Jeder dritte Deutsche raucht. Viele sind süchtig nach Tabak. Kathrin Machill gehört nicht mehr dazu. Ein Erlebnis und eine Therapie in Lostau hat sie zum Nichtraucher gemacht.

Lostau l F6 war ihre Hausmarke: "Eine Schachtel hab ich jeden Tag geraucht", erzählt Kathrin Machill. Den größten Teil ihres Lebens war die Zigarette ein guter Freund. So ein Filter hilft morgens beim Wachwerden, gehört zu jedem Kaffee dazu und sorgt bei Stress für Entspannung.

Jedenfalls dachte das Kathrin Machill fast 25 Jahre lang. Heute weiß sie es besser: "Der Kaffee schmeckt auch ohne Zigarette." Ein Nichtraucher ist viel freier und braucht seinen Tagesablauf nicht nach Raucherpausen zu strukturieren. Er wird nicht nervös in Meetings, im Zug, in Nichtraucherzonen, er hat keine Sucht mehr, die er befriedigen muss!

Ihr ganz persönlicher Tag der Befreiung ist der 17. März 2012. Am Abend zuvor hat sie die letzte F6 ihres Lebens in Rauch aufgelöst.

Rückblick: Ihre Raucherkarriere begann mit 17 wie bei tausenden anderen Jugendlichen auch: "Wenn wir uns getroffen haben, gehörte die Zigarette ganz einfach dazu. Das galt damals auch in Diskotheken oder Kneipen. Kathrin Machill erinnert sich: "Nichtraucher waren damals die Ausnahme. Das betraf ein, zwei Leute von zehn. Der Rest hat geraucht: F6, Cabinet, Semper, Juwel oder Caro - das waren die Zigarettenmarken des Ostens.

Bis zu ihrem 41. Lebensjahr gehörte für Kathrin Machill die Zigarettenpause dazu. Bei ihrem Mann hat es schon fünf Jahre zuvor Klick gemacht: "Er hat von einem Tag auf den anderen einfach aufgehört. Dafür war ich damals noch nicht stark genug. Lediglich zwei Schwangerschaften haben mich pausieren lassen."

Dann kam das Erlebnis, das sie innerlich aufgewühlt hat: "Wie jeden Abend habe ich meine beiden Kinder ins Bett gebracht. Beim Gute-Nacht-Kuss sagte mein Sohn: Mutti, du stinkst!"

Die Barriere war gebrochen, als sie kurz darauf eine Meldung in der Zeitung liest: Rauchfreikurse an der Lungenklinik in Lostau. Kathrin Machill rief dort an und lernte Kursleiterin Liane Scheffler kennen.

Kurz darauf trafen sich die beiden Frauen mit weiteren Teilnehmern zum ersten Lehrgang an der Klinik. 14 Tage lang hatten sie auf den Tag X hingearbeitet. Von Liane Scheffler bekam Kathrin Machill eine Karte. Darauf sollte sie notieren, wann und warum sie sich jetzt eine Zigarette anzündet: "Schon beim Notieren habe ich mich gefragt, warum rauche ich jetzt eigentlich? Gibt es dafür wirklich einen Grund?

Seit 2012 gibt Liane Scheffler Rauchfrei-Kurse an der Lungenklinik in Lostau. Sie sagt: "Nikotin ist ein raffiniertes Monster. Um damit Schluss zu machen, braucht es Willensstärke und Köpfchen." 50 Menschen hat sie seitdem in den Kursen betreut: "80 Prozent der Leute sind nach dem Kurs rauchfrei. Immerhin 50 Prozent sind es auch noch nach einem Jahr."

Die Kurse dauern nur sechs Wochen. Danach kann sich jeder telefonische Hilfe bei ihr holen. Ein halbes Jahr später ruft Liane Scheffler bei ihren Klienten an. Kathrin Machill bekam neulich einen Blumenstrauß von ihr: "Schließlich ist sie jetzt seit fast drei Jahren weg von der Zigarette."

Liane Scheffler vermittelt den Menschen Argumente und pure Lebenserfahrung. Auch sie hat viele Jahre lang geraucht. Sie meint: "Die Idee, nicht mehr zu rauchen , ist so gut, dass du sie nicht für dich behalten solltest."

Und Kathrin Machill sagt: "Ich habe seitdem nie wieder eine Zigarette angerührt, nichtmal einen kleinen Zug genommen. Das Risiko war mir zu groß."

Nie wieder sagt ihr Sohn: "Mutti, du stinkst!"