Gommern l Die Sonne hatte herrlich geschienen, als Wegewart Steffen Grafe vor wenigen Tagen die heutige Tour noch einmal überprüft hat. Er nahm für die kurze Strecke das Fahrrad. Nicht zuletzt, damit er mit seinem Fahrradcomputer die Wegstrecke ausmessen konnte. Die Angabe ist wichtig für das Preisrätsel am Ende der Serie. Mit 2,5 Kilometer ist die Runde durch die Stadt die kürzeste der Unterwegs-Touren und natürlich bestens geeignet, sie zu Fuß zu entdecken. "Festes Schuhwerk sollte man schon tragen", rät Steffen Grafe. Denn hier oder da lohnt es sich, unterwegs auch mal vom eigentlichen Weg "abzukommen".

Los geht es wie gewohnt an der Gommeraner Wasserburg. Die Walther-Rathenau-Straße entlang ist schnell das neue Rathaus erreicht, auf dem Hof ist ein Teil der Zeitzeugen-Ausstellung zu sehen. Einen Schritt weiter öffnet sich der Durchgang in den Rosengarten mit seinen Kletter-, Strauch-, Wild- und Beetrosen. "Die schönste Zeit, den Garten zu besuchen, ist natürlich zwischen Juni und September", sagt Peter Barthels vom Atelier Barthels. Auch wenn die Rosen jetzt noch nicht blühen: "Der Garten ist eine sehr schöne, beruhigte Zone mitten in der Stadt." Und für Fußgänger oder schiebende Radler eine Abkürzung von der Walther-Rathenau-Straße in die Martin-Schwantes-Straßes.

Schräg über die Straße befindet sich die Filiale der Volksbank. Auf ihrem Hof steht der vor kurzem restaurierte Torso der Bildhauerin Petra Bammes. Bänke laden zum Verweilen ein. Noch eine Oase der Ruhe mitten in der Stadt.

"Gommern ist durchzogen von kurzen Querwegen, die als Abkürzungen genutzt werden können", erklärt Steffen Grafe und nennt beispielhaft den Hexengang und Schützengang.Auf einem dieser Wege führt die Tour weiter: der Pflaumenknick.

"Der Kräutergarten ist ein bisschen weg vom Schuss und deshalb weniger frequentiert, aber ein Besuch lohnt sich wirklich", macht Peter Barthels neugierig. Zu sehen sind dort Kräuter, die für die verschiedensten Zwecke genutzt werden können. Von Heilen über Färben bis zum Kochen. Der Garten habe mehr Aufmerksamkeit verdient, setzt Peter Barthels hinzu.

Vor dem Friedhof legt Steffen Grafe einen Halt ein, um am Gedenkstein den Opfern von Krieg und Gewalt zu gedenken.

Die Magdeburger Straße geht es ein Stück hoch zur Nordhäuser Straße, dann rechts rum über die Judenbrücke zum Osterberg, einem geschützten Biotop mit seltenem Magerrasen. "Über die Karl-Marx-Straße erreichen wir den Gesteinsgarten, fahren am Robinenhof rein." Der Gesteinsgarten ist in den 20 Jahren seines Bestehens zum größten Großsteingarten Europas gewachsen. Der Garten bietet Geologie zum Anfassen, verknüpft Tradition und Wissenschaft miteinander, lädt zur Beobachtung und zum Lernen ein. Nicht nur aus allen Bundesländern sind Exponate der Steinbruchindustrien ausgestellt, sondern aus vielen Ländern Europas. Den Rundgang kann man alleine unternehmen, sich aber auch einer fachkundigen Führung anschließen.

Der Ausflug an den Kulk lohnt sich nicht zuletzt wegen des Aussichtsturms.

Auf dem Weg durch die natürliche Heidelandschaft erreicht die Tour ihr letztes Ziel, den Heidengarten. Auf diesen will Steffen Grafe in diesem Jahr besonderes Augenmerk legen. "Jede Radtour wird den Heidegarten einschließen", kündigt er an. Wenn möglich wird Peter Barthels jeweils die Führung übernehmen.

Auf dem Gelände einer ehemaligen Abdeckerei - die alten Gommeraner erinnern sich noch, wie bei Ostwind der Verwesungs- und Verbrennungsgeruch in Richtung Stadt zog - wurde der Heidegarten nach Abriss und Entsiegelung des Betriebes Mitte der 1990er Jahre angelegt. "Mit seinen 550 Metern Wege ist es der größte Garten Gommerns", erklärte Peter Barthels. Wollte man den Heidegarten heute durch Firmen anlegen lassen, müsste man etwa 900 000 Euro investieren, will der Planer auf den großen Wert des Geschaffenen aufmerksam machen.

Während langsam die Winterheide zu blühen beginnt, ist der Besuch im Mai und im September im Heidegarten am schönsten, bei den Stauden im Mai und Juni.

Der Heidegarten, der über ein ABM-Projekt vorwiegend von Frauen in viel Handarbeit geschaffen wurde, ist aber nicht nur ein Ort zum Wohlfühlen und Staunen für den Menschen, sondern bietet zugleich ein sehr großes ökologisches Spektrum.

Das heißt aber nicht, dass es keine Sorgen gibt. Das Reitgras muss regelmäßig nivelliert werden. Nur durch das Abmähen wird die Pflanze so geschwächt, dass sie nicht den gesamten Garten überzieht. Und Pflanzen müssen immer wieder ersetzt werden, weil es in Gommern im Unterschied zur Lüneburger Heide zu trocken ist. Zehn Prozent der ersetzten Pflanzen sind aber auch schlichtweg geklaut worden.

Mit zwei Arbeitseinsätzen im Jahr und der kontinuierlichen Pflege durch die Stadt kann der Heidegarten erhalten werden. Bei den Einsätzen treffen sich junge und ältere Leute, langjährige Einwohner und Zugezogene. Ganz wichtig sei, so Peter Barthels, das Engagement der Sekundarschule Fritz Heicke. In den vergangenen sechs Einsätzen wurden weit über 1000 Stunden freiwillige Arbeit geleistet. Der nächste Einsatz steht am 14. März bevor.

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