Laut einer Statistik gehen wir im Durchschnitt 17-mal zum Arzt - pro Jahr. Auch hier in Burg gibt es die Tendenz, dass Frauen häufiger in Sprechstunden gehen als Männer. Eine medizinische Studie vergleicht aktuell unser Gesundheitssystem mit dem norwegischen. Die Ergebnisse sind verblüffend.

Burg/Magdeburg l "Eingerechnet in diesen 17 jährlichen Arztbesuchen pro Patient sind Untersuchungen und Behandlungen, aber auch Termine, an denen sich die Menschen lediglich ein neues Rezept verschreiben lassen oder eine Überweisung bekommen", erklärt Dr. Wolfram Herrmann. Der Mediziner leitet an der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität ein Forschungsprojekt namens "Subjektive Patientenkonzepte zur Inanspruchnahme hausärztlicher Versorgung", das der Frage nachgeht, warum Patienten in Deutschland häufiger zum Arzt gehen als Bürger in anderen Ländern. In diese Studie fließen auch Daten und Fakten ein, die die Mediziner in Burg beziehungsweise im Jerichower Land eingesammelt haben. Im Oktober des vergangenen Jahres gab es eine Veranstaltung in der Burger Stadthalle: "Hier hatte sich eine sehr umfangreiche Diskussion mit Patienten ergeben", erzählt Alexander Haarmann, der zu den Autoren gehört.

Zu wenig Fachärzte

Demnach klagen die Patienten in der Burger Region bisher noch nicht über einen Mangel an Hausärzten. Haarmann: "Ganz anders sieht es bei den Fachärzten aus. Hier bemängeln die Menschen weite Wege und oft sehr späte Termine."

Eingeflossen in diese Studie sind zudem Erkenntnisse aus dem Alltag in norwegischen und deutschen Hausarztpraxen. Dazu gehört auch ein Mediziner aus Möckern.

Vorgestellt wird diese Studie während einer Informations- und Diskussionsveranstaltung am 17. Februar in Haus 18 der Magdeburger Universitätsklinik an der Leipziger Straße ab 18 Uhr.

Und noch etwas ist dem Forscher aufgefallen: "Viele ältere Menschen vergleichen die heutige Medizin mit dem Gesundheitssystem der DDR, wo es unter anderem die Gemeindeschwester gab."

Änderungen im System

Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Burger Region und einer beliebigen Stadt in Norwegen: Dort gehen die Menschen häufiger zum Hausarzt, bei uns überwiegen die Facharztbesuche. Gravierend: Den durchschnittlich 17 jährlichen Arztbesuchen in Deutschland stehen lediglich 4,6 in Norwegen gegenüber: "Dennoch haben die Menschen in Skandinavien die gleiche Krankheitslast, die gleiche Sterblichkeitsrate", erklärt Herrmann.

Der demografische Wandel führt zu Veränderungen der hausärztlichen Versorgung: Weniger Ärzte müssen für mehr ältere Patienten sorgen, wovon ein Flächenlandkreis wie das Jerichower Land besonders betroffen ist. In seiner aktuellen Studie will Herrmann Antworten finden: Werden wir in Zukunft nicht mehr so oft zum Arzt gehen dürfen? Welche Auswirkungen hat das auf die medizinische Versorgung? Und: Welche Rolle spielt das Geld - mit Blick in die mittelfristige Zukunft?

Einige Fakten sind erschreckend: Lediglich sieben Minuten verbringt ein Patient durchschnittlich in der Sprechstunde seines Arztes. In Norwegen sind es mehr als 20 Minuten. Die Universitätsforscher vergleichen unser deutsches Gesundheitssystem mit dem norwegischen: "Dort bezahlen die Menschen grundsätzlich für jeden Arztbesuch, auch fürs simple Blutabnehmen. Die Gebühren sind gestaffelt nach jeweiliger Leistung, aber auch nach Tageszeit des Arztbesuchs."

Offengelegt hat das Bürgerforum in Burg, dass es im Jerichower Land massiv an Fachärzten mangelt. Es fehlen unter anderem Augenärzte, Orthopäden, Kardiologen oder Hautärzte. Konsequenz sind lange Wege zum Arzt und lange Wartezeiten auf einen Termin beim Spezialisten.