemeinschaft, die uns zeigt, dass es sich lohnt, hier zu leben.

Erstmals gehörte Landrat Steffen Burchhardt zu den Gastgebern des Neujahrsempfangs. Hat der Wechsel an der Spitze des Landkreises auch Auswirkungen auf Ihre Arbeit im Tourismusbereich?

Konkrete Veränderungen gibt es diesbezüglich noch keine. Aber diversen Gesprächen habe ich entnommen, dass der Landrat den Tourismus als Wirtschaftsfaktor einstuft. Das ist doch eine gute Basis, die mich optimistisch stimmt.

Wie klang der Abend für Sie als Preisträgerin aus?

Dienstlich. Unser Team kümmerte sich mit Kartoffelsuppenkönig Jörg Holstein aus Karow um das leibliche Wohl der 350 Gäste in der Stadthalle. Außer der königlichen Suppe bekamen die Gäste viele touristische Infos präsentiert. Unter anderem unsere neue Broschüre König, Kanzler, General sowie den aktuellen Eventkalender. Erst danach gab es ein Gläschen Rotwein.