Der Stricktreff im Soziokulturellen Zentrum ist Treffpunkt für Profis und Anfänger. Die Burgerinnen lernen von einander, planen die nächste Kreation und unterstützen ganz nebenbei Burger Kitakinder.

Burg l Eigentlich wollte Elke Schmidt die Frühchen im Krankenhaus bestricken. Doch aus hygienischen Gründen musste dieser Wunsch verworfen werden.

Donnerstag, 10.30 Uhr: Sie sitzt zusammen mit Annemarie Kirchhof, Brunhild Haase und Edeltraut Reichel an einer kleinen Tafel in einem Raum im Soziokulturellen Zentrum. Vor den Damen häufen sich kleine Mützen, Strickjäckchen, Pullover und allerlei Anziehsachen. Alles in Miniaturformat.

"Mal sehen, was wir noch für Größen brauchen", sagt Annemarie Kirchhof. Sie hat den Stricktreff im vergangenen Oktober gegründet. Seit ihrem 14. Lebensjahr lässt sie die Nadeln klappern. Ihr Lieblingsprojekt sind Puppenkleider.

Und so sollen die Kleinkunstwerke aus Wolle auch nicht Menschen, sondern Puppen neu einkleiden.

"Tja, wir wissen ja nicht, was die Kinder für Puppen mitbringen", überlegt Annemarie Kirchhof. Weil die eigenen Kinder und Enkelkinder schon zu groß für Gestricktes sind, kamen die Frauen auf die Idee, für die Puppen einer Kita neue Kleider zu stricken. Für die Kinder soll das eine Überraschung werden, daher bleibt an dieser Stelle geheim, für welche Kita gestrickt wird.

Anziehsachen für kleine und große Puppen

"Das passt dir doch schon mal, Babsi", sagt Edeltraut Reichel und angelt sich von dem Haufen ein weiß-rosa Mützchen mit passendem Strickjäckchen. Babsi ist eine Puppe, genausogroß wie ein sechs Monate altes Baby und blickt verträumt aus den kleinen Glasaugen. Strampler aus und rein in den wollenen Traum aus weiß und rosa. Edeltraut Reichel zupft noch die Ärmel zurecht und positioniert das Püppchen auf ihrem Schoß.

Insgesamt 50 Puppen hat die Sammlerin zu Hause. Im vergangenen Jahr verstarb ihr Mann und sie kam zur Strickgruppe, "um unter Leute zu kommen", erzählt sie, blickt auf ihre Babsi und deren Puppenfreund Paulchen, der mit einer neuen Bommelmütze eingekleidet wird. Sie greift zu ihren Stricknadeln und vertieft sich in den neuen Schal, der bestimmt einen kleinen Träger aus Kunststoff finden wird. Egal, ob in der Kita oder bei ihr zu Hause.

Während die anderen überlegen, was die Kinder auch selbst kleines Stricken könnten, wenn sie die Strickdamen mit ihren Puppen besuchen, klappern Brunhild Haases Nadeln. Über die Rundnadeln huscht der Wollfaden abwechselnd vor die Nadel in ihrer linken Hand und dahinter. Sie arbeitet an einer Strickjacke. Der Farbverlauf von grün nach weiß entsteht dank der Wollfärbung, das Muster dank ihrer flinken Hände und den rechten und linken Maschen. Gut drei Zentimeter wird sie in den 90 Minuten schaffen, in denen sich die Strickdamen um die kleine Tafel mit Wolle, Puppenkleidern und Kaffee versammeln.

Mit kleinen Tricks für schnelles Anziehen

Elke Schmidt fachsimpelt in der Zeit mit Annemarie Kirchhof über die beste Vorgehensweise für einen kleinen Pullover. "Wenn du den am Stück strickst, hast du keine Nähte und er rutscht besser über den Kopf", erklärt Annemarie Kirchhof an einem gelben Exemplar. "Dann können die Kinder sie den Puppen schneller an- und ausziehen", erkennt Elke Schmidt nickend an. Gerade hat sie eine kleine Jacke fertig gestrickt. Ein Teddy, der in der Mitte sitzt, muss nun nicht mehr frieren.

"Knöpfe können wir mit den Kindern annähen", schlägt Elke Schmidt vor. Annemarie Kirchhof kramt in ihrer Kiste und holt Bommeln raus. "Ja, und die können sie gut aus Wollresten machen."

"Ich bin gespannt, was die Kinder machen wollen", sagt sie und schaut lächelnd auf die Kleidung im Miniaturformat.

 

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