Burg/Genthin l 40 Mitarbeiter sind vom Aus des Betriebes betroffen. Die Frauen und Männer haben die Kündigung erhalten. Einige von ihnen haben in einem Gespräch mit der Volksstimme ihre Sichtweise und Einschätzung dargelegt (siehe auch Leserbrief unten). Sie wollen nicht namentlich genannt werden. Die Stimmung in der Region sei sehr aufgeheizt. Der Konflikt geht bis ins persönliche Umfeld. "Wir haben schon genug Sorgen. Wir haben unsere Existenz verloren."

Zwischen zwei und zwölf Jahren sind die fünf Mitarbeiter, die sich an die Volksstimme gewandt haben, nach eigenen Angaben bei Straathof in Gladau beschäftigt. "Wir fühlen uns ungerecht dargestellt und behandelt, wir sind keine Tiermörder", sagen sie bei dem Treffen. "Aber Schweinezucht ist doch kein Meerschweinchen-Streichelzoo." Sie erinnern sich an eine Aktion von Tierschutzaktivisten, die nachts in die Anlage eingedrungen seien. "Sie haben tote Ferkel aus dem Container in der Anlage verteilt und dann gefilmt und fotografiert. Das sollte dann als Beleg für die Zustände bei Straathof dienen." Auch das ZDF habe in Gladau gedreht. "Mit Riesenaufwand, es war alles sehr nett und freundlich. Aber die ausgestrahlte Sendung war ein Schlag ins Gesicht. Wir wurden wie Verbrecher dargestellt."

"Wir können uns jederzeit auf unseren Chef Adrianus Straathof verlassen - und er auf uns", sagen sie. Sie seien nie schlecht behandelt worden. Die Bezahlung sei übertariflich gewesen. Bei Problemen hätten sie sich jederzeit an Straathof wenden können und es sei eine Lösung gefunden worden. Für das gute Klima stünde auch, dass zum Familienfest im Herbst über 1000 Besucher gekommen seien. Es gebe gute Kontakte zu Schulen und Kitas. Aber es gebe auch Neider. "Man will ein gut florierendes Unternehmen kaputt machen", schlussfolgern die fünf Mitarbeiter.

Adrianus Straathof war Anfang der 2000er Jahre nach Gladau gekommen. Über die Jahre hat er hier nach Firmenangaben um die sieben Millionen Euro investiert. Seit etwa 2005 gab es im Bau- und Tierschutzbereich immer wieder Probleme mit den Behörden. Hohe Buß- und Zwangsgelder wurden verhängt. In großen Teilen musste Straathof auch zahlen. Inzwischen hat sich Straathof aus zwei seiner Anlagen im Land Brandenburg zurückgezogen. Beanstandungen gab es dort nicht.

Der Rat in Gladau sprach sich seinerzeit gegen eine Erweiterung der Anlage von anfangs 11 000 auf um die 60 000 Tierplätze aus. "Gladau hatte schon zu DDR-Zeiten 30 000 Mastschweine", sagen die Mitarbeiter. Wo wären die Unterschiede?

Eine Kontrolle von Kreis, Landesverwaltungsamt, Staatsanwaltschaft und Polizei im März 2014 hat das Fass wohl zum Überlaufen gebracht (Volksstimme berichtete). Seitdem scheinen die Fronten verhärtet.

Und die Kritikpunkte? Alle unberechtigt? "Herr Straathof hat in Gladau viel investiert. Es hat und hätte immer Lösungen gegeben", sagen sie ausweichend. "Wenn wir so schlecht wären, hätten wir nicht so einen Erfolg. Wir haben viele zufriedene Kunden." Noch im Herbst sei die Firma auf der "Euro-Tier", einer Großmesse in Hannover, aufgetreten. "Wir haben dort mit Stolz die Blusen mit dem Straathof-Logo getragen."

Der Landkreis wird seinen Kontrollpflichten in Gladau und in Kleindemsin weiter nachgehen, kündigte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) an. Verfahren laufen.

Burchhardt stellte sich vor seine Behörde und die Ergebnisse ihrer inzwischen mehrjährigen Arbeit. "Wir verhalten uns objektiv. Die Veterinäre machen ihre Arbeit und aus meiner Sicht saubere Arbeit. Die Misstände sind, wie sie sind." Er wies Vorwürfe zurück, die Entscheidungen der Fachleute in der Kreisverwaltung hätten zum Verlust der Arbeitsplätze geführt. Dafür trage der Unternehmer Straathof die Verantwortung. "Wir haben im Jerichower Land für die Einhaltung von Recht und Gesetz zu sorgen." Am 24. Februar soll das Magdeburger Verwaltungsgericht zum Schweinehaltungsverbot des Landkreises Jerichower Land gegen Adrianus Straathof verhandeln. Seine Anwälte halten das Gericht für befangen.

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