Seit der Eröffnung des Barby-Cafés in Loburg hängen die Bilder von Andreas Holtz an den Wänden. In einer verspäteten Vernissage wurden die Gemälde am Freitagabend in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt.

Loburg l "Ich finde, diese Bilder passen gut hier in das Café", freute sich in ihrer Begrüßungsrede die Café-Betreiberin Ruth Everinghoff. Den ausstellenden Künstler bezeichnet sie als einen guten Freund: "Es ist schön, dass er hier als erster Künstler seine Werke zeigen kann." Die Vernissage sorgte am Freitagabend dafür, dass das Café fast bis auf den letzten Platz belegt war - zu einer Zeit, in der die Café-Türen üblicherweise gerade abgesperrt werden. Eingefunden hatten sich zahlreiche Weggefährten aus Andreas Holtz Zeit in Gommern, erschienen waren aber auch Freunde aus seinem jetzigen Wohnort Domersleben in der Börde.

Andreas Holtz hat im Jerichower Land fast zehn Jahre lang seine Spuren hinterlassen, als Pfarrer in Gommern. Auch in dieser Region zog es ihn stets in die Natur, um zu malen. Holtz hat in seiner Malerei eine ganz eigene Handschrift entwickelt. Sie zeigt sich in der Auswahl der Motive, und sie zeigt sich in dem Umgang mit den verwendeten Farben. In seinen gegenständlich gehaltenen Bildern führt Andreas Holtz an Plätze, an denen sich der Betrachter gut vorstellen kann, selbst auch zur Ruhe und Einkehr kommen zu können. Er malt Felder an Waldesrändern, kleine Kapellen im Wald, verlassene Mühlen oder verträumte Bauernhäuser in wild blühenden Gärten.

Warum aber malt der Mann, der vielen als Pfarrer bekannt ist, so etwas? Will er zeigen, wie schön Gottes Schöpfung ist? Malt Andreas Holtz das Paradies auf Erden? Wohl nicht. "Kirchen und Mühlen brechen die Landschaft auf", erklärt der Maler: "Es sind harte Eingriffe des Menschens in die Natur, oftmals aber selbst längst wieder antiquiert. Wir sehen die Sehnsucht nach dem, was einmal Bedeutung hatte."

Menschen findet man in seinen Bildern dagegen selten. "Ich brauche keine Menschen in meinen Bildern", sagte Andreas Holtz. Und: "Wenn ich Menschen male, dann oft mich selber. Malen ist der Zugang zu mir selbst."

Walter Lauche war Mentor und großes Vorbild

Über 30 Jahre ist Andreas Holtz seinem Malstil treu geblieben. Auf seinen Leinwänden, die er selbst auf Rahmen spannt, entsteht mit Farben, die er nicht selten selber aus Pigmenten und Öl anmischt, ein Bild, das vorher schon da ist. "Wenn ich etwas gesehen habe, dann weiß ich, dass ich es malen muss", sagt er. Wenn es möglich ist, dann setzt er sich mit seiner Staffelei direkt dahin, wo er sein Motiv plein air - also vor Ort an der freien Luft - malen kann. Manche Werke entstehen dagegen erst zuhause aus der Erinnerung. Typisch für den Maler ist ein flächiger, oft zweidimensionaler Malstil mit meist zurückgenommenen, matten und nicht selten kühlen Farben.

Die Malerei beschäftigt Holtz seit den 70er Jahren. Seine künstlerische Ausbildung beschränkte sich auf Arbeiter- und Bauern-Malzirkel und Kurse in Fotografie. Eine besondere Heranführung an die Malerei brachte die Begegnung mit dem Fläming-Maler Walter Lauche in den 80er Jahren. Von diesem - 2010 verstorbenen - Mentor wurde Holtz stark beeinflusst. Den Fläming nennt Holtz - wenngleich 1962 in Leipzig geboren - heute seine Heimat.

Beruflich hinterließ Andreas Holtz Spuren als Zootechniker, Melker, Werbegrafiker, und nach einem wiederaufgenommenen Theologiestudium letztlich als Pfarrer. Doch die Kunst spielt in der Familie von Andreas Holtz eine große Rolle. Das beweist etwa die musikalische Betätigung des Bruders Christian.

Grenzsituationen als Anlass zur Malerei

"Das mit dem Malen klappt am meisten in schweren Zeiten. Grenzsituationen haben mir immer wieder Anlässe zur Malerei gegeben", sagt Andreas Holtz. "Ich sehe meine Bilder als Körbe, in denen lauter bunte Bruchstücke der Mauern liegen, mit denen ich im Verlaufe meiner Grenzerfahrungen konfrontiert worden bin. Mauern, gegen die ich angerannt bin und an denen ich mir im Laufe meines Lebens die Hörner abgestoßen habe."

"Ich stelle Euch die Körbe hin, damit Ihr Eure eigene Sehnsuche betreiben könnt", sagte Holtz den Vernissage-Besuchern am Freitag und griff so den ungewöhnlichen Titel der Ausstellung "Sehnsuche Landschaften" auf. Die Bilder sind bis Herbst 2015 zu sehen.

Das Barby-Café im Münchentor 1 in 39279 Loburg ist täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet, Montag ist Ruhetag, www.barbycafe.de.