Einen fairen, offenen Umgang untereinander forderte der Gerwischer Wehrleiter Wolfgang Beckmann auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr. Zudem ging er mit der Landespolitik ins Gericht. Beckmann kündigte seinen Rückzug an.

Gerwisch l "Zum 25. Mal berichte ich an dieser Stelle über die geleistete Arbeit unserer Freiwilligen Feuerwehr und gebe einen Ausblick auf die neuen Jahresziele zur Absicherung der Sicherheit unserer Bürger", eröffnet Wolfgang Beckmann am Freitagabend seinen Jahresbericht. Mit Blick auf ein Vierteljahrhundert Feuerwehrgeschichte mahnte Beckmann, der auch Vorstandsmitglied des Kreisfeuerwehrverbandes Jerichower Land ist, die Politik auf, mit den Feuerwehren wieder Schulterschluss zu suchen. Es könne nicht sein, dass im Zuge des Sparsamkeitszwanges die Buchhalter in den einzelnen Entscheidungsebenen bestimmen, was und wie beschafft werden kann, soll oder muss. "Es ist etwas faul im Feuerwehrwesen", sagt Beckmann. Die Geduld der Kameradinnen und Kameraden, ständigen Umstrukturierungen ausgesetzt zu sein, neigt sich ihrem Ende.

Beckmann befürchtet, dass der wachsende Spardruck von Finanzminister Bullerjahn auch die bisher gute feuerwehrtechnische Entwicklung in der Gemeinde Biederitz stoppen wird.

Die Auseinandersetzungen und Diskussionen um neue Wege und Ziele sollten im Kleinen wie im Großen offen und fair ausgetragen werden, merkte Beckmann an. "Eine richtige Streitkultur, in Versammlungen sich Auge in Auge die Meinung zu sagen, gibt es nicht mehr", hat der Wehrleiter ausgemacht. An Ort und Stelle werde die Meinung zurück gehalten. Stunden später könne man sie auf Facebook nachlesen.

An diesen Gedankengang knüpft später Gemeindewehrleiter Carsten Kiwitt an. Auch er wünscht sich einen angemessenen Umgang miteinander und eine konstruktive Zusammenarbeit. Die einzelnen Ortswehren seien ständigen Veränderungen - auch personellen - unterworfen. Es sei vor allem schwierig, die soziale Kompetenz von Führungskräften vorab einzuschätzen. "Doch", so Kiwitt, "jeder einzelne der 168 Einsatzkräfte ist ein wichtiger Bestandteil der Feuerwehr. Jeder einzelne ist durch seine beruflichen und feuerwehrtechnischen Fähigkeiten ein unersetzbares Puzzleteil im Gesamtbild. Jeder einzelne hat aber auch seine eigenen charakterlichen Züge, die respektiert und bedacht werden müssen."

Transparenz ist für Ortsbürgermeisterin Karla Michalski eine unabedingbare Voraussetzung für ein gedeihliches Miteinander. Schwierige Situationen müssen besprochen werden. "Probleme löst man nicht mit Schweigen", sagt die Ortsbürgermeisterin. Deshalb fordert sie mit Nachdruck von der Gemeindeverwaltung, dass schon jetzt die konkreten vorbereitenden Arbeiten zur Beschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeuges im Jahr 2016 zu leisten sind.

Bürgermeister Kay Gericke (SPD) konstatiert, dass der Spar- zwang des Landes die Kommune mächtig unter Druck setze. 2015 gebe es 340 000 Euro weniger an Zuweisungen. Trotz alledem versuche die Gemeinde, die Feuerwehren gut auszustatten und zu erhalten. In Summe stehen dafür in diesem Jahr 273 100 Euro zu Verfügung. Gericke nimmt den Auftrag der Versammlung mit, die neuen Mitglieder des Gemeinderates mit der Feuerwehrbedarfsplanung, dem Arbeitsprogramm der Gemeindewehr, vertraut zu machen, um das Verständnis für die Feuerwehr weiter auszuprägen.

Seine Hochachtung zollt Gericke der frühen Ankündigung von Wehrleiter Wolfgang Beckmann, in einem Jahr das Amt abzugeben. Beckmann hatte das in der Sitzung bekannt gegeben. Auf der Jahreshauptversammlung 2016 sollte ein neuer Wehrleiter durch die Kameraden gewählt werden, wünscht sich der erfahrene Feuerwehrmann. Er möchte sich dann der Arbeit mit der Alters- und Ehrenabteilung zuwenden.

Jugendwart Martin Reichardt und Katharina Wilke, die Leiterin der Kinderfeuerwehr "Feuerfrösche", belegten in ihren Jahresberichten eine gute Nachwuschsarbeit. So wird die im Vorjahr von 52 auf 48 zurück gegangene Zahl der aktiven Einsatzkräfte ganz sicher wieder steigen.

Bilder