Großen Zuspruch erfuhr am Freitagabend der Neujahrsempfang der Stadt Gommern, verbunden mit der Würdigung ehrenamtlich Tätiger.

Gommern l Die Sorgen wurden während der zweieinhalbstündigen Veranstaltung nicht vergessen, aber die Freude über das Erreichte und der Stolz auf die vielen ehrenamtlich Tätigen standen am Freitagabend in der Versammlungsstätte am Volkshaus im Vordergrund. Mehr als einmal durfte zum Neujahrsempfang der Stadt Gommern auch herzlich gelacht werden. Den Anfang machte Bürgermeister Jens Hünerbein, dem gerade während des Satzes "Albert Einstein soll einmal gesagt haben ..." einfiel, dass er seinen Möckeraner Amtskollegen Frank von Holly bei der Begrüßung vergessen hatte. Er holte das sofort nach. Für die Zuhörer klang es, als hätte Einstein gesagt, dass er Frank von Holly begrüßen wolle ...

Das Originalzitat lautete übrigens: "Wenn`s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs Neue. Und wenn es schlecht - ja dann erst recht".

Keine größeren Katastrophen in der Ehlestadt, wichtige Investitionen von der elektrotechnischen Sanierung der Grundschule bis zum Ausbau der Ortsverbindungsstraße zwischen Dannigkow und Dornburg, gelungene kleine und große Feste in den Ortschaften machten 2014 zu einem "recht positiven Jahr" für Gommern.

Schattenseiten erkannte Jens Hünerbein eher landes- und weltpolitisch. Er zählte die weltweiten Krisenherde wie die Ukraine und den Arabischen Raum auf. "Hier bedarf es einer breiten Allianz der gesamten Welt, um diesem Terror Einhalt zu gebieten."

Klare Worte schickte der Stadtchef in Richtung Landesregierung: "Das Land ist gesetzlich verpflichtet, den Kommunen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um ihre Aufgaben zu erfüllen, sofern sie diese nicht durch Eigenmittel decken kann". Aufgrund der Novellierung des Finanzausgleichs muss die Stadt Gommern in diesem Jahr mit 440 000 Euro weniger an Zuweisungen aus Magdeburg auskommen. "Wie aber soll man für die Zukunft planen, wenn regelmäßig einem der Boden unter den Füßen entzogen wird?"

Eine deutliche Abfuhr erteilte Jens Hünerbein den Rechten. "Wir werden in der Einheitsgemeinde keinem braunen Gedankengut Platz einräumen", sagte er mit viel Nachdruck. Die Besucher spendeten Beifall.

Mit dem 2014 neu gewählten Stadtrat wünschte er sich eine "zukunftsorientierte und sachbezogene Zusammenarbeit".

Was die Zukunft anbetrifft, bereitet vor allem die demografische Entwicklung dem Bürgermeister Sorgen. Zwar war die Wanderungsbilanz zuletzt positiv: 525 Zuzüge gegenüber 497 Wegzügen, aber die Geburtenrate liegt sehr deutlich unter der Sterberate. Im vorigen Jahr wurden 74 Kinder geboren, jedoch verstarben 155 Gommeraner.

Seine Aufforderung, sich für mehr Kinder zu entscheiden, erwies sich als Bumerang. "Wer von Nachwuchs spricht, muss mit gutem Beispiel vorangehen", sagte Landrat Steffen Burchhardt in seinem Grußwort und hatte das Publikum auf seiner Seite.

Für das laufende Jahr kündigte Jens Hünerbein Investitionen in jeder Ortschaft an. Er zählte die größten Bauvorhaben auf und sagte, dass der Fokus künftig auf dem Erhalt des Geschaffenen liege.

Die Sanierung der Europaschule Gymnasium Gommern stehe auf der Prioritätenliste weit oben, reagierte Steffen Burchhardt auf einen Wunsch des Bürgermeisters. Dass die Sanierung der Ortsdurchfahrt Pöthen früher als 2019 realisiert wird, dafür machte er wenig Hoffnung. "Wir haben 1,5 Millionen Euro für den gesamten Landkreis. Das ist ein Witz für so ein Straßennetz", fand der Landrat klare Worte. Das Geld reiche nicht einmal für den Werterhalt. Er formulierte seine Hoffnung, dass das bald auch von der Landesregierung erkannt werde.

Wichtig war ihm, dass Landkreis Jerichower Land und die Gemeinden nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander. "Wir sitzen in einem Boot. Wir sind eine Mannschaft."

Steffen Burchhardt erfreute die Besucher des Neujahrsempfangs mit einer Anekdote aus Jens Hünerbeins Ausbildung und wollte damit zum Ausdruck bringen: "Sie haben jemanden, der sich für Gommern und die Ortschaften einsetzt".

Der Bürgermeister nahm die Episode mit Humor und kündigte scherzhaft an: "Ich werde beobachten, Herr Landrat".

Seit 25 Jahren verbindet Gommern eine Partnerschaft mit Königslutter. Wie ähnlich die Schwierigkeiten in beiden Städten sind, schilderte Bürgermeister Alexander Hoppe in seinem Grußwort. "Die Haushaltslage ist bei uns genauso schlecht wie bei ihnen." Er sah ebenfalls die Länder in der Pflicht, ihre Kommunen besser finanziell ausstatten.

"Möckern kann sich auf Gommern verlassen und umgekehrt", sagte Frank von Holly. Er sprach stellvertretend für alle Bürgermeister des Jerichower Landes, die der Einladung zum Neujahrsempfang in Gommern gefolgt waren. Ihm lagen vor allem zwei Dinge am Herzen: Das gemeinschaftliche Auftreten der Gemeinden und die Schwachen nicht zu vergessen.