Täter ist nicht gleich Täter. Einbrecher kommen nachts und machen in Supermärkten Beute. Andere Verbrecher wollen Bargeld, das sie während der Öffnungszeiten an den Kassen rauben. Zuletzt geschehen in Möckern und Burg.

Möckern/Biederitz/Burg l Wenn die Polizei den Täter schnappt, drohen ihm mindestens fünf Jahre Gefängnis. Ein Mann steht mit Schirmmütze und grüner Jacke am Sonnabend kurz vor Ladenschluss an der Aldi-Kasse in Möckern. Alles sieht harmlos aus, er packt seine Lebensmitteltüten auf das Band wie jeder andere Kunde auch.

Tatort Möckern

Beim Bezahlen hält er der Frau an der Kasse ein schwarzes Ding vor die Nase, das zumindest wie eine Pistole aussieht. Er will Geld. Die Kassiererin gibt ihm einen Bündel Scheine. Doch er will mehr, greift selbst in die Kasse und macht sich mit der Beute aus dem Staub. Zurück bleibt die Kassiererin, die einen Schock erleidet.

Trotz Nachfrage will die Polizei die Höhe der erbeuteten Summe nicht nennen. Sprecher Thomas Kriebitzsch begründet dies mit Täterwissen. Den Täter beschreibt er mit einem runden Gesicht und Drei-Tage-Bart: "Er ist etwa 1,80 Meter groß, trug eine Mütze mit rundem Schirm und eine olivgrüne Jacke."

Kriebitzsch zufolge sprechen einige Indizien dafür, dass es sich um einen Ausländer handelt.

Ist es derselbe Täter, der im August den Rewe-Markt am Burger Conrad-Tack-Ring überfallen hatte? "Das können wir derzeit weder bestätigen noch ausschließen", sagte Kriebitzsch gestern auf Volksstimme-Nachfrage.

Tatort Burg

Seinerzeit hatte der Mann ebenfalls kurz vor Ladenschluss im Burger Rewe eine Tafel Schokolade gekauft. An der Kasse bedrohte er dann die Kassiererin. "Geld her, Geld her!", soll er gerufen haben - mit einer Pistole in der Hand. Als es ihm nicht schnell genug ging, schoss er auf die 51-jährige Frau. Sie verspürte Schmerz am Bein. In Todesangst gab die Frau Bargeld heraus, gut 1000 Euro. Der Mann flüchtete. Jugendliche im Markt alarmierten die Polizei und kümmerten sich um die Kassiererin.

Die Polizei war zunächst von einem Täter aus der Umgebung ausgegangen. Mit einem Großaufgebot gab es eine Befragung im Wohngebiet Burg-Süd. Ohne Ergebnis. Mit dem amtlichen Gutachten stellte sich heraus: Es war eine scharfe Waffe.

Keine Pistole, sondern ein Messer hatte ein Verbrecher, der sich gleich zweimal im März per Raubüberfall im Nettomarkt an der Burger Bahnhofstraße bediente. Ohne Maskierung bedrohte er den Kassierer und entkam mit mehreren hundert Euro. Zehn Tage später wiederholte er das Delikt. Er stellte sich kurz vor Ladenschluss an der Kasse an, bedrohte die Kassiererin und verschwand mit den Geldscheinen aus der Kasse.

Tatort Möckern

An einem Dienstag im September war der Netto-Markt am Rautenweg kurz vor Ladenschluss an der Reihe. Auch hier hat der Täter mehrere hundert Euro erbeutet. Der Mann legte zunächst Waren auf das Kassenband und täuschte einen Bezahlvorgang vor. Nachdem die Verkäuferin die Kasse öffnete, zeigte der Täter seine wahren Absichten, griff in die Kassenschublade und entnahm einen Stapel Geldscheine.

Zwar versuchten Zeugen noch, den Dieb festzuhalten. Doch er riss sich los und rannte aus dem Einkaufsmarkt. In der Nähe wartete in einem Opel sein Kumpel.

Tatort Loburg

Der Netto-Markt an der Straße Münchentor in Loburg war Ende Oktober Schauplatz eines Verbrechens: Wieder kurz vor Ladenschluss erpresste der Täter mit einem Komplizen mehrere hundert Euro. Er bedrohte eine Mitarbeiterin des Einkaufsmarktes mit einem Messer. Er wollte Bargeld. Nachdem der einige hundert Euro bekommen hatte, bedrohte er auch noch eine Mitarbeiterin der Bäckereifiliale im Markt. Auch an dem Backshop erbeutete der Täter mehrere hundert Euro, bevor er mit dem Geld in der Dunkelheit verschwand.

Tatort Polizeirevier

In Zerbst klicken die Handschellen. Die Polizei nimmt im November zwei Männer in einer kleinen, extra von ihnen angemieteten Einraum-Wohnung fest. Offiziell gemeldet sind sie dort aber nicht. Gegen den Zerbster und Dessauer im Alter von 20 und 21 Jahren erlässt das Amtsgericht Dessau Haftbefehl. Beide wurden in die Jugendstrafanstalt Raßnitz gebracht und zeigten sich geständig.

Die Ermittler waren nach dem Überfall in Loburg auf die Spur der Täter gekommen. Während der "Kleine" die Kassiererin mit einem Messer bedrohte, wartete der kräftige Komplize in einem weißen Opel Corsa. Damit flüchteten sie. Das Auto gehört ihnen, trug aber bei diesem Überfall keine Kennzeichen. Ein Zeuge erkannte die jungen Männer und gab später der Polizei den Tipp. Mindestens neun Fälle in Zerbst, in Loburg, Möckern und Burg sowie in Magdeburg sollen auf ihr Konto gehen.

Die jungen Männer sollen einige Messer und eine Schreckschusspistole nach den Überfällen im Wald vergraben haben. Einige fanden die Beamten in der Wohnung. Mit der Beute, mehrere tausend Euro, wollten die jungen Kriminellen ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Tatort Biederitz

Nach dem Überfall auf eine Schäfersfiliale im NP-Markt in Biederitz an der Karl-Marx-Straße am 3. Januar sucht die Polizei nach wie vor nach Zeugen. Die Täter waren nach Ladenschluss durch die Supermarkttür eingebrochen und entwendeten den Tresor der Bäckereifiliale mit den Einnahmen des Tages. "Der Tresor wurde geöffnet und leer vor dem Markt gefunden", teilte Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch mit. Gesehen hat ein Zeuge einen flüchtenden dunklen Kastenwagen.

NP-Marktleiterin Brigitte Meiwald berichtete auf Volksstimme-Nachfrage, der Bäcker sei nicht das erste Mal überfallen worden. "Die Täter müssen sich in den Räumlichkeiten genau ausgekannt haben", sagte sie. Sie hätten gewusst, wo der Safe zu finden sei.

Schäfers-Filialleiter Jörg Brinck sagte: "Wir melden den Überfall an die Zentrale, die sich dann um alles weitere kümmert."