Die Tourenvorschläge des Gommeraner Wegewartes Steffen Grafe laden die Volksstimme-Leser ein, die Einheitsgemeinde Gommern zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden.

Gommern l Nicht im Sommer, wenn es angenehm warm draußen ist, sondern jetzt ist Gommerns Wegewart Steffen Grafe am liebsten mit seinen (Rad-)Wandergruppen unterwegs. "Jetzt tragen die Bäume noch kein Laub, man kann noch viel sehen und erklären." Auf der 16 Kilometer langen Tour nach Dornburg kann er davon oft Gebrauch machen.

Los geht die Tour wie immer an der Gommeraner Wasserburg, über den Hexengang sind die Radler schnell im Gesteinsgarten, erreichen das alte Sägewerk und finden gegenüber den Überresten des (Steine-)Knackers einen schmalen Durchgang, der zur B 246a führt. Hier ist Gänsemarsch angesagt.

Durch den Blaurock und den Wald sind es nur vier Kilometer bis zum Ferienpark Plötzky. Mit Spiel- und Kletterhaus, Abenteuerspielplatz und Streichelgehege bietet die Anlage alles, was das Kinderherz begehrt.

Die B 246a muss wieder überquert werden. Auf der anderen Seite befindet sich der 1935 stillgelegte, 18 Meter tiefe Kolumbussee mit Eisdiele. "Hier trifft man im Sommer viele Gommeraner." Sozusagen einen Steinwurf entfernt, am Edersee, wurde ein großer Spielplatz und ein Nichtschwimmerbereich für Kinder hergerichtet.

Steffen Grafe nimmt die Radler mit durch den Wald. Es ist ruhig, von den Bäumen geschützt, stört kein Wind von vorne. In Pretzien ist das Wehr ausgeschildert. Vor Ort erklären Informationstafeln die Baugeschichte und Funktionsweise des größten Schützentafelwehrs Europas, das den Anfang des Ehle-Umflutkanals markiert. Das Pretziener Wehr wurde zwischen 1871 und 1875 errichtet und ist bis heute die wichtigste Hochwasserschutzanlage der Region. "Bei einem größeren Hochwasser wird das Wehr geöffnet, um bis zu einem Viertel des Hochwassers der Elbe über den Ehle-Umflutkanal abzuleiten, wodurch in Schönebeck und Magdeburg der Wasserstand der Elbe abgesenkt wird", schilderte Manfred Simon in seiner Arbeit über die Elbe im Raum Magdeburg. Das 134 Meter lange Pretziener Wehr besteht aus neun Wehrfeldern mit insgesamt 324 Schützentafeln, die jeweils 100 Kilogramm wiegen. Bis das Wehr vollständig geöffnet ist, dauert es mehrere Stunden.

Geöffnet wird es bei einem Wasserstand von 550 Zentimetern am Pegel Barby, wenn durch die Hochwasservorhersage ein Wasserstand von über 592 Zentimetern am Pegel Barby prognostiziert wird. Das Pretziener Wehr wird wieder geschlossen, wenn der Wasserstand auf 535 Zentimeter gesunken ist.

Bis 2012 war es insgesamt 62 Mal gezogen worden, das erste Mal bereits kurz nach seiner Fertigstellung im Jahr 1876.

Hochwasser? An der Wilden Zicke passieren die Radler den Stützpunkt der Wassersportler des SV Eintracht Gommern. Für jeden, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, ist es schwer vorstellbar, dass das hochgelegene Vereinsheim ein Raub der 2013er Flut wurde. Der Ersatzneubau wird im Juni anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Sportvereins offiziell eingeweiht.

Nicht zuletzt wegen der aktiven Jugendarbeit und der Möglichkeit, im Kanu die Natur zu erkunden, macht Steffen Grafe an der Wilden Zicke immer gern auf den Stützpunkt der Kanuten aufmerksam.

Auf dem ländlichen Weg geben die kahlen Bäume noch einen übersichtlichen Blick auf das Pretziener Wehr frei. Ein paar Minuten Fahrt später ist die Elbe erreicht. Der Weg hinunter zur Mündung ist im Moment sehr nass und zerfahren. Wer schmutzige Schuhe nicht scheut und gut zu Fuß ist, sollte den Fußweg zur Elbe auf sich nehmen. Der Abstecher bietet Natur pur.

Auf dem ländlichen Weg sind es noch etwa zwei Kilometer bis zum alten Ziegeleihafen. Zu erkennen nur noch am einzeln stehenden, eingezäunten Haus, das einst das Buchhaltergebäude gewesen ist.

"Die Dornburger Ziegel wurde bis zum Zweiten Weltkrieg nach Hamburg verschifft. Wegen ihrer hohen Qualität wurden sie in der Speicherstadt verwendet. Für einen unbeschadeten Transport packte man die Steine in Stroh ein", erklärte Steffen Grafe und verwies auf seine Gespräche mit dem ehemaligen Ziegeleimitarbeiter Siegfried Thiemke. Nach dem Krieg wurde in Dornburg für Magdeburg produziert. Auf alten Fotografien ist die Ziegelei hinter dem Buchhaltergebäude zu sehen. Das Trafohäuschen ist heute noch ein Anhaltspunkt. Sonst hat sich die Natur den ehemaligen Produktionsstandort zurückgeholt. Früher machten im Hafen nicht nur die Kähne für den Ziegeltransport fest sondern auch Ausflugsdampfer. "Aber das ist wieder eine andere Geschichte."

Wenn der ländliche Weg zu Ende ist, geht es über jahrhundertealtes Kopfsteinfplaster in Richtung Dornburg. Zum Glück gibt es einen Sommerweg, der sich radlerfreundlicher befahren lässt. Unterwegs fallen die vielen Kopfweiden auf. Sie sind charakteristische Bäume der Auenwälder in Überschwemmungsbereichen und entstehen durch eine besondere Schnittnutzung. Werden die Kopfweiden nicht regelmäßig beschnitten, drohen die Bäume auseinander zu brechen.

Ein Thema lässt auf dieser Tour nicht los: Hochwasser. Hinter der Dornburger Seebrücke kann Steffen Grafe an Bäumen und den ersten Häusern zeigen, wie hoch die Elbe im Juni 2013 gestanden hat. Unvorstellbar, diese Wassermassen. Zwischen See und Schlossmauer, einer sehenswerten Trockenmauer, die Pflanzen und Tieren gleichermaßen Lebensraum bietet, entlang führt ein schmaler Pfad zu einem steinernen Tisch am Ufer, direkt neben der früheren Badestelle. "Für Paare ist die Weide gleich daneben ein Geheimtipp. In den hohlen Baum passen beide rein, das gibt schöne Fotos", sagte Steffen Grafe. Das Schloss kann, aber muss nicht immer das Ziel für einen Ausflug nach Dornburg sein. Mit Schlosskrug und Café gibt es zwei Lokale zum Einkehren.

"Die Rücktour kann man über den Scharlebener See und auf der Kanonenbahn fahren. Dann sind es nur rund acht Kilometer bis zur Wasserburg."