Die Energiewende soll Gutes für die Umwelt tun. Doch in Sachen Artenschutz geraten Windkraftanlagen immer wieder in die Kritik. Unzählige Fledermäuse und Vögel sterben jedes Jahr zwischen den Windflügeln.

Von Franziska Ellrich

Magdeburg/Möckern l Dass vorsorgliche Maßnahmen zum Schutz wildlebender Tiere, insbesondere von Vögeln und Fledermäusen, umgesetzt werden, soll die Landesregierung im Dialog mit den Betreibern von Windkraftanlagen forcieren. So verlangt es ein Antrag von CDU und SPD, der vergangenen Freitag einstimmig im Landtag beschlossen wurde.

Laut Statistik liegt die Zahl der Fledermäuse, die jährlich "Schlagopfer" an Windkraftanlagen werden bei 240 000 Tieren. Windflügel, die den für die Fledermäuse gefährlichen Unterdruck erzeugen, gibt es im Jerichower Land zur Genüge. Egal ob in Gommern, Möckern oder Genthin: Die Fledermäuse können zwar den tödlichen Schlägen der Windflügel mithilfe ihres Ortungssystems gut ausweichen, sie fallen aber dem sogenannten Barotrauma zum Opfer. Das bedeutet, dass der Unterdruck auf der Rückseite der Rotoren die Lungen der Tiere platzen lässt.

Greifvögel hingegen fallen direkt den Schlägen der Windflügel zum Opfer. In einen besonders grässlichen Kreislauf geraten Vögel, die wie zum Beispiel der Rotmilan auch von Aas leben und von bereits erschlagenen Tieren am Boden angelockt werden. "Alle Dinge, die wir auf diesem Planeten nutzen, sind nicht kostenlos zu haben, wir müssen uns immer darüber Gedanken machen, was können wir zurückgeben und wie können wir bestimmte Dinge kompensieren", eröffnete Ralf Bergmann (SPD) die Debatte im Parlament.

Wenig Wind macht das Windrad zum Baum

Wie diese oftmals vom Aussterben bedrohte Tierarten geschützt werden können, soll dem CDU-/SPD-Antrag zufolge im Umweltausschuss intensiver beraten werden. Ein Lösungsansatz könnte sein, dass bei niedrigen Windströmungen die Anlagen ganz abgeschaltet werden. Denn: Fledermäuse kollidieren mit Windkraftanlagen, weil die Windströmungen dort den von hohen Bäumen entsprechen sollen. Jedoch nur, "wenn sich die Rotorblätter langsamer als gewöhnlich drehen", bezieht sich der Antrag auf neueste Studien.

Die blinkenden, roten Warnlampen für Flugzeuge sollen sich hingegen für die Tiere als hilfreich erwiesen haben. Erkenntnisse, die die Regierung nutzen sollte. Geht es nach Landtagsmitglied Bergmann könnten "umweltfreundlichere" Anlagen auch wieder mehr Akzeptanz in der Bevölkerung bedeuten. Ein Punkt, den CDU-Politiker Jürgen Stadelmann am Freitag aufgriff: Es sei wichtig, den Artenschutz und erneuerbare Energien nicht gegeneinander auszuspielen.

Mit einem Änderungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wurde es am Tag der Parlamentssitzung noch konkreter. Dabei lehnen die Abgeordneten die Windkraftanlagen nicht ab, sondern fordern "einen Leitfaden zum Artenschutz bei der Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen". Artenspezifisch sollen darin Maßnahmen zur Schadensbegrenzung aufgeführt werden. Der Naturschutzbund fordert zum Beispiel, dass Windparks in ausreichend großem Abstand zu den Horsten von Greifvögeln errichtet werden. In einem Bereich von 1250 Metern um den Horst sei das Kollisionsrisiko besonders hoch.

Artenschutz muss im Vorfeld geklärt sein

Und genau solche Art Parameter sollen greifen, wenn in den kommenden Jahren stetig mehr Windenergieanlagen entstehen, deren Leistung bis 2022 verdoppelt werden soll. "Die Konfliktpotentiale zwischen Artenschutz und Winkraftanlagen" seien Hermann Onko Aeikens zufolge in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Bestimmte Dinge, dazu gehört für den Minister für Landwirtschaft und Umwelt der Artenschutz, müssten im Vorfeld der Errichtung neuer Anlagen bereits geklärt sein. Was die bestehenden Anlagen betrifft, will Aeikens den Dialog mit den Betreibern suchen.