Die Tourenvorschläge des Gommeraner Wegewartes Steffen Grafe laden die Volksstimme-Leser ein, die Einheitsgemeinde Gommern zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden.

Gommern l Erst am vergangenen Wochenende ist Steffen Grafe die heutige 15 Kilometer lange Tour geradelt. Der Wegewart wollte sichergehen, dass sein Ausflugstipp auch beim derzeit nicht immer einladenden Wetter bewältigt werden kann. "Man kann die Strecke gut fahren. Es lohnt sich sogar, nicht bis zum Frühling zu warten, denn kurz vor Leitzkau können im Moment Singschwäne beobachtet werden. 22 Silberreiher habe ich ebenfalls entdeckt."

Startpunkt der zweiten Tour ist wiederum die Wasserburg Gommern. Über die Walther-Rathenau-Straße geht es vorbei am Rathaus und den Platz des Friedens auf die Zerbster Chaussee in Richtung Bahnhof. "Dort lohnt sich ein kleiner Stopp an der Kleinbahnlokomotive", schlägt Steffen Grafe vor. Sie wurde 1920 erbaut und anfangs als Verschiebelok in der Zuckerfabrik Gommern eingesetzt, später in den Sandgruben, bis sie 1967 außer Betrieb gestellt und Mitte der 1970er Jahre restauriert und als technisches Denkmal aufgestellt wurde.

Sportliche Radler hätten kein Problem, die Lokomotive zu überholen. Laut Infotafel beträgt ihre zulässige Geschwindigkeit 15 km/h.

Hinter dem Bahnübergang beginnt bald der Radweg in Richtung Dannigkow. Ein weiteres technisches Denkmal hat es dem Wegewart auf dieser Route angetan. "Das ist die Brücke der Kleinbahn zwischen Loburg und Gommern, die zwischen 1903 und 1960 verkehrt ist. Sie besteht komplett aus Eisen und ist genietet." Ihre hohe Traglast ist etwas besonderes. Vom Bahnhof, der sich ganz in der Nähe der Brücke befand, haben sich keine Spuren erhalten.

Brockenblick belohnt bei guter Sicht fürs Bergsteigen

Wer weiter der ehemaligen Bahntrasse folgen möchte, radelt geradeaus bis Kressow. Für diese Tour hat Steffen Grafe jedoch eine andere Route ausgesucht. Es lohnt sich hinter der Brücke ins Dorf hinein zu fahren. Vor dem Gemeindehaus befindet sich der Gedenkstein "Dem Andenken an das erste siegreiche Gefecht in den Freiheitskriegen am 5. April 1813". Das Gemeindehaus beherbergt die sehenswerte Ausstellung in der Heimatstube "Dannigkow Am Ehlebogen 1813". Kompetenter Ansprechpartner ist Heinz-Hellmer Wegener, Ortsbürgermeister und Vorsitzender des Heimatvereins.

Am Ende der Friedhofstraße muss die B 184 überquert werden. Der ländliche Weg bringt die Radler direkt nach Leitzkau. Viel zu sehen gibt es unterwegs jedoch nicht. "Acker", fasst Steffen Grafe zusammen. Wenn er die Strecke bei einer Radwanderung anbietet, achtet er auf den Wind. "Je nachdem von wo der Wind kommt, drehen wir die Runde so rum oder so rum."

Abstecher auf die Straße der Romanik

Aber Wind und Steigungen zum Trotz. Kurz vor Leitzkau belohnt - bei guter Sicht - der Brockenblick und im Moment die Singschwäne. "Etwa Mitte Februar werden sie ihr Quartier verlassen", erklärt der Wegewart. "Um Kräfte zu sparen und möglichst schnell zurück zu ihren Brutplätzen in Skandinavien zu sein, fliegen sie nur bis zur Schneegrenze."

Ist Leitzkau einmal erreicht, ist das Schloss schon zum Greifen nah. Ab März werden wieder regelmäßig Führungen angeboten. Von Albrecht dem Bären bis zu Amalie von Münchhausen haben die alten Gemäuer viele spannende Geschichten zu erzählen. Der Förderkreis Kultur und Denkmalpflege Leitzkau sorgt mit regelmäßigen Veranstaltungen von Ausstellungen wie Abende am Kamin, bei Albrecht oder Amalie, über Märkte wie den weithin bekannten Töpfermarkt und Adventsmarkt oder Konzerten für eine vielfältige Nutzung der Schlossanlage. Auch der Bund fürs Leben kann im stilvollen Hochzeitszimmer des Schlosses Hobeck geschlossen werden.

Lohnenswert ist darüber hinaus ein Abstecher zur Pfarrkirche St. Petri, der ältesten erhaltenen in Stein gebauten Kirche östlich der Elbe, mit der Leitzkau an der Straße der Romanik gelegen ist.

Von Leitzkau aus ist Ladeburg bald erreicht. "Unser Ziel ist der Brunnen vor der Gaststätte `Zur alten Scheune`, erklärt Steffen Grafe. "Der Brunnen war einer der ersten in Ladeburg und ist etwa sechs Meter tief. 2008 ließ der Gastwirt von innen säubern und mit Feldsteinen aufmauern."

Sowohl die Kirche als auch das Denkmal "1813" sollten in Ladeburg mit angefahren werden. "Wer die Tour nicht zurückfahren möchte, kann den Weg über Vehlitz nehmen. Dann sind es nur etwa acht Kilometer bis Gommern", erklärt Steffen Grafe. "Was es in Vehlitz zu sehen gibt, ist allerdings Thema einer anderen Tour."

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