Gommern l Das musikalische Thema zu "Schindlers Liste" erfüllte das Alte Pfarrhaus in Gommern. Als der letzte Ton auf Anke van den Vens Geige verklungen war, spendeten die Zuhörer angetan Beifall. Als die Musikerin erklärte, sie habe das Stück als Beitrag gegen das, was gerade im Land passiert, ausgewählt, klatschen die Gommeraner ein zweites Mal.

Von ihren zarten bis kräftigen Klängen und bis in alle Einzelteile ihres Aufbaus lernten die Besucher der Reihe `Mein Instrument` im Alten Pfarrhaus die Geige kennen.

Silke Fuchs hatte Anke van den Ven bei einem Konzert mit der Biederitzer Kantorei kennengelernt und die Musikerin hatte gern eingewilligt, ihr Instrument vorzustellen. Dabei wurde sie in Gommern von Beate Opolka unterstützt. Beide spielen in der Magdeburgischen Philharmonie. Begleitet wurden sie von zwei Schülerinnen. Die Mädchen stellten unter anderem die verschiedenen Effekte vor, die auf einer Geige erzeugt werden können und "sehr viel Feinmotorik" erfordern.

Silke Fuchs` Eröffnungsfrage, weshalb die Geige ihr Instrument sei, ließ die beiden Musikerinnen gleich ins Schwärmen geraten. Eine Begeisterung, die sich schnell auf das Publikum übertrug.

Während Beate Opolkas Vater schon professionell Violine spielte und seine kleine Tochter ihren fünften Geburtstag nicht abwarten konnte, bis sie das Instrument ebenfalls erlernen durfte, war Anke van den Ven von ihrem Bruder angesteckt worden. Der hatte eigentlich Blockflöte lernen wollen, aber die Musikschule hatte nur Plätze für Violine frei. Zuhause stellte sich die kleine Schwester mit zwei Stöckern daneben und imitierte sein Geigenspiel. "Oh Gott, die Kleine auch noch!", hieß es in der Familie.

Untersattel, Obersattel, Schnecke, Decke, Wirbel, Steg, Saiten und so weiter: Eine preiswerte Geige, die sich zum Spielen nicht eignet, baute Anke van den Ven gemeinsam mit den Schülerinnen auseinander, gab die Einzelteile ins Publikum und erklärte dabei Aufbau und Funktionsweise des Instruments.

Beate Opolka übernahm die Erläuterungen zum Bogen, dessen Aufbau kaum weniger komplex als der der Geige ist. Die Zuschauer fühlten das Rosshaar, das zum Bespannen benutzt wird und ließen sich erklären, wie die Menschen überhaupt auf die Idee kamen, Saiteninstrumente zu spielen.

Je komplizierter die Kompositionen und je größer die Konzertsäle wurden, um so komplexer wurden die Anforderungen an Geige und Bogen. War der "Teufelsgeiger" Niccolo Paganini im frühen 19. Jahrhundert eine Sensation, "kann seine Stücke heute jeder gute Student spielen", sagte Anke van den Ven. Inzwischen gebe es viel anspruchsvollere Literatur für die Violine.

Aber, aller Anfang ist schwer: "Es ist nicht leicht, einen geraden Bogenstrich auf der Geige zu machen." Wer wollte, konnte sich zum Abschluss der Veranstaltung selbst davon überzeugen.

Wenn es um das Instrument geht, spielt das Geld auch immer eine Rolle. Die Zuhörer im Alten Pfarrhaus erfuhren, dass in einem Bogen ebenfalls der Preis eines Kleinwagens stecken kann. Dafür ist - abgesehen von den Rosshaaren, die regelmäßig zu erneuern sind - kein Verschleiß am Bogen. Eine Geige muss regelmäßig gepflegt und in die Obhut eines Geigenbauers gegeben werden. "Ich liebe sie heiß und innig", sagte Beate Opolka zu ihrer 160 Jahre alten, italienischen Geige, mit der schon ihr Vater spielte. Anke van den Vens Geige ist noch etwas älter. Der ursprüngliche Geigenbauer lässt sich nach vielen Reparaturen nicht mehr feststellen. "Sonst könnte ich sie mir wahrscheinlich nicht leisten."

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