Ein Rollator hilft, im hohen Alter mobil zu bleiben und nicht auf andere angewiesen zu sein. Die Burgerin Annegret Schmidt braucht keine Gehhilfe, kennt aber die täglichen Hürden des Fußwegs, die einige Nachbarn für einen Arztbesuch oder Einkauf bewältigen müssen.

Burg l Direkt vor der Haustür in der Burger Theodor-Fontane-Straße beginnt Anwohnerin Annegret Schmidt aufzuzeigen, was sie stört. "Hier geht es los und das zieht sich bis hinter die Kurve", sagt sie verärgert und deutet auf den Bürgersteig. Die 69-Jährige ist selbst noch mobil genug und meist mit dem Fahrrad unterwegs. Einen Rollator braucht sie nicht.

Schon seit Längerem beobachtet sie, wie die älteren Anwohner mit ihren Gehhilfen auf dem teils aufgesprungenen Fußweg und beim Überqueren der Straße Probleme haben.

"Ich wohne seit 28 Jahren hier und seitdem wurde an dem Fußweg nichts gemacht", gibt Schmidt an. Bis auf Höhe Einmündung Clausewitzstraße wurde 2010 aus Unterhaltungsgründen asphaltiert. 2013 erfolgte die Anpassung der Pflasterfläche an die Schwarzdecke.

Kaum 50 Meter dahinter wohnt seit 1958 ihre einstige Arbeitskollegin aus der Burger Schuhfabrik "Roter Stern", Annerose Hünicke.

Seit 2012 ist die 81-Jährige aus gesundheitlichen Gründen mit dem Rollator unterwegs und fast täglich zum Einkaufen oder für einen Arztbesuch darauf angewiesen. Ohne den Rollator anzuheben, kommt sie den Bordstein auf der gegenüberliegenden Seite nicht mehr hoch. "Es gibt Stellen, wo es mit dem Rollator noch ein bisschen geht", so die Burgerin und meint den glatten Abschnitt bis zur Clausewitzstraße. Umgehen könnte sie das Anheben der mobilen Gehhilfe an der Stufe der anderen Straßenseite schon, aber nur, wenn sie den Umweg von 50 Metern bis zur Clausewitz-Einmündung macht.

Die angrenzenden Gehwege wurden bei der teilweisen Anpassung ausgespart, da eine Gefährdung durch die beschädigte, alte Straßendecke als höheres Risiko galt, teilte die Stadt mit. Zudem sind die Unebenheiten im weiterführenden Fahrbahn-Kopfsteinpflaster als weniger sanierungsbedürftig eingeschätzt worden.

Auf dem Hinweg ist das Anheben des Rollators noch nicht problematisch, meint Schmidt, aber mit dem Einkauf im Rollatorgitter sei das bereits extra leichte Gehhilfen-Modell für die Seniorin kaum mehr über die Kante zu heben.

"Man muss immer wieder auf den Zustand der Straße aufmerksam machen, damit vielleicht mal was passiert", sagt Schmidt, die ihre ehemalige Arbeitskollegin oft beim Einkaufen mit dem Fahrrad begleitet. Noch auffälliger als marode Gehwegplatten sind die von der Witterung verschlissenen Bordsteine. Teils fehlt die Begrenzung, andernorts liegt ein Gulli frei und könnte für die älteren Anwohner zur Stolperfalle werden. Einige Male hätte sich Schmidt mit ihrem Anliegen bereits an die Stadt gewandt. "Bisher ist nichts passiert", sagt die 69-Jährige und denkt dabei auch ein paar Jahre weiter, wenn sie in der gleichen Situation stecken könnte. Mehr als einmal wiesen auch andere Anwohner die Stadt auf den schlechten Zustand der Gehwege hin. Derzeit haben jedoch andere bauliche Sanierungsprojekte Priorität, so dass in der Theodor-Fontane-Straße in den folgenden Jahren lediglich die Instandhaltung gewährleistet werden kann, eine Sanierung aber vorerst nicht in Frage kommt.

Annerose Hünicke sind ihre Nerven zu schade, um sich in ihrem hohen Alter noch über die derzeitige Gehwegsituation aufzuregen. Allerdings wird das tägliche Hieven des Rollators zunehmend beschwerlicher, da ihre Handgelenke durch eine Operation nicht mehr uneingeschränkt beweglich sind. Die 81-Jährige ist momentan auch wieder in ärztlicher Behandlung.

 

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