Loburg/Möckern l Die Reaktionen in Möckern und Loburg auf die Aussagen des Landkreises sind unterschiedlich. Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly gab sich gestern immer noch geschockt: "Wozu haben wir so viel Zeit damit verbracht, ein Konzept zum Erhalt beider Standorte auf die Beine zu stellen, wenn jetzt doch so schnell das Aus für Loburg kommt?"

Frank von Holly: Enttäuscht über langes Schweigen

Die Sorge, dass die Idee einer Gemeinschaftsschule das Aus für die Loburger Sekundarschule beschleunigt haben könnte, lässt den Stadtbürgermeister nicht ruhen: "Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gegen eine Umwandlung der Schulform gewesen", sagte er gestern.

Frank von Holly zeigte sich enttäuscht, dass vom Landkreis und Landrat im Vorfeld keine Informationen an die betroffenen Entscheidungsträger ergingen. Erst im Kreiskulturausschuss am Dienstag war über die Schließungsabsicht des Landesschulamtes informiert worden. Das Landesschulamt hatte den Landkreis bereits am 9. Februar darüber in Kenntnis gesetzt, dass es zwar die "Einrichtung einer Außenstelle der Gemeinschaftsschule Möckern/Loburg in Loburg" für das Schuljahr 2015/2016 genehmige. Im gleichen Schreiben heißt es aber auch: "Der Schulträger ist aufgefordert den Zeitraum bis 31. Juli 2016 zu nutzen, um ausreichende Beschulungsbedingungen für alle Schüler am Standort Möckern herzurichten." Damit wird das Schulhaus in Loburg ab 2016 bedeutungslos.

Wünschmann: Entwicklung wurde verschlafen

Der Loburger Ortsbürgermeister Bernd Wünschmann kritisierte gestern die neue Situation: "Ich bin sehr enttäuscht und bedaure die Entwicklung. Aus meiner Sicht haben der damalige Landrat und Bürgermeister die Entwicklung verschlafen." Es sei sehr schade um den Schulstandort und die Region Loburg. "Bei solchen Entscheidungen darf man sich nicht wundern, wenn die ländliche Region ausstirbt", sagte Wünschmann. Er vertritt die Ansicht, dass gegen den Bescheid Rechtsmittel eingelegt werden müssen.

Bernd Wesenberg, Leiter der Loburger Sekundarschule, wollte die Forderung aus dem Landesschulamt gestern nicht weiter kommentieren: "Das sind politische Entscheidungen. Wir müssen akzeptieren, was der Schulträger sagt. Es gibt eben Vorschriften. Es ist immer schlimm, wenn ein Ort seine Schule verliert."

In der Möckeraner Sekundarschule überwog die Verwunderung: Die Regelung, dass schon ab 2015 die neuen Loburger Fünftklässler in Möckern eingeschult werden, habe angedeutet, wie es weitergehe. "Neu für uns war eigentlich nur, dass eine Außenstelle nur ein Jahr lang betrieben werden darf", sagte gestern Möckerns Schulleiterin Gudrun Gentz. "Wir haben nicht gewusst, was passiert", so die Sekundarschulleiterin, die erst aus der Zeitung von der beabsichtigten Schließung erfahren hatte.

Gemeinschaftsschule soll weiter umgesetzt werden

"Wir werden das gemeinsam erarbeitete Konzept einer Gemeinschaftsschule fortsetzen", so Gudrun Gentz gestern. Das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschule setzt auf gemeinsames Lernen nach der vierten Klasse. Unter anderem sollen die Klassenstufen fu¨nf und sechs in einer pädagogischen Einheit unterrichtet werden. Fu¨r die weitergehende Schullaufbahn von Haupt- u¨ber Realschulabschluss bis zum Abitur können sich die Schu¨ler nach der achten Klasse festlegen. Fu¨r das Abitur gibt es eine Kooperation mit dem Burger Fachgymnasium.

In Möckern lernen derzeit 192 Schu¨ler, in Loburg 139. Eine Vorgabe der Schulbehörde besagt: Bei zwei Schulen innerhalb einer Gemeinde muss eine 240 Schu¨ler und die andere mindestens 120 Schu¨ler zählen. Welche Auswirkungen eine Schließung in Loburg ab 2016 auf die hier beschäftigten Lehrer hat, liegt in der Hand des Landesschulamtes.