23 Pflegeheime mit rund 1400 Betten gibt es im Landkreis - mehr als 1300 sind derzeit belegt. Alles im Rahmen, wenn da nicht die erschreckende Bevölkerungsprognose für die nächsten zehn Jahre wäre. Immer mehr Alte auf immer weniger Nachwuchs: Das Thema auf der Vorstandssitzung der Kreissenioren.

Burg l Prognose für das Jahr 2025: Jeder Dritte im Jerichower Land ist älter als 65, insgesamt leben 20 000 Personen weniger im Kreis und zwei Menschen im Arbeitsalter kommen dann auf einen Ruheständler. Heute gibt es im Kreis 23 Pflegeheime, die 1400 Betten zur Verfügung stellen. Ob das in zehn Jahren noch ausreicht, ist unsicher. Fakt ist, heute schon sind mehr als 1300 der Betten belegt - von alten Menschen, die auf die Pflege angewiesen sind und voll-stationär in einem Heim leben müssen.

Rund 1000 Mitarbeiter kümmern sich im Jerichower Land um diese Menschen. Einige davon haben die Mitglieder des Vorstandes der Kreis-Seniorenvertretung am Mittwoch im Burger Seniorenheim in der Alten Kaserne kennengelernt. Eine von ihnen: Nicole Jacobs. Sie ist seit einem Monat die neue Leiterin im Heim. Und spricht auf der jüngsten Vorstandssitzung der Kreissenioren gleich eines ihrer größten Probleme an: "Es ist ganz und gar nicht leicht Personal zu finden."

Eine Ursache dafür ist, dass die Bezahlung in keinem Verhältnis mit der körperlichen und psychischen Belastung eines Altenpflegers stehe. "Man weiß zu Schichtbeginn nie, was einen heute erwartet", sagt Jens Mögel. Er leitet das zweite Heim des privaten Trägers in Heyrothsberge. Und nennt Beispiele aus dem Alltag, mit denen Pfleger zu kämpfen haben: "Es kommt immer mal vor, dass Bewohner aggressiv werden oder in die Ecke machen."

Herausforderung Demenz

Eine besondere Herausforderung stellen dabei die Demenz-Erkrankten dar. Im Durchschnitt leidet in jedem Heim mehr als die Hälfte der Bewohner an Demenz. Gerade die brauchten besonders viel Aufmerksamkeit. "Doch mittlerweile müssen wir viel mehr Papierkram erledigen, darunter leidet die Zeit für die Menschen", erklärt Leiterin Jacobs.

Und Bewohnerin Else Golembiewski kann genau das bestätigen: "Es wäre schön, wenn die Pfleger mehr Zeit für uns hätten, und nicht so viel Schreiben müssten." Ansonsten gefällt es der 89-Jährigen gut in dem Burger Heim. Selbst das Essen schmeckt. "Nur die Speisekarte könnte für ältere Leute verständlicher sein." Geht es nach Bewohner Uwe Rudolph würde er sich wünschen, dass nicht ständig das Personal wechselt.

Warum es den ein oder anderen Pfleger in die alten Bundesländer zieht, kann Heimleiter Jens Mögel erklären: "Dort verdienen die Mitarbeiter gerne mal das Dreifache." Landtagsabgeordneter Matthias Graner (SPD) war Gast auf der Vorstandssitzung und spricht eine logische Konsequenz höherer Löhne an: "Ein Heim- platz wird dann auch viel teurer sein." Und davon kann Bewohnerin Gerda Stadler ein Lied singen. Die 85-Jährige kommt aus Baden-Württemberg und ist durch das Internet auf das Burger Seniorenheim aufmerksam geworden. "Mir gefällt es hier ganz toll, und vor allem kann ich mir den Platz ohne Sozialhilfe leisten", erklärt Gerda Stadler.

Das Entgelt für einen Heimplatz liegt zwischen 1980 und 2600 Euro pro Monat, die Eigenanteile reichen von 700 bis mehr als 1000 Euro. Und wer die Voraussetzungen für die Pflegeversicherung nicht erfüllt oder eben nicht die nötigen finanziellen Voraussetzungen mitbringt, ist bei diesen Summen schnell auf Sozialhilfe angewiesen. Diese Unterstützung liegt in der Verantwortung des Landkreises. Deswegen nahm Sozialamtsleiter Hans-Jürgen Conrady an der Sitzung teil.

Er klärte die Mitglieder über die Sozialhilfe bei Pflegefällen auf: "Die greift für alle, die nicht Mitglied einer Pflegekasse sind oder keinen erheblichen Pflegebedarf mit einer Mindestdauer von sechs Monaten vorweisen können." Allerdings nur für den Fall, dass nicht das eigene Vermögen oder unterhaltspflichtige Angehörige zum Tragen kommen. Im Jerichower Land trifft das derzeit auf 190 Menschen in stationärer und 21 in ambulanter Pflege zu. Wo der Kreis noch Verantwortung trägt, ist in punkto Altenhilfe. "Bestimmte Schwierigkeiten, die durch das Alter entstehen, sollen damit aufgefangen werden." Das könnte zum Beispiel im Falle eines notwendigen Umbaus in der Wohnung sein.

Abschließend will der Vorsitzende der Kreissenioren Karl-Heinz Koszior wissen, in wie fern der Kreis sich auf die Betreuung demenzkranker Menschen - und vor allem ihrer Angehörigen - einstellt. "Es gibt nur eine Tageseinrichtung und bisher scheint es auch nicht mehr Bedarf zu geben", sagt Conrady. Bei Vorstandsmitglied Peter Hammer klingt das anders: "Der Bedarf ist auf jeden Fall da, nur kann kaum einer die Transportkosten finanzieren."

   

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